Verbandssportgericht

Rassismus? Urteil über Sperre für Fußballer der SG Calden/Meimbressen vertagt

Grünberg. Entscheidung vertagt: Das Verbandssportgericht des Hessischen Fußball-Verbandes sprach am Samstag im mittelhessischen Grünberg noch kein Urteil in einem Fall, der für großes Aufsehen sorgte:

Dabei soll ein Spieler des Gruppenligisten SG Calden/Meimbressen während der Partie gegen die TSG Sandershausen Anfang September den gegnerischen Spielertrainer Gazwan Avakhti rassistisch beschimpft haben.

Aktualisiert um 13.55 Uhr

Es soll der Satz gefallen sein: "So einen wie dich müsste man in die Gaskammer stecken."

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Das Regionalsportgericht hatte den Beschuldigten in erster Instanz im Oktober für 25 Spiele gesperrt. Nun stand dieses Urteil vor dem Verbandssportgericht unter Vorsitz des Frankfurter Rechtsanwaltes Halil Öztas auf dem Prüfstand, weil Thomas S. Berufung eingelegt hatte. Dass es am Samstag nach knapp drei Stunden Verhandlung noch keine Entscheidung gab, lag am Fernbleiben eines wichtigen Zeugen. Der hatte sich kurzfristig entschuldigen lassen, weil er nicht freibekommen hatte. Er arbeitet bei einer Fastfoodkette.

Das Sportgericht, Vertreter der beiden Vereine und der Rechtsanwalt des Beschuldigten sahen es aber als zwingend erforderlich an, den Zeugen zu hören. Auch ihm gegenüber soll sich der Beschuldigte ausländerfeindlich geäußert und ihn als Dreckskanake bezeichnet haben.

Was die Auseinandersetzung zwischen Thomas S. und Gazwan Avakhti während der Partie Anfang September angeht, so steht weiter Aussage gegen Aussage. Thomas S. bestreitet, den Satz mit der Gaskammer gesagt zu haben und behauptet, Avakhti habe mit einem leichten Schlag auf seine Brust erst den Grund für ein Wortgefecht geliefert, in dessen Folge Schimpfwörter wie Wichser und Arschloch gefallen seien.

Dass er dort das Wort Kanake benutzte, wollte Thomas S. nicht ausschließen. Er betonte aber: "Mir kann man alles nachsagen - aber nicht, dass ich ausländerfeindlich bin."

Avakhti, der im Irak geboren wurde und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, hingegen wiederholte seinen Vorwurf. Der frühere Spielertrainer der TSG Sandershausen, der mittlerweile nicht mehr im Amt ist, belastete als Zeuge mit einer teils emotionalen Aussage Thomas S. erneut schwer.

Ein ehemaligen Mitspieler bestätigte Avakhtis Version als weiterer Zeuge vor dem Verbandssportgericht. Ein damaliger Zuschauer, der telefonisch als Zeuge zugeschaltet wurde, gab an, zumindest das Wort Kanake gehört zu haben.

Dennoch blieben Fragen offen, die der Vorsitzende des Verbandssportgerichts und dessen zwei Beisitzer mehrmals stellten. Sie wollten zum Beispiel wissen, warum Avakhti und sein ehemaliger Mitspieler nicht gleich zum Schiedsrichter gegangen seien und warum der Vorfall unmittelbar nach Abpfiff kein großes Thema gewesen sei. Die Verhandlung wird nun am 1. Februar fortgesetzt. Fernab der Verhandlung des Verbandssportgerichts hat Gazwan Avakhti auch Anzeige gegen Thomas S. bei der Polizei erstattet. (hag)

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