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Nichtantritte von Fußballteams häufen sich: Ligaleiter sind alarmiert

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Von: Gerhard Menkel

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„Spiel fällt aus“ ist am Sportplatztor auf einen Zettel gekritzelt
Ein letzter Hinweis für die, die es noch nicht aus dem Internet erfahren haben. Mitunter finden sich solche Hinweise auf den Sportplätzen, wenn wieder einmal ein Gegner nicht kommen konnte. © Tobias Stück

„Nichtantritt HEIM“. „Nichtantritt GAST“. Solche Einträge im DFB-Net häufen sich. Die Klassenleiter der Kreisligen im Fußballkreis Waldeck sind besorgt.

Kreisfußballwart Gottfried Henkelmann ist ebenfalls besorgt. „Wir machen uns arg Gedanken, so schlimm war es in dieser Phase der Saison noch nie“, sagt sein Stellvertreter Dirk Emmert. „Es“, das meint Spiele, die nicht stattfinden, weil eine der beiden Mannschaften keine elf oder neun Spieler auf den Platz bringt und die Punkte deshalb dem jeweiligen Gegner auf dem Verwaltungswege überlassen muss. „Nichtantreten“ also, wie es in der Spielordnung des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) heißt.

Schon zehn Begegnungen haben Emmert, Staffelchef der A- und C-Ligen, und seine für die Kreisliga B zuständige Kollegin Gudrun Biederbick seit Anfang August mit dem hässlichen Ettikett „Nichtantritt“ versehen müssen. Die letzte erst am Sonntag. Dabei ist nicht mal die Hinrunde gespielt.

Klassenleiter ermöglichen auch kurzfristige Verlegungen

In Einzelfällen mag eine Erkältungswelle die Reihen lichten, eine Häufung von Verletzungen oder auch Covid-19 im Spiel sein. Doch sowenig Emmert in Corona noch einen Auslöser für eine Absage sieht, so wenig müssten die genannten Gründe die Klubs wohl zum Abschenken einer Partie zwingen.

„Wir sind für kurzfristige Verlegungen offen“, betont Emmert. Zur Not noch samstags, wenn die beteiligten Vereine mit der Absage gleich den neuen Termin präsentieren. Es müsse zwar im Rahmen bleiben und das Ersatzdatum dürfe nicht in eine Zeit fallen, in der absehbar ein Spielausfall drohe. Vor allem der Spielplan der Kreisliga C mit ihren neun Mannschaften in der Nordstaffel und ihren zehn Teams in der Südgruppe bietet aber Ausweichmöglichkeiten satt.

Die Spieler halten ihre Zusagen nicht ein, weil sie anderen Interessen den Vorrang geben.

Dirk Emmert, stellvertretender Kreisfußballwart

Werden sie nicht genutzt? Doch, der Staffelspielplan der C-Ligen weist eine Reihe verlegter Partien auf. Dirk Emmert sieht folglich andere, tiefere Ursachen für die Nichtantritte – und spiegelt damit, was er aus den Vereinen hört. „Der Fußball hat nicht mehr den Stellenwert wie früher, gerade bei den Jüngeren“, fasst der Sachsenberger die Aussagen zusammen. Es fehle oft an der Verbindlichkeit. „Die Spieler halten ihre Zusagen nicht ein, weil sie anderen Interessen den Vorrang geben.“

Uwe van der Heide kann das bestätigen. „Es gibt mittlerweile andere Prioritäten als früher bei uns“, sagt der Abteilungsleiter beim SV Ittertal, der bisher zwei Partien seiner Reserve kampflos abgeben musste: „Wenn die Oma Geburtstag hat, bleibt man zum Kaffeetrinken zuhause.“ Van der Heide macht aber noch einen weiteren Punkt geltend: die Spieltagsplanung. Wenn die zweite Mannschaft nicht mehr regelmäßig das Vorspiel der ersten bestreitet, kann diese Konstellation bei dünner Personaldecke seinen Worten nach das Nichtantreten begünstigen.

Nichtantritte: Warum auch der Spielplan schuld ist

Emmert kennt das Problem, klar. Es hängt, so sagt er, auch und vor allem mit dem System der Schlüsselzahlen zusammen, auf deren Grundlage die Spielpläne erzeugt werden. Jedem Verein wird eine Zahl zugeordnet; im besten Fall erhalten erste und zweite Mannschaft desselben Vereins dieselbe Schlüsselzahl.

Emmert, Plangestalter für alle Waldecker Kreisligen, versucht dann, möglichst oft Vor- und Hauptspiel des Klubs auf denselben Tag und – wo möglich – auf denselben Ort zu legen. Die Schwierigkeiten damit wachsen – seinen Worten nach grob zusammengefasst – je mehr, je stärker die Größe der jeweiligen Ligen voneinander abweicht, in denen die Teams des Vereins spielen.

In Waldeck sind die Unterschiede gerade ziemlich groß, die Kreisliga A etwa (um beim Beispiel SV Ittertal zu bleiben), zählt drei Mannschaften mehr als die C-Liga Süd, für letztere wird aber der gleiche 14er-Schlüssel angewendet – was in der Praxis bedeutet, dass die Zahl der spielfreien Teams am Sonntag höher sein kann als die der spielenden und zwischen den einzelnen Kicks mal zwei oder drei Wochen liegen können.

Mit neuen Schlüsselzahlen schon für die Rückrunde kann Emmert nicht dienen. Das sei erst in der Spielzeit 2023/24 möglich. „Diese Saison stehen die Schlüsselzahlen fest und damit auch der Spielplan“, sagt er. Er könne die Vereine nur bitten, „den von uns verteilten vorläufigen Spielplan genau zu prüfen, um dann mit den jeweiligen Gegnern in die Verhandlungen zu gehen, ob eine Verlegung möglich ist“. (Gerhard Menkel)

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