Eltioni Pietri heißt der ungewöhnliche Neuzugang der Gimter Landesliga-Mannschaft

„Toni“ startet in sein neues Leben

Bei seinem Arbeitgeber in Gimte: Eltioni Pietri hat einiges neu zu regeln. Foto: Brandenstein

Münden. Eigentlich wollte Eltioni Pietri in Deutschland nur eine Woche Urlaub machen. Doch jetzt ist alles anders: Der 20-Jährige bekam einen Job und einen Platz in der Landesligamannschaft des Tuspo Gimte. Ein Traum wurde wahr für den in Griechenland aufgewachsenen Albaner.

„Ich kann es immer noch nicht glauben“, sagt Pietri. In Griechenland tobt die Wirtschaftskrise. Für junge Leute ist es so gut wie unmöglich, Arbeit zu finden. Indirekt hat Pietri die Wirtschaftskrise selbst erlebt. „Mein Vater kam mit meiner Familie vor 16 Jahren nach Griechenland und hat jeden Tag auf dem Bau gearbeitet. Jetzt ist er froh, wenn er mal eine Woche am Stück arbeiten kann“, sagt Pietri. Besorgt um die Zukunft seines Sohnes sprach sein Vater einen deutschen Bekannten an, und das neue Leben von Eltioni, der beim Tuspo „Toni“ gerufen wird, nahm seinen Lauf.

Er kam nach Münden, wurde bei der Firma Isophon Glas vorgestellt, überzeugte als Elektrikerhelfer und bekam direkt einen Job. Die Firma ist zugleich Hauptsponsor beim Tuspo Gimte und verschaffte dem jungen Albaner somit nicht nur eine Arbeitsstelle, sondern auch eine sportliche Perspektive.

Denn Fußball ist sein Leben. Seit er neun Jahre alt ist, jagt er dem runden Leder hinterher. Zuletzt spielte der Linksfuß bei einem Verein in Kreta in der vierten griechischen Liga. Trainiert hat er in Münden schon – und bekam gleich einen Kälteschock. „In Kreta sind es das ganze Jahr über mindestens 15 Grad“, sagt er und lacht. Zu den Stärken des trickreichen Stürmers gehören das Tempodribbling und der knallharte Schuss mit links, über den wohl nicht wirklich viele Spieler in der Landesliga verfügen. Dafür vermeidet er gerne mal einen Kopfball. „Vor Jahren wurde ich mal ziemlich übel bei einem Kopfball von einem Torhüter erwischt. Seitdem geht da nichts mehr“, berichtet er.

Pietri hatte im Gegensatz zu vielen anderen Einwanderern aber auch eine Menge Glück bei seinem Start in ein neues Leben. Der Verein besorgte ihm eine kleine Wohnung in Münden, eine Ersatzfamilie kümmert sich um den neuen Nachbarn und oft wird Pietri von seinen neuen Mannschaftskollegen eingeladen. Sylvester feierte der Bruder von zwei Schwestern (16 und 26 Jahre) beispielsweise mit Mannschaftskollege Andreas Kilian. Der wunderte sich gleich: „Erstaunlich, was ein so schmaler Mann alles essen kann.“ Denn das ist vielleicht die größte Umstellung für Pietri: In Griechenland sorgte seine Mutter für fünf Mahlzeiten am Tag. „Hier wird am Tag aber nur dreimal gegessen“, wundert er sich.

Doch die großen Herausforderungen stehen dem Albaner, der in Lezha (15 000 Einwohner) geboren wurde, noch bevor. Denn er will mithelfen beim Saisonziel Klassenerhalt. Außerdem muss er noch Deutsch lernen. Bislang kann er nur gut ein Dutzend Wörter. Einen Satz aber kann er direkt auf deutsch: „Ich bin torgeil.“ Und auf Tore können sich die Gimter freuen.

Von Daniel Schneider

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