Schweigen im Kloster, vegane Ernährung und Yoga: Martin Pyka ist ein Trainer der besonderen Art

Tausendsassa oder Fußball-Exot?

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Religion, Fußball und Yoga: Martin Pyka präsentiert auf dem Geländer der Karl-Branner-Brücke die drei Vorlieben seines Lebens.

Kassel. Man könnte ihn für einen Tausendsassa halten. Schließlich betätigt er sich vielfältig – und das mit Erfolg. Aber ein Tausendsassa? „Nein, ich will und muss mich spezialisieren, um nicht in Oberflächlichkeit unterzugehen“, beteuert Martin Pyka. 

Der Fußball-Trainer und Jugendkoordinator mit  „spirituellem Hintergrund“, wie er sagt, hinterließ im regionalen Sportgeschehen als 27-Jähriger bereits nachhaltige Spuren.

Maßgeblich prägte Pyka mit akribisch ausgearbeiteten Konzepten die erfolgreiche Jugendarbeit des OSC Vellmar und des SV Kaufungen 07, wo er zuletzt wirkte. Doch der Fußball ist längst nicht alles. Seit über sieben Jahren betätigt sich Pyka als Yoga-Lehrer und wirkt neben dem Referendariat am Kasseler Goethe-Gymnasium als Berater, Mediator und Referent sowie für den Hessischen Fußballverband im Auswahlwesen und der Trainerausbildung.

Bereits als 23-Jähriger erwarb er selbst die A-Lizenz. Regelmäßig zieht er sich ins Kloster zurück, „um zum Schweigen zu kommen und den Kopf zu klären“. Seit langem ernährt er sich nahezu vegetarisch sowie neuerdings vegan. „Anders wäre es mir nicht möglich, an sieben Tagen der Woche jeweils zwölf bis 13 Stunden zu arbeiten.“ Trotz hoher Beanspruchung trägt der gläubige Katholik Gelassenheit zur Schau.

Ist er also kein Tausendsassa, sondern in der Welt des Fußballs eher ein Exot? „Ja, mag sein“, stimmt er verhalten zu, verneint aber jegliche Akzeptanzprobleme: „Ich spreche eine etwas andere Sprache, habe aber nie Ressentiments verspürt. Fußball und Religion bilden eine wunderbare Verbindung, um Werte zu vermitteln.“ Zumal sich das Spielerprofil gewandelt habe. „Die Jungen und Mädchen sind kritikfähig und wollen Antworten. Und einem Sportlehrer nehmen sie vieles ab.“

Zudem griffen viele Aspekte seiner Persönlichkeit, so Pyka, ineinander. Zum Beispiel? „Ethische Grundwerte wie Ehrlichkeit und Vertrauen sind die Basis für den Umgang mit den Spielern. Jeder von ihnen ist kostbar und nicht nur Leistungserbringer.“

Im Sommer wird Pyka der Region wohl den Rücken kehren. Er hofft auf eine Anstellung im Schuldienst und möchte daneben seine Fähigkeiten und Konzepte als Trainer bei einem Verein einbringen, „der Jugendarbeit mit professionellen Strukturen betreibt“. Die Frage, wo er sich in zehn Jahren sieht, lässt ihn, dem alles zuzufliegen scheint, kalt. „Da mache ich mir keine Gedanken. An den Gelenkstellen meines Lebens habe ich bisher immer schnell die richtige Entscheidung getroffen.“

Und warum sollte er auch Bedenken hegen oder sich um die Zukunft sorgen? „Ich müsste nicht unbedingt in den Schuldienst, sondern könnte sogar vom Fußball allein leben“, sagt er und weiß dies zu schätzen: „Eine Menge von talentierten Spielern kann es nicht.“

Von Wolfgang Bauscher

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