Verbandsliga: Zwei Joker stechen beim Melsunger 3:1 – Krug beendet Durststrecke

Aushilfe Boll trifft sofort

Ab durch die Mitte: Melsungens Henrik Heinemann (li.) lässt hier den Lehnerzer Franz Faulstich aussteigen. Foto: Hedler

Melsungen. Leonas und Bennet hatten nur eine Frage: „Papa, bist du wieder ein Fußballer?“ Die Antwort von Sebastian Boll: „Jetzt ja, aber nachher bin ich wieder da zum Spielen.“ Da waren die zweijährigen Zwillinge glücklich. Ebenso froh hatte der 32-Jährige zuvor das Team des Melsunger FV gemacht, weil er in der Verbandsliga-Partie beim 3:1 (1:0) gegen den TSV Lehnerz II vorentscheidend zum 2:1 erfolgreich war.

Das ist bemerkenswert, weil der schlacksige Mittelstürmer seit über drei Jahren kein Pflichtspiel mehr bestritten hatte, seit zwei Jahren sporadisch trainiert und nach eigener Aussage nur da war, „um die Bank warm zu halten.“ Nach 69 Minuten hatte das Vorhaben ein überraschendes Ende, denn er kam für Nick Krug auf den Platz, um im Zentrum Löcher zu stopfen. 300 Sekunden später folgte sein großer Auftritt, den er auf bescheidene Art schilderte: „Der Ball kam perfekt zu mir, ich stand frei und habe dann mit dem halben Gesicht irgendwie getroffen.“ Den Freistoß dazu hatte Mario Kilian serviert (74.).

Bis dahin war’s ein Verfolgerduell auf Augenhöhe, in dem meistens die Gäste zwingender wirkten. Etwa, als Torwart Sascha Beetz sein Können bei einem Fernschuss von Marek Weber zeigen musste (12.). Oder als David Wollny nur das Außennetz traf (20.). Dennoch ging Melsungen in Führung. Nick Krug markierte seinen ersten Saisontreffer, weil er eiskalt abschloss, nachdem ihn Kilian sehenswert bedient hatte (36.).

Glück hatte der MFV, als Weber aus acht Metern die schnelle Antwort verpasste (38.). Da wirkten die Hausherren ebenso unsortiert wie in einigen Szenen nach der Pause. Spielertrainer Timo Rudolph schlug über den Ball, so dass Beetz überragend halten musste gegen Weber (46.). Der Torwart lenkte anschließend einen weiteren Weber-Versuch über die Latte (49.). Und hatte Glück, dass Jan-Niklas Jordan zu zaghaft abschloss (50.). Folgerichtig gelang der Ausgleich. Wollny traf per Flachschuss nach einem sehenswerten Diagonalball von Jordan (71.). Bitter für den MFV, denn zuvor hatten die Bartenwetzer eine Ecke gehabt und wurden ausgekontert.

Der psychologische Vorteil lag jetzt klar bei den Gästen. Doch die hatten Sebastian Boll nicht auf dem Schirm, der zuletzt im August 2012 am Ball war, als sein Team noch in einer Liga mit der ersten Mannschaft der Osthessen spielte. Und weil’s für ihn lief, entschied er in der 88. Minute einen Zweikampf am eigenen Strafraum mit Kilian Sandner für sich, leitete einen Konter ein, der über Henrik Heinemann Fahrt aufnahm, ehe Boris Bajic schoss und der zweite Joker Carlos Michel zum Endstand stach. Kein Grund für Sebastian Boll etwas an seiner Rolle als Aushilfe zu ändern. „Die Familie geht vor. Aber wenn’s mal wieder passt, bin ich da.“ • MFV: Beetz - Lohne, Ruppert, Rudolph, Germeroth - Heinemann, Bajic, H. Schmidt, A. Schmidt (89. Haas) - Krug (69. Boll), Kilian (82. Michel). TSV: Grösch - Say, Gaul, Pecks, Faulstich - Jordan, Balzer, Tekleyes (46. Sternstein), Hohmann (76. Sandner), Wollny - Weber. SR: Werner (Zierenberg) - Z: 120. Tore: 1:0 Krug (36.), 1:1 Wollny (71.), 2:1 Boll (74.), 3:1 Michel (88.). Foto: Archiv/nh

Von Sebastian Schmidt

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