Drei Jahre Sperre für Spieler

Nach Massenschlägerei: Zehn Punkte Abzug für Hajduk Kassel

Kassel. Das Sportgericht hat den Fußball-Kreisoberligisten Hajduk Kassel nach dem Spielabbruch vor drei Wochen gegen die SVH Kassel zu harten Strafen verurteilt: Das Team bekommt neben der 0:3-Spielwertung nicht nur zehn Punkte abgezogen, sondern auch Strafen gegen zwei Akteure des gastgebenden Vereins aufgebrummt.

Leon Palushay erhielt 16 Partien Sperre, ein Teamkollege sogar drei Jahre. Anfang November war es bei einem Spiel zwischen den oben genannten Mannschaften zu einer Massenschlägerei gekommen. Bis zu sechs Männer kamen mit Teleskopstöcken und Baseballschlägern bewaffnet auf den Platz und attackierten einen Spieler von Hajduk. Ein Disput zwischen Albanern vor dem Spiel, an dem Leon Palushay beteiligt war, soll Ursache für die Massenschlägerei gewesen sein.

Aktualisiert um 15.15 Uhr

Das Sportgericht, das am Donnerstagabend von 18.30 Uhr bis 22 Uhr verhandelte, wollte sich zum Inhalt und zur Begründung des Urteils nicht äußern, da es noch nicht rechtskräftig ist. Der vorsitzende Richter Harald Kulle sagte nur so viel: „Es hat drastische Strafen gegeben.“ Die bestätigte gegenüber der HNA dann unter anderen SVH-Trainer Alexander Remus, der während der Verhandlung zugegen war.

Leon Palushay sei gesperrt worden aufgrund der Situation vor dem Spiel. Zudem soll es das Sportgericht als erwiesen angesehen haben, dass sein für drei Jahre gesperrter Teamkollege während der Massenschlägerei mit einem Knüppel oder Baseballschläger zugeschlagen hat. Zudem sei dem Platzverein anzulasten, dass er aufgrund der Vorkommnisse im Vorfeld der Partie keine besseren Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat. Bei Tabellenführer Hajduk Kassel herrschte Schockstarre, Unverständnis und Wut.

Auch der bestrafte Palushay meldete sich zu Wort: „Ich bin vor dem Spiel angegriffen worden und habe mich gewehrt. Auch als die Männer während des Spiels auf den Platz liefen und die Schlägerei angefangen haben, wollten wir uns doch nur wehren. Und jetzt werden wir so hart bestraft? Das kann doch nicht sein.“ Laut Palushay habe das Sportgericht in seiner Begründung gesagt, es komme darauf an, wie man sich wehrt. Selbst geladene Zeugen und Spieler der SVH hätten ausgesagt, dass sich die Mannschaft von Hajduk Kassel nur verteidigt hat. Von einem „echten Skandal“ spricht auch Hajduk-Trainer Zoran Zeljko. „Die sind doch zu uns auf den Platz gestürmt, und nun müssen wir die Konsequenzen ausbaden.

Wenn wir Leon Palushay nicht verteidigt hätten, hätten die Angreifer ihn sicher totgeschlagen“, sagt der Coach. Und weiter: „Ich denke, man will an uns ein Exempel statuieren. Wir werden alle Register ziehen und uns das nicht bieten lassen.“ Heißt, dass Hajduk die siebentägige Frist nutzt und Einspruch gegen das Urteil einlegt. „Wir lassen uns die ganze Saison und die Chance auf den Meistertitel von so etwas nicht kaputt machen lassen“, sagt Zeljko, der zudem kritisiert, dass er zur Verhandlung nicht als Zeuge geladen wurde. Auch strafrechtlich werden die Vorfälle verfolgt, derzeit ermittelt die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung.

Von Torsten Kohlhaase

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