„Früher gespielt, bis es nicht mehr ging“

Harry Spohr vom Traditionsklub CSC 03 Kassel im Interview zur Entwicklung des Fußballs

An der Basis machen sich die Menschen über die Entwicklung des Fußballs einige Gedanken.
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An der Basis machen sich die Menschen über die Entwicklung des Fußballs einige Gedanken.

Seit 25 Jahren steht Harry Spohr an der Spitze eines traditionsreichen Vereins: Er ist der Vorsitzende des CSC 03 Kassel, der sich in erster Linie im Fußball einen Namen gemacht hat und aktuell in der hessischen Verbandsliga, Staffel Nord, beheimatet ist. Spohr ist ein Vertreter der Basis. Wir haben mit dem 76-Jährigen, der in Fuldabrück lebt, im Rahmen unserer Serie zur Entwicklung des Fußballs gesprochen.

Kassel – Seit 25 Jahren steht Harry Spohr an der Spitze eines traditionsreichen Vereins: Er ist der Vorsitzende des CSC 03 Kassel, der sich in erster Linie im Fußball einen Namen gemacht hat und aktuell in der hessischen Verbandsliga, Staffel Nord, beheimatet ist. Spohr ist ein Vertreter der Basis. Wir haben mit dem 76-Jährigen, der in Fuldabrück lebt, im Rahmen unserer Serie zur Entwicklung des Fußballs gesprochen.

Herr Spohr, wenn Sie an einem Sonntag die Wahl hätten: Fußball auf dem Sportplatz oder Fußball im Fernsehen, was machen Sie?

Das ist einfach zu beantworten – natürlich auf dem Sportplatz.

Warum?

Dort genieße ich die Atmosphäre mit allem, was dazu gehört: Bratwurst, Bierchen und so weiter. Die Geselligkeit ist mir sehr wichtig. Ich gehöre ja zu den Altfußballern. Wenn ich jetzt Fernsehen schaue würde, dann wäre ich allein. Keine Stimmung, nichts.

Es wird viel Live-Fußball im Fernsehen und bei den Streamingdiensten gezeigt. Wie schwer fällt es Ihnen, zur gleichen Zeit Zuschauer auf die CSC-Anlage zu locken?

Das ist sehr schwierig geworden. Was zum einen mit den vielen verschiedenen Freizeitangeboten zusammenhängt. Zum anderen überlappen sich die Termine mit den Ansetzungen in der Umgebung. Wenn ich jetzt unsere Situation betrachte, dann haben wir mit den umliegenden Liga-Konkurrenten OSC Vellmar und TSG Sandershausen sowie in der Nachbarschaft mit dem BC Sport, Viktoria Bettenhausen und Sportfreunde 09 einige Klubs, die nicht selten zur gleichen Zeit Heimspiele auszutragen haben.

Vorsitzender des CSC 03 Kassel: Harry Spohr.

Das heißt, dass die Fernsehübertragungen nicht das ganz große Problem sind?

Auch. Speziell dann, wenn Begegnungen am Samstag um 15.30 Uhr stattfinden. Wir versuchen, dass unsere Heimspiele immer am Sonntagnachmittag angepfiffen werden. Aber es gibt Gegner, die wollen lieber am Samstag spielen.

Was stört Sie an der Entwicklung des Fußballs im Allgemeinen?

Mit großer Sorge blicke ich darauf, dass die direkt getroffenen Entscheidungen der Schiedsrichter von einem Videoschiedsrichter überprüft werden können. Dadurch werden die Mannschaften aus dem Rhythmus gebracht. Ich weiß, dass wir für Neues aufgeschlossen sein müssen. Wenn es aber irgendwann mal zur Abstimmung kommen sollte, ob bei uns in der Klasse ein ähnliches technisches Mittel zum Einsatz kommen sollte, dann gibt es bei dem Kästchen mit der Zustimmung von mir kein Häkchen.

Welche Erfahrungen haben Sie in punkto Vereinstreue gemacht? Halten sich die Spieler im Amateurbereich immer noch an die Verträge?

Ganz einfach: Es regiert das Geld. Wenn ein Spieler von einem anderen Verein ein Angebot inklusive höherer Aufwandsentschädigung bekommt, dann geht er. Dazu passt ein aktuelles Beispiel aus unserem Klubs.

Bitte sehr.

Als einer unserer wichtigen Sponsoren angekündigt hat, sein Engagement zu reduzieren, gab es Spieler, die signalisiert haben, den Weg nicht mehr mitgehen und uns verlassen zu wollen. Andererseits sind auch Spieler zu uns gekommen, die sich daran nicht gestört haben. Übrigens: Es gibt auch ein paar Schiedsrichter, die mittlerweile genau schauen, wo sie am meisten verdienen und sich den Klubs anbieten. Stichwort Schiedsrichter-Soll.

Viel Geld geht in den Profifußball. Wie viel Unterstützung erfahren Sie?

Es wird immer schwieriger, Sponsoren zu finden. Dabei leben wir insbesondere von Bandenwerbung und Anzeigen im Stadionheft. Wegen der Coronakrise haben sich auch einige Partner zurückgezogen. Und wenn im August die neue Saison beginnt, dann ist die Pandemie ja noch nicht vorbei. Wir können in dieser Situation auch nicht die Beiträge für die Sponsoren erhöhen.

Inwieweit müssen Sie dadurch neue Wege beschreiten?

Wir haben uns natürlich auch im Vorstand Gedanken dazu gemacht. Wir sind allerdings in der glücklichen Lage, dass wir unsere Mitgliederzahl gesteigert haben – zwar nicht im Senioren-, aber dafür im Jugendbereich.

Gibt es etwas, das sich geändert hat und das Sie sehr vermissen?

Also in früheren Jahren haben wir gespielt, bis es nicht mehr ging – bis die Plätze von Eis und Schnee bedeckt waren. Jetzt ist teilweise schon Ende Oktober Schluss. Dabei kann man meistens noch länger im Jahr spielen. Stattdessen werden Wochentagsspieltage angesetzt. Und da stehen im Amateurbereich selten alle Spieler zur Verfügung. Hinzu kommt, dass Städte und Gemeinden nun oft schnell die Plätze sperren. Das hat früher keinen gejuckt. Unser Platz zum Beispiel wird auch nicht besser, wenn wir im November nicht darauf spielen. Und seit 2006 kämpfen wir vergeblich um einen Kunstrasenplatz in unserer Jahnkampfbahn. (Björn Mahr)

Zur Person: Harry Spohr

Harry Spohr (76) ist seit 25 Jahren Vorsitzender beim Traditionsklub CSC 03 Kassel. Zum CSC 03 kam er bereits 1983 – er trainierte die A-Jugend des Klubs in der Hessenliga und später die Reserve. Er spielte auch selbst für die Alten Herren der Rothosen. Jetzt kickt er noch regelmäßig mittwochs bei einer Mannschaft von CSC-Oldies mit. Seine erste Funktion im Fußball war der Spielertrainerposten beim Kasseler Verein Tuspo Waldau. Als Trainer von Türkgücü Kassel wurde er unter den türkischen Mannschaften Hessenmeister. Zwischenzeitlich schloss er sich auf Empfehlung der früheren CSC- und KSV-Hessen-Legende Helmut Hampl dessen Heimatverein ASV Neumarkt/Oberpfalz an und kickte in der Altherren-Mannschaft. Spohr, der vor seinem Eintritt ins Rentenalter als ausgebildeter Betriebswirt (Verkaufsleiter im Außendienst) tätig war, ist verheiratet. 

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