Neue Regeln für die neue Saison

Zehn-Minuten-Strafe wird im Fußball wieder eingeführt

Sie gehen bitte mal kurz raus: Die erhobene Hand mit zweimal ausgestreckten Fingern ist das Zeichen des Schiedsrichters, wenn er die neue Regel anwendet. Hier eine Szene von den A-Junioren, bei denen es Fünf-Minuten-Strafen gibt.
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Sie gehen bitte mal kurz raus: Die erhobene Hand mit zweimal ausgestreckten Fingern ist das Zeichen des Schiedsrichters, wenn er die neue Zeitstrafen-Regel anwendet. Hier eine Szene von den A-Junioren, bei denen es Fünf-Minuten-Strafen gibt.

Neue Fußball-Saison, neue Regeln. So ist es auch diesmal. Dabei erlebt eine vor 30 Jahren abgeschaffte Strafmaßnahme mit einem Pilotprojekt ihr Comeback.

Waldeck – Bei der Vorbereitung auf nahezu jede Fußball-Saison gehört auch mehr oder weniger viel Theorie dazu: neue Regeln in erster Linie. Die Aktiven in der Waldecker Schiedsrichter-Vereinigung lernten beim jüngsten Online-Lehrabend die wichtigsten kennen. Neben den veränderten Beurteilungsgrundlagen für Handspiel im Strafraum steht vor allem FaZ im Blickpunkt.

Dahinter verbirgt sich die Einführung der Zeitstrafe – im Fachjargon Feldverweis auf Zeit genannt –, die im Hessischen Fußballverband (HFV) als Pilotprojekt laufen soll. Eine zehnminütige „Denkpause“ für den Übeltäter soll die Gelb-Rote Karte ersetzen. Im Grunde ist der Einsatz der Zeitstrafe eine zweite Bewährungschance für „Wiederholungstäter“ auf dem Feld. Vor einem Platzverweis ist er dennoch nicht gefeit. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Zeitstrafe.

Für wen und ab wann wird die Zeitstrafe angewendet?
Die neue Regel gilt seit dem 1. Juli in allen Pflichtspielen der Senioren (Männer) unterhalb der Gruppenliga. Ausgenommen sind also Freundschaftsspiele, sodass sich die heimischen Kicker zum Beispiel im Waldecker Pokal darauf einstellen müssen, noch nach „alten“ Regeln zu spielen.

Wann bekommt ein Spieler „zehn Minuten“ aufgebrummt?
Die Zeitstrafe ist gleichzusetzen mit der zweiten Verwarnung (Gelben Karte). Wenn also ein bereits verwarnter Spieler sich erneut ein Vergehen leistet, das mit Gelb geahndet werden müsste, dann hebt der Schiedsrichter nun die Hand mit fünf ausgestreckten Fingern zweimal in die Luft und schickt den Übeltäter für zehn Minuten auf die Ersatzbank, die somit auch zur „Strafbank“ wird. Im Gegensatz zur Gelb-Roten Karte kann der Spieler nach Ablauf der Zeitstrafe wieder aufs Feld zurückkehren.

Muss der bestrafte Spieler genau 10,0 Minuten draußen bleiben?
Nicht zwingend. Der Schiedsrichter stoppt die zehn Minuten mit und holt nach deren Ablauf den Spieler per Handzeichen zurück aufs Feld. Dies kann auch während des laufenden Spiels geschehen. Die Strafzeit läuft auch bei Spielunterbrechungen weiter. Aber es liegt im Ermessen des Referees, die Strafzeit zu verlängern, also quasi nachspielen zu lassen, wenn es längere Unterbrechungen wie etwa durch Verletzungen/Behandlungen auf dem Platz gibt.

Was ist, wenn sich ein Spieler nach seiner Zeitstrafe noch ein gelbwürdiges Vergehen leistet?
Dann greift eine weitere Neuerung im Zuge der neuen Regel: Der Unparteiische zeigt dem Betreffenden dann die Rote Karte, da es ja keine zweite gelbe in Form von Gelb-Rot mehr gibt. Dieser FAD (Feldverweis auf Dauer) zieht auch eine Sperre nach sich. Deren Dauer muss der HFV noch festlegen, wie Kreis-Lehrwart Manuel Gutmann den heimischen Schiedsrichtern in der Sitzung bei seinen Erläuterungen mitteilte.

Was die Zeitstrafe bringen soll

Nach 30 Jahren Pause gibt es in Hessen wieder die Zeitstrafe bei Seniorenspielen. Der DFB segnete den Wunsch des HFV ab und genehmigte für drei Jahre ein Pilotprojekt. Ziel ist, dass es weniger Angriffe auf Unparteiische gibt. Die Zeitstrafe soll es möglich machen, „die Spieler aus den Situationen rauszunehmen und die Emotionen runterfahren zu lassen“, so HFV-Präsident Stefan Reuß. Man habe auch auf das Feedback der Vereine gehört, die den Verband immer wieder auf das Thema angesprochen hätten.

Was bedeutet die neue Regel für die heimischen Schiedsrichter?
Vor allem eine etwas intensivere Spielvorbereitung, wie Matthias Henkelmann nach Gutmanns Erläuterungen durchblicken ließ. „Ob wir diese Änderungen gut finden oder nicht – ihr müsst euch vor jedem Spiel genau klar machen, welche Regeln dafür gelten.“

Neue Regeln im Fußball: Verband muss noch Fragen klären

Umgehen müssen Spieler wie Spielleiter wohl auch damit, dass der HFV noch nicht alle Wege vollends bereitet hat, obwohl die neue Fußball-Regel bereits in Kürze angewendet wird – in Waldeck am 21. Juli beim Auftakt im Kreispokal. Die Handhabung im elektronischen Spielbericht, also wie die Zeitstrafe dort eingetragen wird, kennen die Unparteiischen nach dem Stand von Montagabend noch nicht. Das Bemerkungsfeld wird wohl des öfteren zu Hilfe genommen werden müssen. „Leider werden die Regeländerungen fast immer sehr kurzfristig kommuniziert“, monierte KSO Henkelmann.

Er muss sich auch noch um Klärung bemühen, was den Schiedsrichter-Austausch mit Westfalen betrifft. Dort ist die Zeitstrafe kein Thema. So ist noch offen, ob unter diesen Voraussetzungen die Schiris aus dem Nachbarkreis im Waldecker Land eingesetzt werden sollten oder nicht. (Dirk Schäfer)

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