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Jens Fresen: „Es hat nie Diskussionen um meine Person gegeben“

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Engagiert nicht nur an der Seitenlinie: Im Sommer endet aber Jens Fresens Engagement als Trainer der SG Goddelsheim/Münden; auf eigenen Wunsch.
Engagiert nicht nur an der Seitenlinie: Im Sommer endet aber Jens Fresens Engagement als Trainer der SG Goddelsheim/Münden; auf eigenen Wunsch. © bb

„Nach drei Jahren tut frischer Wind gut“, sagt Jens Fresen. Der Medebacher schlägt sein Buch als Trainer des Gruppenligisten zu und hört am Saisonende auf, ebenso Co-Trainer Enrico Schmiedeler.

Ein deshalb überraschender Schritt, weil es sportlich nach außen hin nichts zu meckern gibt. Die Lichtenfelser sind der einzige Waldecker Club, der in den vergangenen Jahren relativ mühelos die Klasse halten konnte. Im Interview spricht Fresen über seine Ansichten vom Tapetenwechsel und seine Zeit in Goddelsheim und Münden.

Herr Fresen, Sie sprechen vom frischen Wind. Braucht den die SG überhaupt? Sie war in der Gruppenliga dreimal in Folge bestes heimisches Team. Angesichts der Dominanz der Kasseler Mannschaften war doch mehr nicht drin, oder?
Ich glaube, bei der SG ist man schnell zufrieden, weil es für zwei so kleine Dörfer natürlich etwas Besonderes ist, dass man seit Jahren die Gruppenliga hält. Ich denke, es wäre trotz der guten Resultate mehr drin gewesen.

Die frühe Ankündigung aufzuhören ist sicher für den Verein hilfreich. Fürchten Sie aber nicht, dass innerhalb der Mannschaft, eine „laissez faire“-Haltung eintritt – nach dem Motto: Im Sommer wird eh´ alles auf null gestellt?
Das glaube ich nicht. Es sind alles intelligente, gute Jungs mit einer super Gemeinschaft ohne Eitelkeiten. Hier ist jeder für die Sache bereit, Opfer zu bringen. Ich habe eher das Gefühl, dass die Jungs Enrico und mir einen schönen Abschied bereiten wollen.

Mit ihrem Bruder Tim, Michael Kuhnhenne, Steffen Butterweck und dem Dreislarer Jannik Guntermann stehen vier Medebacher im Lichtenfelser Kader. Muss die Spielgemeinschaft um den Verlust des Quartetts fürchten, das bis auf Steffen auf Ihre Initiative zur SG gekommen ist?
Die vier haben wie der Rest der Mannschaft beim Training davon erfahren, dass ich aufhöre. Unabhängig von meiner Person fühlen sich die Jungs in der Truppe wohl. Der einzige bei dem feststeht, dass er mit mir aufhört, ist mein Co-Trainer Enrico Schmiedeler.

Werden Sie auch noch voll fokussiert und engagiert arbeiten, wenn der Klassenerhalt der Mannschaft früh feststeht?
Ganz klar, ja. Wir können es dieses Jahr schaffen, die höchste Punktzahl in der Gruppenliga seit 15 Jahren oder noch länger zu erzielen. Wer mich kennt weiß, dass ich mich bis zum Abpfiff im Sommer voll reinhänge.

Und dann?
Um ehrlich zu sein, habe ich mir da noch keine großen Gedanken gemacht. In erster Linie war mir wichtig, dass der SG-Vorstand sich früh um einen neuen Trainer bemühen kann. Das finde ich dem Verein gegenüber nur fair. Die Corona-Zeit war für einen Trainer schon anstrengend, sodass eine Pause sicherlich gut tun würde. Man muss auch ganz ehrlich sein, dass es schwierig wird, eine neue Mannschaft in so einer Spielklasse und in so einem guten Umfeld zu finden.

Durch die Rasenplätze muss man hier doch sehr improvisieren. 

Jens Fresen über Unterschiede zwischen Westfalen und Hessen

Sie sind beim TuS Medebach groß geworden. Was unterscheidet Ihren Heimatverein von der SG Goddelsheim/Münden?
Zum einen die Größe des Vereins: Der TuS hat viel mehr Möglichkeiten. Das zeigt alleine schon die Sportanlage mit Rasen mit Bewässerungsanlage und Kunstrasenplatz; dazu vier Umkleidekabinen mit großem Sportheim. Das soll aber nicht heißen, dass man bei der SG schlechte Bedingungen vorfindet. Dort ist alles top und die Vereine leisten großes, um für die Spieler diese Rahmenbedingungen zu ermöglichen.

Was nehmen Sie mit aus drei Jahren Trainertätigkeiten im Waldecker Land?
Erstmal bin ich dankbar, dass die SG mir das ermöglicht hat. Es ist ja auch mit Risiko verbunden, einen jungen Trainer in der Gruppenliga zu installieren. Man findet hier im Verein sehr viele Menschen, die den Fußball leben. Man kann als Trainer in Ruhe arbeiten, es hat nie Diskussionen um meine Person gegeben, egal wie schlecht es lief. Der potenzielle neue Trainer sollte also nicht lange überlegen.

Grundsätzlich ist der Stellenwert des Amateurfußballs in Hessen bzw. Waldeck sehr groß, die Berichterstattung in der Zeitung ist sehr gut, die Schiedsrichter sind hervorragend ausgebildet, was sicherlich auch daher kommt, dass die Schiedsrichter schon früh an der Linie stehen und Erfahrungen sammeln. In NRW wird ein Gespann zum Beispiel erst ab der Landesliga eingesetzt. Die Gruppenliga ist schon sehr professionell. Wenn es einen negativen Punkt gibt, dann die Wintervorbereitung. Durch die Rasenplätze muss man hier doch sehr improvisieren.  (bb)

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