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„Flucht aus der Kreisliga A“: Vier Teams steigen freiwillig ab

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Wiedersehen in der B-Liga? Sascha Kofer (Odershausen) im Spiel gegen Volkmarsen II mit Philipp Mechelk (am Boden) und Kapitän Jahn Biechler (6).
Wiedersehen in der B-Liga? Sascha Kofer (Odershausen) im Spiel gegen Volkmarsen II mit Philipp Mechelk (am Boden) und Kapitän Jahn Biechler (6). © malafo

Kleines Erdbeben in der Waldecker Fußball-Kreisliga A: Von den 14 Mannschaften suchen nach dieser Saison vier auf eigenes Betreiben eine neue Heimat in der B-Klasse.

Kreisfußballwart Gottfried Henkelmann spricht von einer „Flucht aus der A-Liga“. : TSV Ehringen, TSV Odershausen, TuS Bad Arolsen II und VfR Volkmarsen II haben rechtzeitig vor dem 15. Mai den Antrag auf freiwilligen Abstieg gestellt.

Unerwartet kommt vor allem der Ehringer Rückzug. Die Mannschaft spielt als aktuell Rangsiebter eine gute Rolle in der Liga. Dagegen hielt sich Odershausen von Saisonbeginn an in der untere Etage der Tabelle auf, steht aber aktuell über der „Roten Zone“.

TuS Bad Arolsen: „A-Liga eine Nummer zu groß“

Die Anträge der zwei Vereine auf Nichtabstiegsplätzen gingen bei Henkelmann zuerst ein; damit gelten sie als erster und zweiter Absteiger. Runter muss das sportliche Schlusslicht Blau-Gelb Korbach II, denn die „Erste“ der Kreisstädter verdrängt als Absteiger aus der Kreisoberliga die „Zweite“ in der A-Liga. Weil das Absteiger-Maximum damit erfüllt wäre, sahen sich die Klubs der beiden Reserven auf den sportlichen Abstiegsplätzen 12 und 13 plötzlich mit der Möglichkeit konfrontiert, die Klasse zu halten – gegen ihren Wunsch.

„Wir wollen in die B-Liga und haben uns zum Glück auch schriftlich bis zum 15. Mai beim Fußballkreis gemeldet“, sagt TuS-Vorsitzender Carsten Strippel und betont: „Die A-Liga war für uns eine Nummer zu groß.“ Da sich personell im TuS in der neuen Saison kaum etwas verändere, wolle der Verein den Spielern nicht noch mal den Frust vieler und auch hoher Niederlagen zumuten.

VfR Volkmarsen: „Wollen uns neu ausrichten“

Auch der VfR will mit seinem Antrag die Zukunft der Reseve in der B-Liga sichern, wie Sportwart Patrick Klein bestätigt. „Wir wollen uns neu ausrichten und neu aufbauen.“ Es sei dann einfacher, die jungen Spieler heranzuführen oder bei Personalknappheit einen „Altherrn“ um Aushilfe zu bitten.

Die vier Anträge dürften die Planungen des Kreisfußballausschusses für die neue Saison über den Haufen werfen. Eigentlich sollte die A-Klasse 15 Teams umfassen. „Das scheint richtig schief zu gehen“, sagt Henkelmann. Allerdings müssen die Anträge nicht genehmigt werden, beim zu Grunde liegenden Paragrafen 44 der Verbands-Spielordnung handet es sich um eine Kann-Bestimmung. Henkelmann kündigte eine Prüfung der Begründungen an. Formal entscheidet der Verbandsspielausschuss, er dürfte aber dem Votum des Fußballkreises folgen. Und ob der Klubs gegen ihren Willen in eine höhere Liga zwingt?

Wie sehr die A-Liga ausblutet, hängt an zwei Faktoren. Zum einen: Wie viele Absteiger kommen aus der Kreisoberliga? Drei, wenn alle Waldecker Vereine die Gruppenliga halten, vier, wenn nicht. Zum anderen könnten Henkelmann und seine Kollegen die SSG Ense/Nordenbeck bei ihrem Neustart in die A-Klasse eingruppieren. Diese würde dann 12 oder 13 Teams zählen. Sollten weitere Vereine freiwillig absteigen wollen (was bis zum 30. Juni geht), müssten sie übrigens zwei Ligen abwärts gehen.

TSV Ehringen: Acht Spieler beenden ihre Laufbahn

Wir haben Probleme, die in Zukunft wohl fast alle Vereine kriegen werden: Bei uns hören nach dieser Saison sieben Feldspieler plus Torwart auf, viele Leistungsträger, und wir haben für sie keinen adäquaten Ersatz.“ Damit vor allem begründet Harry Böse, der Sportliche Leiter des TSV Ehringen, den Antrag des Vereins auf Abstieg aus der A-Liga. Es handele sich vor allem um ältere Spieler jenseits der 35. Zudem verlasse Trainer Sascha Cellarius den TSV; für ihn kommt Spieler Thomas Günther (42), der den TSV schon mal trainiert hat, als Nachfolger.

Die Reserve soll nach den Plänen als Neuner-Mannschaft in der C-Liga starten. „Wenn wir die ,Zweite’ abmelden, haben wir Angst, dass wir auch die erste Mannschaft verlieren“, sagt Böse. Das alles sei natürlich auch mangelnder Jugendarbeit geschuldet. „Deshalb wollen wir im Sommer wieder eine Bambini-Mannschaft stellen.“ Für eine Spielgemeinschaft fehle dem TSV der Partner. Mit Niederelsungen besteht eine inoffiziell SG: für eine offizielle bliebe der VfR Volkmarsen. „Aber das wäre auf lange Sicht der Untergang des TSV Ehringen“, sagt Böse.

TSV Odershausen: Spielgemeinschaft in Sicht

Axel Finger, Vorsitzender des TSV Odershausen, erwartet, dass sein Team in der A-Liga der neuen Saison kaum konkurrenzfähig sein werde. „Wir stehen momentan als Elfter zwar auf einem Nichtabstiegsplatz, haben aber auf den Zehnten schon 14 Punkte Rückstand. Da wir uns auch nicht verstärken können und in den vergangenen zwei Jahren fünf, sechs Spieler an andere Vereine verloren haben, sehen wir uns als Abstiegskandidat Nummer eins in der A-Liga.“ Da der Verein Rücksicht auf seine Spieler nehmen wolle, habe er sich zum Wechsel in die B-Liga entschlossen.

Dieser Beschluss gilt, obwohl der TSV eine Spielgemeinschaft eingehen könnte. „Wir haben einen Partner gesucht und vielleicht auch gefunden, aber da die Gespräche noch nicht abgeschlossen sind, wollen wir den Namen noch nicht bekannt geben“, sagt Finger. Der mögliche Partner sei ebenfalls für einen Start in der B-Liga. (mn/rsm)

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