Spielertrainer-Duo Beetz/Rudolph im HNA-Interview: „Wir wollen mehr Fußball spielen“

Große Chance für Einsteiger beim Verbandsligisten Melsungen

Wird von hinten das Spiel seiner Mannschaft dirigieren: Melsungens Torwart und Trainer Sascha Beetz. Fotos (2): Hahn

Melsungen. Die heimische Fußballwelt staunte nicht schlecht als der Melsungen FV 08 vor der Winterpause als Nachfolger von Michael Wilhelm eine clubinterne Lösung präsentierte.

Das Trainergespann Beetz/Rudolph nämlich, das das heimische Team auf einen einstelligen Tabellenplatz führen will. Und auch sonst noch einiges bei den Bartenwetzern vorhat, wie die beiden Freunde im Interview preis gaben.

Seit fünf Wochen stehen Sie beide als Cheftrainer beim MFV in der Verantwortung, haben das Team auf die Rest-Rückrunde vorbereitet. Wie lief‘s?

Beetz: Reibungslos. Wir hatten ein, zwei Verletzte, doch dafür sind einige Leute wie Alexander Raabe oder Aykut Seker zurückgekommen und haben voll mitgezogen.

Rudolph: Unser Erfolg bei der Hallenkreismeisterschaft hat sicherlich die Motivation gefördert. Trotz harter Einheiten haben sich die Spieler danach im Training allesamt durchgebissen, wobei im Training eine ganz andere Spannung zu spüren war.

Warum?

Beetz: Wohl auch, weil wir als Trainer versucht haben, selbst für neue Motivation zu sorgen.

Hat Sie die Beförderung nicht überrascht, schließlich war ihr Vorgänger Michael Wilhelm durchaus erfolgreich?

Beetz: Damit haben wir nun wirklich nicht gerechnet. Bisher habe ich als Torwarttrainer nur drei Leute geführt, jetzt sind es halt 20. Dabei kann ich sicherlich von meiner Erfahrung als Spieler und von meiner Trainerausbildung profitieren.

Rudolph: Mich hat diese Lösung total gefreut. Denn: Wer bekommt schon als Trainer-Einsteiger eine Verbandsliga-Mannschaft? Auch wenn das erstmal nur eine Interimslösung bis zum Sommer ist, sehe ich das als große Chance.

Wie kommen Sie mit der Doppelrolle als Spieler und Trainer zurecht?

Beetz: Ich trainiere genauso viel wie vorher und mache alles mit. Fehler habe ich gerade bei jungen Spieler schon immer versucht zu korrigieren. Eine wesentliche Umstellung besteht sicherlich darin, dass ich in Zukunft einem meiner Kameraden erklären muss, warum er erstmal auf der Bank sitzt.

Rudolph: Keine Frage, das ist schon schwieriger. Zum einen, weil ich nun überhaupt keine Möglichkeiten mehr habe, mich während des Trainings mal auszuruhen und zum andern auch nicht alles beobachten kann, wenn ich die Übungen selbst mitmache.

Die Entscheidung, wer in der Meisterschaft für das Coaching am Spielfeldrand zuständig ist, wurde Ihnen durch Timos Verletzung, einem Bänderriss im Sprunggelenk, abgenommen, oder?

Rudolph: In der Tat mache ich das erstmal, was nichts daran ändert, dass wir völlig gleichberechtigt bleiben.

Und danach?

Beetz: Timo wird Probleme haben, andere aus der Startelf zu verdrängen, denn derzeit sind alle an Bord und richtig gut drauf.

Trotzdem, was passiert, wenn auch er spielt?

Beetz: Dann werden ich das Spiel von hinten dirigieren. Außerdem sind dann auch erfahrene Spieler wie Boris Bajic, Mario Kilian oder Christoph Grunewald gefordert, sich einzuschalten.

Rudolph: Ich will unbedingt noch mal spielen und werde alles dafür tun. Habe aber auch kein Problem damit zurück zu stecken, wenn andere besser sind.

Wie lautet Ihre Spielphilosophie? Was wollen Sie beim MFV ändern?

Beetz: Wir wollen mehr Fußball spielen, mehr den Ball laufen lassen und lange Bälle vermeiden. Damit sich möglichst viele Spieler in den Angriff einschalten, brauchen wir offensivere Außenverteidiger. Jeder darf, jeder soll ein Tor schießen.

Um damit die Abhängigkeit von Ihrem Sturmduo zu verringern?

Beetz: Genau, wir wollen unberechenbarer werden.

Rudolph: Seit Beginn der vorletzten Saison spielen wir flach, fallen aber in kritischen Situationen immer mal wieder in das alte Schema zurück. Das gilt es abzustellen.

Was sind Ihre Ziele für die restlichen 14 Spiele?

Rudolph: Schnell 40 Punkte holen, um mit dem Abstieg nichts mehr zu tun zu haben. Dann viele zusätzliche Punkte holen, damit ein einstelliger Tabellenplatz heraus springt. Die Krönung wäre es, unseren Verbandsligarekord von 47 Punkte zu knacken.

Beetz: Und dabei auch mal gegen einen der Großen der Liga zu bestehen.

Von Ralf Ohm

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