Interview mit Schwalmstadts neuem Trainer über Passspiel, Platzierung und Perspektive

Offensiv und aggressiv: So will der neue Trainer des 1. FC Schwalmstadt, Carlos Serrano, in der kommenden Saison beim stark verjüngten Hessenliga-Absteiger spielen lassen. Foto: Hahn

Ziegenhain. Carlos Serrano verbreitet Zuversicht. „Die abgelaufene Saison ist Geschichte“, sagte der neue Trainer des Fußball-Verbandsligisten 1. FC Schwalmstadt bei der offiziellen Teamvorstellung im Ziegenhainer Herbert-Battenfeld-Stadion.

Ein Platz im vorderen, gesicherten Mittelfeld ist das Ziel des Spaniers. Im Interview mit unserer Zeitung spricht der 54-Jährige, der beim Hessenliga-Absteiger einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben hat, über seine Philosophie, Talente und Tore.

Ihre Verpflichtung hat überrascht. Mit welchem Konzept haben Sie in Schwalmstadt überzeugt?

Carlos Serrano: Der 1. FC Schwalmstadt ist ein Ausbildungsverein. Es gibt keinen Verein im Kreis, der so viele Spieler in die Serie schickt. Die Wahrscheinlichkeit, das Talente oben ankommen, ist somit größer. Ein U 19-Spieler, der geduldig ist, wird bei mir seine Chance bekommen. Die Jungs sollen wissen, dass ich mich mit ihnen beschäftige. Durchlässigkeit, ein intaktes Umfeld und Vertrauen sind wichtiger denn je.

Welche Art Fußball schwebt Ihnen vor?

Serrano: Offensiv und aggressiv. Aggressiv natürlich nur gegen den Ball. Im Test gegen Marburg (Anm. d. Red.: erst nach Redaktionsschluss beendet) haben wir mit einem 4:2:4-System begonnen. Auch ein 4:2:3:1 ist möglich. Das passen wir unseren Spielern an. Meine Philosophie ist es, dass ich jeden mitnehmen möchte. Das schnelle Passspiel steht ganz oben auf meiner Liste. Lange Diagonalbälle sind nicht das Mittel, mit dem ich attraktiven Fußball verbinde.

Schwalmstadt hat im Seniorenbereich sein schlimmstes Jahr hinter sich. Wie wollen Sie das Trauma aus den Köpfen kriegen?

Serrano: Wir haben drei Termine mit einem Mentor vereinbart. Drei Teambuilding-Maßnahmen sind geplant. Die Jungs sollen das, was nicht gut war, auf einen Zettel schreiben und verbrennen. Gute Dinge nehmen wir mit. Mit Positivmensch Karlo Seck und meinem Co-Trainer, Schwalmstadts Urgestein Kujitim Iberhysaj, nehmen wir als Team die Sache an. Denn nicht alles war schlecht. Aber jeder hat eine Fortentwicklung genommen.

Besonders im Sturm drückte zuletzt der Schuh. Nun sind mit Sattorov und Erdem die treffsichersten Angreifer weg. Wer soll die Tore schießen?

Serrano: Mit Leon Lindenthal, der in der A-Jugend 20 Tore geschossen hat, und Benjamin Lossek gehen wir es im Zentrum an. Benjamin ist abgezockt und will es nochmal wissen. Wichtiger werden vor allem die Außen wie Ricardo Seck und Jan Henrik Wolf, die Geschwindigkeit einbringen sollen. Und zwar mit Zug zum Tor, nicht nur auf Außen. Ich setze auf mehr Verantwortung für alle.

Bislang gibt es mehr Ab- als Zugänge. Wie viele Verstärkungen brauchen Sie noch?

Serrano: Wir haben noch zwei Kracher in petto. Zudem haben neben Leon Lindenthal auch Sibahn Yousef, Jakob Gerstung und Lukas Ide von den A-Jugendlichen erstaunlich gute Anlagen.

Eschwege, Melsungen, Sand. Wie schwierig finden Sie das Auftaktprogramm?

Serrano: Wir nehmen die Aufgabe an. Mich freut übrigens das Zitat von Trainerkollege Timo Rudolph. Er wollte zum Auftakt gegen uns spielen. Das wird ein tolles Spiel.

Wie schätzen Sie die Klasse insgesamt ein?

Serrano: Hünfeld wird eine sehr gute Rolle spielen. Auch Steinbach und Lehnerz II. Im Paket mit Jugend und Senioren leistet Lehnerz eine super Arbeit. Auch das Melsunger Team schätze ich stark ein, weil es eingespielt ist und es eine gute Kameradschaft gibt.

Sie haben einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben. Was planen Sie langfristig?

Serrano: Der Leistungsbereich im Nachwuchsbereich ist ganz wichtig. Mit Michael Seum haben wir einen excellenten Trainer für die U 19 bekommen. Alle Jugendtrainer sollen noch mehr kommunizieren und gleiche Schwerpunkte setzen. Davon wird der Vereinprofitieren.

Sie waren Schiedsrichter. Wie wirkt sich das auf den Strafenkatalog aus?

Serrano: Die Jungs haben sich da selbst klare Ziele gesetzt. Die Strafen sind happig. Mir ist es wichtig, dass der Schiedsrichter in Ruhe seinen Job machen kann. Ich wollte immer Trainer werden, habe mit der Schiedsrichterei nur angefangen für meine DFB-C-Lizenz. Aber das Pfeifen hat mir geholfen, durch Blicke aus einer anderen Perspektive zu erkennen, welchen Charakter ein Spieler hat.

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