Abruptes Saisonende für Oberligisten

Interview mit Vellmars Handball-Torwart Christian Gumula: „Wir müssen das allein schultern“

+
Handball-Familie: Die Gumulas, Christian (von links), Arnor, Jesper, Ole und Julia, müssen den Alttag in Nordhessen allein schultern, die Verwandtschaft ist weit weg.

Christian Gumula ist einer der besten Handball-Torhüter der Region. Seit 2013 steht er im Kasten des TSV Vellmar, der jetzt aus der Oberliga wieder absteigt. Mit Gumula, der erst kürzlich seinen Vertrag in Vellmar verlängert hat, sprachen wir über den Abbruch der Saison, was es für ihn und seine Familie bedeutet und den Trainerwechsel beim TSV Vellmar.

Herr Gumula, wie schätzen Sie das plötzliche Ende der Saison ein?

Für einen, dem Handball so viel bedeutet wie mir, ist das schon ein komisches Gefühl. Kein Spiel, kein Training, nichts, nur Radfahren und Laufen. Aber die Entscheidung, alles abzusetzen, war die einzig richtige. Das muss man ohne Wenn und Aber so akzeptieren.

Sie haben drei Kinder, die betreut werden müssen, wie schultern Sie das, wo Schulen und Kindergärten geschlossen haben?

Das wird eine enge Geschichte. Wir sind hier ja völlig auf uns allein gestellt und müssen das alles selbst stemmen, die Verwandtschaft ist weit weg. Zum Glück kann meine Frau Homeoffice machen und die Kinder beaufsichtigen. Und wenn ich von der Arbeit komme, übernehme ich. Fest terminiertes Training fällt ja flach.

Sie haben kürzlich beim TSV Vellmar schon für die nächste Saison in der Landesliga zugesagt, das wäre dann Ihre achte Spielzeit. Was gefällt Ihnen in Vellmar so gut?

Beim TSV Vellmar passt alles zusammen: Solide Vereinsführung, zukunftsorientiertes Arbeiten, Zusagen werden eingehalten, man versucht neben dem Ligaalttag auch immer noch ein Highlight zu bieten. Nehmen wir doch die Spiele gegen Kiel, Gummersbach oder das amerikanische Nationalteam. In Vellmar kann man sich als Familie wohlfühlen, das ist für mich ganz wichtig. Für mich kam ein Wechsel des Vereins nicht in Frage. Und ganz wichtig ist auch die Personalentscheidung, Abraham Rochel zum Trainer zu machen und mit Gordon Hauer als Sportlichem Leiter zu arbeiten. Das hat Zukunft.

Vor jeder Saison kommt immer wieder das Gerücht auf, „Gumu“ ist weg. Was sagen Sie dazu?

Woher das kommt, kann ich nicht sagen. Natürlich kommen andere Vereine und fragen, ob ich nicht wechseln will. Aber bis jetzt war ich und Vellmar zufrieden. Und vor allem nach der neuen Planung mit Rochel und Hauer war das kein Thema. Außerdem muss ich schauen, dass ich Beruf, Familie und Handball unter einen Hut bekomme, und das klappt beim TSV bestens.

Die abgebrochene Saison in der Oberliga war ja nicht gerade ein Renner. Hatten Sie sich das so vorgestellt?

Dass es schwer werden würde, war klar, aber da mussten wir ganz einfach durch. Diese Saison war für mich als Spieler ein sportlicher Tiefpunkt, nur zwei Punkte auf dem Konto, das hatte ich noch nicht. Aber wir haben uns nie hängen lassen, oft genug Charakter gezeigt und Werbung für die nächste Saison in der Landesliga gemacht.

Sie werden am 24. März 35 Jahre alt, haben Sie schon mal ans Aufhören gedacht?

Nein, ich will mit einem zwinkernden Auge noch zehn Jahre Handball spielen (lacht).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.