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Ungewöhnlicher Doppel-Spieltag: Schiedsrichter Oliver Gries leitete zwei B-Liga-Partien hintereinander

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Drei Dinge braucht der Mann: Karte rot, Karte gelb und eine Pfeife. Oliver Gries versprüht viel Leidenschaft für seinen Aufgabe als Schiedsrichter.
Drei Dinge braucht der Mann: Karte rot, Karte gelb und eine Pfeife. Oliver Gries versprüht viel Leidenschaft für seinen Aufgabe als Schiedsrichter. © pr

Schiedsrichter, Telefon! Diesen Spruch kennt wohl jeder Fußballfan und er fällt einem ein, wenn Oliver Gries erzählt, wie er den vergangenen Sonntagnachmittag verbracht hat.

Korbach – Er pfiff die B-Liga-Partie SG Adorf/Vasbeck II gegen den SV Gembeck und nach seinem Abpfiff hatte er es sehr eilig, ohne sich umzuziehen, nahm er seine Tasche, lief zu seinem Auto, fuhr nach Eimelrod auf den Sportplatz, wo schon die Spieler von den Mannschaften des SVE und Blau-Gelb Korbach II auf ihn warteten und dann pfiff Gries sein zweites B-Liga-Spiel innerhalb von wenigen Minuten an.

Hat ihn der Kreisschiedsrichterobmann Matthias Henkelmann etwa mitten im Spiel in Vasbeck angerufen und gefragt, ob er auch noch das Spiel in Eimelrod pfeifen kann? Gries muss lachen. „Nein, ganz so schlimm ist der Schiedsrichtermangel bei uns noch nicht, Matthias hat bereits am Mittwoch in unsere Whatsapp-Schiedsrichtergruppe wieder einen Hilferuf gestartet, ihm fehlten neun Schiedsrichter und wer Zeit habe, solle sich bei ihm melden.

Gries bot sich an. Wie so oft. Der ehemalige Torwart, der momentan wieder für seinen Heimatverein TV Höringhausen pfeift, hat schon so manche personelle Lücke geschlossen. Als beim SC Blau-Gelb-Korbach vor acht Jahren Schiedsrichter fehlten, nahm er am Lehrgang teil, als Trainer fehlten, sprang er ein, als Betreuer fehlten.... „Als ich bei Blau-Gelb mit meinem Sohn anfing habe ich die F- und A-Jugend trainiert, war Schiedsrichter, Jugendleiter und ich habe auch selber noch gespielt, da war ich fast nur auf dem Sportplatz.“

Das war dann doch des Guten zu viel, heute ist er nur noch Schiedsrichter und wenn akute Not am Tormann ist, stellt er sich auch noch mal zwischen die Pfosten.

Beine nach Doppelbelastung schwerer

Das Ringen nach Luft auf dem Platz tritt für den 50-jährigen Gries heute natürlich früher ein. Die zwei Spiele hintereinander am Sonntag hat er auch körperlich gespürt. „In der zweiten Halbzeit wurden die Beine schon schwerer, aber die Konzentration hat nicht nachgelassen.“

Der gelernte Landwirt würde es aber immer wieder so machen, auch, weil die Spieler ihm deutlich signalisiert hätten, wie froh sie über sein Kommen gewesen seien.

„Viele haben mir auch ihre Dankbarkeit gezeigt und gesagt, wenn du jetzt nicht so schnell noch gekommen wärest, hätten wir das Spiel absagen müssen.“

Der Torwart Oliver Gries sah in seiner langen Karriere viermal glatt Rot. Das seien nicht viele gewesen, meint der 50-Jährige und vielleicht hätte der Torwart Gries beim Schiedsrichter Gries weniger Platzverweise erhalten: „Ja, ich bin eigentlich kein Schiri, der viele Karten gibt, dafür muss man aber auch Fingerspitzengefühl für die jeweilige Situation haben.“

Auch mit Kühen muss man sehr ruhig umgehen

Die Arbeit mit der Pfeife auf dem Platz ist meist auch eine gute Lehre für das Leben daneben. Ein Schiri sollte kritikfähig sein und immer ruhig bleiben bei verbalen Angriffen. Gries stimmt dem zu, aber Ruhe und Gelassenheit habe er eigentlich mehr durch die Arbeit mit Vierbeinern gelernt: „Ich bin von Natur aus eher ein ruhiger Typ und ich hatte viel mit Kühen zu tun, mit denen muss man ruhig umgehen, dann hat man weniger Probleme.“

Gries, der vor acht Jahren die Schiedsrichter-Lizenz mit seinem damals erst elfjährigen Sohn absolvierte, ärgert sich schon ein wenig, dass er nicht schon früher zur Pfeife und den Karten gegriffen hat, denn er hätte gern auch mal Spiele in der Gruppen- oder Verbandsliga gepfiffen. Der Sohn hat dieses Ziel erreicht, der Vater war dafür schon zu alt.

Kreisoberliga ist noch ein Ziel

Kreisoberliga ist jetzt noch ein Ziel für ihn, dort liegt die Altersgrenze für Schiedsrichter bei 55 Jahren. „Das ist schade, denn ich fände es besser, wenn Schiedsrichter einen Fitnesstest zu Saisonbeginn machen müssten und nicht allein das Alter entscheiden würde.“ Da ein Schiedsrichter auf Kreisebene keine Assistenten an den Außenlinien zur Seite gestellt bekommt, ist Gries auf dem Platz auf sich allein gesellt. Doch das bereitet ihm weniger Problem als vermutet.

Einmal hatte er Assistenten an seiner Seite, in den Waldecker Pokalfinals im Spiel um Platz drei. „Weil ich die Gespannsarbeit nicht gewohnt war, habe ich nicht so oft zu den Assistenten geschaut, wie ich es hätte tun müssen.“

Anfängern in der Branche der Unparteiischen rät Gries: „Jeder muss erst einmal seine Linie finden und die findet man nur durch pfeifen, pfeifen, pfeifen….“

Demütiger Kicker nach dem Spiel

Für Gries steht fest, dass ein Schiedsrichter immer in Ballnähe sein sollte, das heiße dann viel Laufarbeit - auch in den Kreisligen. „Ich schätze, es kommen bei mir pro Spiel rund vier bis fünf Kilometer zusammen.“

Und wie jeder Spieler benötigt natürlich auch ein Schiedsrichter Erfolgserlebnisse. Ein Lob aus Spielerkreisen ist da besonders wohltuend. Nach seinem ungewöhnlichen Doppel-Spieltag am Sonntag, wurde Gries in Eimelrod mit schönen Worten belohnt. Nachdem sich ein Spieler über eine Abseitsentscheidung heftig bei ihm beschwert hatte, kam er nach dem Spiel zu Gries und gestand ihm, dass er doch im Abseits gestanden habe. „Es ist immer wieder schön, wenn man es richtig gesehen hat.“ rsm

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