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Rollentausch mit dem Geschichtslehrer: 15-jähriger Schiedsrichter Max Wilke hat bereits 40 Saisonspiele gepfiffen

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Teenager mit Entscheidungskraft: Max Wilke steht mit 15 Jahren seinen Mann auf den Fußballplätzen im Waldecker Land.
Teenager mit Entscheidungskraft: Max Wilke steht mit 15 Jahren seinen Mann auf den Fußballplätzen im Waldecker Land. © Worobiow

Wenn ein Fußballer sagt, er habe 40 Spiele bestritten, ist die Saison vorbei. Wenn der 15 Jahre alte Max Wilke das sagt, ist für ihn aber erst Halbzeit, Winterpause.

Eimelrod –Der Schüler aus Eimelrod ist Schiedsrichter und er hat innerhalb von 16 Wochen 40 Fußballspiele geleitet. Die Vierzig machte er in der vergangenen Woche beim C-Jugend-Kreisligaspiel TSV Korbach gegen den TuS Bad Arolsen voll.

„Ich hatte in dieser Saison häufig drei bis vier Spiele pro Woche, auch schon fünf und dreimal eine Doppelbesetzung, das heißt, man muss an einem Tag zwei Spiele pfeifen“, sagt Max, der für den SV Eimelrod die Pfeife in den Munde nimmt.

Mit dem AST-Taxi zum Spiel fahren

Und es gibt Tage, da ist es für ihn schwieriger die Fahrt zum Einsatzort zu organisieren als eine Abseitsentscheidung zu treffen. Er hat Chauffeure im Hintergrund. „Meine Eltern fahren mich oft, wenn die nicht können, fährt meine Schwester und wenn mal gar nichts geht, gibt es ja noch das AST-Taxi, Bus und Bahn, die ich mit meiner Schulfahrkarte nutzen kann.“ Wenn alle mobilen Möglichkeiten für Max ausfallen, um auf die Sportplätzen zu gelangen, kann er auch beim SV Eimelrod um motorisierte Hilfe bitten.

Max legte die Schiedsrichtprüfung als Zwölfjähriger ab. In diesem Alter denkt doch jeder ans Fußball spielen und nicht ans Fußball pfeifen. „Ich finde Fußball gut, aber ich habe schnell gemerkt, dass mir dafür das Talent fehlt“, erzählt Max, der rund eineinhalb Jahre als Bambini und F-Jugendlicher bei der JSG Upland dem Ball hinterhergelaufen ist.

Vom Skispringer zum Schiedsrichter

Danach entdeckte der Gymnasiast der Willinger Uplandschule das Skispringen für sich. Doch auch hier kam ihm vor einem Jahre die Selbsteinsicht, für weite Flüge bin ich nicht gut genug. Zwei Freunde von Max bestärkten ihn darin, alles auf die Karte Schiedsrichter zu setzen. Paul und Max Bäcker wohnen in Eimelrod und kicken für die JSG Twistesee in der B-Jugend. Das Trio setzte sich ein Ziel: Bei einem Spiel gemeinsam auf den Platz zu stehen. Dieser Wunsch ging in diesem Jahr bei einem Testspiel gegen Ederbergland in Erfüllung: „Es war für uns drei schwer, dabei ernst zu bleiben.“

Max pfeift auch schon Spiele der Senioren in den Kreisligen und ist Assistent an der Seitenlinie in der Gruppenliga oder in der Jugend-Hessenliga. Sein junges Einstiegsalter könnte ihm Tür und Tor öffnen, um später auch höherklassig zu pfeifen. Die Regionalliga peilt Max als Ziel an, noch weiter aufzusteigen, sei auch Glücksache, meint er. Kann sich ein Schiedsrichter bis in die Profiligen hocharbeiten, wenn er selbst kein Fußballer war? Max antwortet darauf mit einem klaren ja, weil er sich viele Spiele anschaue und das Regelwerk mittlerweile gut beherrsche.

Lernen, auf Beleidigungen zu reagieren

„In meiner Anfangszeit habe ich einige Entscheidungen getroffen, die ein Schiedsrichter, der selbst Fußball gespielt hat, anders getroffen hätte, aber mittlerweile kriege ich das besser hin.“ Dem Einwand, dass Fußball sehen und Fußball spielen nicht dasselbe ist, muss er auf dem Platz immer wieder das Gegenteil beweisen.

Auch das Thema „Gewalt gegen Schiedsrichter“ bringt Max und die Pfeife nicht auseinander. „Körperliche Gewalt habe ich zum Glück noch nicht erlebt, aber verbale schon“, sagt der 15-Jährige. „Wenn man gleich von zehn Erwachsenen beleidigt wird, fühlt sich das nicht so schön an.“ Doch er hat schon gelernt, wie er darauf reagieren soll: „Auf kein Gespräch einlassen, ignorieren.“ Fällt ihm diese Reaktion leicht? „Ja, das kann ich ganz gut, weil ich mir von ein paar wenigen Leuten nicht meinen Spaß am Schiedsrichtersein verderben lassen will.“

Vereine sollten Schiedsrichter besser betreuen

Max spürt manchmal durchaus auch eine Art Welpenschutz, der ihm noch entgegengebracht wird. Sätze wie „er ist doch selbst noch ein Kind, lasst den mal in Ruhe“ hört er immer mal wieder. Für Max ist es auch wichtig, dass es in schwierigen Situationen Menschen gibt, die hinter ihm stehen. „Als ich einmal beleidigt wurde, kam ein Trainer zu mir und sagte, ich soll es nicht persönlich nehmen. Das hilft einem.“

Der Schiri wünscht sich allgemein eine bessere Betreuung von den Vereinen. Er fände es schon gut, wenn zumindest etwas zu Trinken in der Kabine stehen würde und er nicht einer Flasche Wasser hinterherlaufen müsste. Oft werde man als Schiedsrichter auch nicht begrüßt oder müsse sich selbst seine Kabine suchen „Auch duschen ist nicht überall möglich.“

Die schönen Momente würden aber deutlich überwiegen, betont Max und er erinnert sich gern an den 18. September. Vor der Partie SG Neudorf/H./H. II gegen die SG Eppe/N. II war er etwas nervöser als vor den anderen 39 Spielen. „Ich habe hier meinen Geschichtslehrer Steffen Wenig gepfiffen und ich musste ihm sogar die Gelbe Karte zeigen.“ So konnte Max seinem Lehrer auch mal etwas zeigen. Er habe die Karte wortlos hingenommen. (rsm)

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