Teil 3 der WLZ-Serie

Die 1980er im Waldecker Frauenfußball: Mehr Prestige durch Pokal und Halle

Das Schlussbild der ersten Hallenrunde: Sieger SV 09 Korbach und Vize TSV Sachsenberg beim Gruppenfoto mit Offiziellen (Zeitungsausriss).
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Das Schlussbild der ersten Hallenrunde: Sieger SV 09 Korbach und Vize TSV Sachsenberg beim Gruppenfoto mit Offiziellen (Zeitungsausriss).

In Teil 3 unserer Serie 50 Jahre Frauenfußball geht es um die 1980er Jahre. Die bringen den Frauen den Durchbruch und einige neue Trophäen.

Die UEFA, der europäische Fußballverband, reformiert den Frauenfußball, als der DFB noch immer alte Zöpfe kämmt. Mitte der 80er Jahre vereinheitlicht sie die unterschiedlichen Regeln der europäischen Länder. Die Frauen dürfen jetzt auch Stollenschuhe tragen, den normalgroßen Ball kicken und zwar bei jedem Wetter.

Auch das deutsche Fernsehen nimmt den Frauenfußball wahr: Es überträgt im Sommer 1989 das Halbfinale der EM zwischen dem Nationalteam und Italien live – eine Premiere. Die DFB-Frauen holen sich dann im Endspiel mit 4:1 gegen Norwegen den Titel. Beginn eines Booms?

In Waldeck ist die Kreisliga der Frauen mit immerhin acht Vereinen in ihre zweite Saison (1982/83) gegangen. Während der TSV Freienhagen als Aufsteiger in der Bezirksliga dem SV 09 Korbach willkommener Derby-Rivale ist, debütieren der TuS Hesperinghausen, der SV Ittertal und der TV Rhoden.

Frauenfußball: Als in Itter und Rhoden Ende war

Ittertal und Rhoden sind auch heute Adressen im Frauenfußball, wieder, muss man sagen. Der SVI verewigt sich 1985 zwar als erster Waldecker Pokalsieger und Doublegewinner, spielt in der Bezirksliga (Vizemeister 1987), doch auf Dauer reicht es nicht: Nachdem die Ittertalerinnen zwei Spielzeiten lang gemeinsame Sache mit dem TSV Meineringhausen gemacht haben (die SG wird Ende 1993 aufgelöst), ist 1994 Schluss: „Personalmangel“, heißt es bei der Jahreshauptversammlung des Vereins. Zehn Jahre später werden die Rasensportlerinnen mit Heimat Dorfitter zurückkehren.

Schwerer tut sich der Frauenfußball in Rhoden, der schon 1979 sein Teambuilding erfahren hat und sich dann 1982/83 in den Liga-Wettbewerb begibt. Nach drei gar nicht mal schlechten Kreisliga-Runden meldet die Germania im vierten Jahr (1985) nur für den gerade neuen Waldecker Pokal, ein Jahr darauf wieder für die Kreisliga, um im Oktober 1986, bei Halbzeit der Serie, doch aufzugeben. „Mangels Spielerinnen“, wie der langjährige Geschäftsführer Richard Bangert diagnostiziert.

Der erste Pott gehört ihr: Monika Niederquell, Spielführerin des SV Ittertal, erhält von Kreissportamts-Leiter Hans Hillmann den Cup nach dem ersten Finale im Waldecker Pokal der Frauen; in der Mitte Kreisfußballwart Helmut Merle, rechts Frauenreferent Herbert Bullik.

Begonnen hat es mit dem Wettbewerbs-Frauenfußball im Roten Land 1982/83 beim TuS Hesperinghausen, der auf Anhieb den Titel als Kreismeister holt, den Aufstieg aber ablehnt. Das wird nicht so bleiben, die SG (seit Pfingsten 1997 in einer eigenen Abteilung organisiert) wird eine führende Kraft des weiblichen Kickens in Waldeck, es bis in die Gruppenliga schaffen, zeitweise eine „Zweite“ und Mädchenteams unterhalten. Geschichte. Das Ende kommt nach fast 30 Jahren.

Etwas weniger weit trägt die Begeisterung, die Torhüterin Gudrun Biederbick für die Gründerjahre der SG Diemelsee feststellt. „Über mangelnde Spielerinnen und auch Zuschauer konnten wir uns nicht beklagen. Alle waren mit Feuereifer dabei. Wir wollten einfach nur Spaß haben und den hatten wir“, hält die heutige Frauenfußball-Referentin fest.

Erfolge haben sie in Stormbruch außerdem. Schon im zweiten Jahr steigen sie nach einem 3:0 im Entscheidungsspiel über den punktgleichen SV Ittertal als Meister in die Bezirksliga auf.

Zwei Punkte in zwei Jahren

Die SGD bleibt trotz Krisen eine Größe und wechselt zwischen der Bezirks- und der Kreisebene. In den Nuller-Jahren des neuen Jahrtausends wird sie das Aus ereilen. Andere halten nicht so lange durch.

Schon 1983 – in dem Jahr, in dem der DFB den Frauen mehr Spielzeit genehmigt (zweimal 40 statt zweimal 35 Minuten) – verabschiedet sich das erste Gründungsmitglied der Kreisliga.

Der TV Korbach schafft ein zweijähriges Gastspiel: 1981/82 (wobei wir offen lassen müssen, ob die Saison tatsächlich nach dem Jahreswechsel weitergeht) und 1982/83. Danach taucht der TVK nicht mehr in der Liga auf. In den uns bekannten Chroniken findet sich dazu keine Zeile.

Kurzlebig ist auch der Frauenfußball im TuS Arolsen. Nach den Spielzeiten 1983/84 und 1984/85 erfolgt der Rückzug während der dritten Saison. Keine, die nachrückt, um ausscheidende Spielerinnen zu ersetzen und damit ein zu kleiner Kader, so fasst der damalige Trainer Frank Sauer die wesentlichen Gründe für die kurze Blüte zusammen. Vielleicht ist es das nicht allein: Der TuS holt in seinen gut zwei Kreisliga-Jahren lediglich zwei Punkte.

Wie sich „Zwerg“ Sachsenberg verewigte

Im Südwesten des Kreises regt sich ebenfalls femininer Fußballgeist: Unter den Neulingen im Sommer 1983 ist auch der TSV Sachsenberg. Zwar schließen die Lichtenfelserinnen ihre erste Saison nur als Vorletzter ab, „verewigen“ sich aber in einem neuen Wettbewerb: den Kreismeisterschaften in der Halle – etwas, das die Männer nie wirklich auf die Reihe kriegen werden.

Der Meister wird noch nicht, wie heute, in einem einzigen Turnier gekürt. Statt dessen treffen sich nach zwei Spieltagen der Vorrunde 14 Teams zu den Finalspielen am 14. Februar 1984 in der Kreissporthalle. Topfavorit SV 09 Korbach gewinnt – und zwar mit 1:0 gegen Sachsenberg (Tor: Andrea Butterweck). Dass der „Zwerg“ (Originalton WLZ) überhaupt im Endspiel steht, bewertet die Zeitung als die „wohl positivste Überraschung“.

Der Erfolg bleibt die Ausnahme, die Basis für die Dauer fehlt – der Lichtenfelser TSV verschwindet nach drei Jahren wieder von der Landkarte.

Das geht beim TSV Flechtdorf, ebenfalls das erste Mal 1983/84 am Start, eindeutig länger. Die Frauen stecken die ersten Misserfolge gut weg – 16 Jahre Jahre halten sie durch, dann, nach der Saison 1998/99, stellen sie den Spielbetrieb erst mal wieder ein. „Es standen nicht mehr genügend Spielerinnen zur Verfügung“, bemerkt die Vereinschronik lapidar.

Zweikampf im Pokalfinale: Heike Wegener vom SV Ittertal (links) und die Sachsenhäuserin Britta Knüppel.

Zwischenzeitlich geht der TSV eine vier Jahre dauernde Zweckgemeinschaft mit dem SV Helmscheid ein. Die Grün-Weißen aus dem kleinen Korbacher Ortsteil zählen zu den erstaunlichsten Debütantinnen des Jahrzehnts: Sie haben sich nach einem Einlagespiel gegen eine Altherrenauswahl gefunden – und beschlossen, am Ball zu bleiben.

Sie benötigen eine hohe Frustrationstoleranz, denn ihre zwei Solospielzeiten beenden sie jeweils als Schlusslicht. Die im Protokoll zur ersten punktlosen Halbserie vermerkte Zuversicht, „auch für die Helmscheider Fußballdamen wird die Sonne wieder scheinen“, erfüllt sich in der SG mit Flechtdorf: Sie gewinnt 1987 den Waldecker Pokal. Zwei Jahre später erreicht sie gegen den TSV Meineringhausen erneut das Finale – die Abschiedsvorstellung für Helmscheid.

Waldecker Pokal: SV Ittertal Premierensieger 1985

35 Jahre hatten die Männer den Waldecker Pokal für sich allein, zur Saison 1984/85 fällt das Monopol: Der Kreisfußballauschuss (KFA) öffnet diesen hochtraditionellen Wettbewerb, der (anders als der Kreispokal) keinerlei weiteführende Qualifikation beinhaltet und allein um Ruhm und Ehre geführt wird, für die Frauen

Das erste Finale der Frauen bestreiten am 15. Juni 1985 in Sachsenberg der SV Ittertal und der TSV Sachsenhausen. Der Favorit aus Itter gewinnt mit 3:0 (Tore Conny Müller, Monika Niederquell, Sabine Kroll) und bringt den vom Landkreis gestifteten Pokal mit nach Hause.

Trainer Lessing und seine Spielerinnen feiern damit gleich auch das erste Double im Frauenfußball: Das Endspiel der Gruppensieger einer zum ersten und einzigen Mal zweigeteilten Kreisliga Waldeck haben sie nach Verlängerung mit 2:1 gegen Hesperinghausen gewonnen. (mn)

Lesen Sie auch: Die Anfänge des Frauenfußballs in Waldeck und Der Start in die 80er Jahre

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