Verbandsliga-Derby: Schlusslicht Mengsberg feiert Befreiungsschlag – FCS frustriert

Im Keller brennt noch Licht

Peter

Treysa. Wenn ein einziges Tor ein Derby entscheidet, ist es natürlich ein besonderes. Dieses, welches dem TSV Mengsberg einen unerwarteten 1:0-Erfolg beim Nachbarn 1. FC Schwalmstadt bescherte, war dazu noch kurios. Verbunden mit der Frage: Wie konnte der Ball nach einem Freistoß nahe des eigenen Strafraums über Mittelfeld und Abwehr des Verbandsliga-Konkurrenten hinweg beim späteren Torschützen Dennis Dorfschäfer landen?

Die Antwort: Dank eines Missverständnisses. „Denn eigentlich“, bekannte Passgeber Hett, „wollte ich Felix Gies lang anspielen.“ Doch Mengsbergs einzige Spitze bekam den Ball nicht unter Kontrolle und ließ ihn „unfreiwillig“ (TSV-Trainer Hainmüller) durch für seinen wieselflinken Sturmkollegen, während, wie dieser mutmaßte, die FCS-Verteidiger wohl schon abgeschaltet hatten. Der 21-Jährige nicht. Er angelte sich den Ball und schob in der 33. Minute ganz „cool“ ins lange Eck zum Siegtreffer ein.

Ein Schuss ins Herz des Nachbarn, der danach seine anfängliche Dominanz einbüßte. Und einer fürs eigene angeschlagene Gemüt. „Es ist toll, dass wir mit diesem Sieg in die Winterpause gehen können, nachdem wir vorher eine gefühlte Ewigkeit nicht gewonnen haben“, beschrieb Fabian Hett die Erleichterung angesichts des ersten Dreiers nach neun Niederlagen in Folge. Und dem ersten „zu Null“, nachdem es eine Woche zuvor noch sechs Mal im TSV-Kasten eingeschlagen hatte.

„Wir haben uns in der Abwehr enorm gesteigert und schon im Mittelfeld viele Bälle abgelaufen“, beschrieb Kapitän Reitz die Kompaktheit der Defensive im Lokalduell, auch zurückzuführen auf ein 4:1:4:1-System mit Rene Dingel als einzigem Sechser. „Damit haben wir es dem Gegner schwer gemacht, sich Chancen zu erspielen“, wusste Daniel Hainmüller. Bei den wenigen war Torwart Tobias Bechtel auf dem Posten, einmal, beim Pfostenschuss von Ricardo Seck (6.), hatte der Außenseiter das „Glück des Fleißigen“ (Fabian Hett).

Der Favorit grämte sich. Weniger über das Pech kurz vor Schluss als über eigene Unzulänglichkeiten. „Diese Niederlage ist sehr, sehr bitter. Gerade weil wir sie uns selbst zuzuschreiben haben“, sagte Mittelfeldstratege Peter Liebermann. Denn: „Mengsberg war präsenter und wir haben uns den Schneid abkaufen lassen.“

Auf dem Feld sah das so aus, dass der Gastgeber das Spiel bestimmte, ja den Gegner phasenweise sogar in der gegnerischen Hälfte einschnürte, aber sich kaum Möglichkeiten erspielte. Dass die bisweilen durchaus ansehnlichen und mit viel Tempo begonnenen Kombinationen spätestens im letzten Drittel des Feldes verpufften. „Uns fehlte die Durchschlagskraft“, bekannte Pechvogel Seck, während Trainer Atilla Güven die „mangelnde Beweglichkeit“ seiner Stürmer bemängelte: „So waren wir leicht zu verteidigen.“ Weil spätestens im gefährlichen Bereich leicht zu stellen, so dass Patrick Herpe und Co. immer wieder rechtzeitig geblockt werden konnten.

Güven-Team muss zittern

Und nun wieder mal um den Klassenerhalt zittern müssen - mit der schaurigen Aussicht, auf einem Abstiegsplatz zu überwintern. Keine Frage, nach der Derbyniederlage schrillen die Alarmglocken am Fünftenweg, während der Nachbar wieder hoffen darf. Darauf, so Marcel Reitz, „dass wir mit diesem Sieg im Rücken noch mal zurückkommen und am Ende nicht Letzter werden.“ Denn: „Im Keller brennt noch Licht.“ Foto: Kasiewicz/nh

Von Ralf Ohm

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