Nils Weigand räumt im HNA-Interview eigene Fehler ein und setzt auf Umbruch

Nach Abstieg ein neues Gesicht

Nils

melsungen. Ausgerechnet zu seinem 10-jährigen Jubiläum als Vorsitzender des Melsunger FV musste Nils Weigand den Abstieg der Fußballer aus der Verbandsliga hinnehmen. Vor dem Derby gegen den 1. FC Schwalmstadt (So. 15 Uhr Freundschaftsinsel) sprach Redakteur Ralf Ohm mit dem 41-Jährigen, der im HNA-Interview auch Fehler des Vorstands einräumte.

Herr Weigand, wie geht eine Mannschaft, die gerade erfahren hat, dass sie absteigt, in ein durchaus brisantes Derby?

Nils Weigand: Das ist sicherlich keine einfache Situation. Doch es gilt, die letzten zwei Spiele anständig über die Runden bringen, um uns sportlich fair zu verabschieden.

Der Abstieg hat eine längere Geschichte und die fängt vorne an. Wie konnte die Mannschaft nach einem guten Start, nämlich 14 Punkten aus den ersten sieben Spielen, in der Hinrunde so einbrechen, um danach nie wieder in die Spur zu finden?

Weigand: Wenn wir das frühzeitig erkannt hätten, hätten wir es sicherlich abgestellt. Klar ist, dass wir uns nach dem 3:2-Sieg in Rothwesten in Sicherheit gewogen haben und nach jeder folgenden Niederlage geglaubt, dass das schon wieder laufen würde. Ein schleichender Prozess, den wir nicht mehr aufhalten konnten.

Mit sechs neuen Spielern haben Sie versucht, der Personalnot der letzten Spielzeit und der damit verbundenen schwachen Rückrunde vorzusorgen. Doch von denen hat letztlich kaum einer die Saison durchgespielt bzw. eine tragende Rolle in der Mannschaft übernehmen können. Alles Fehleinkäufe?

Weigand: Für Niklas Rading galt das sicherlich nicht, er ist bei uns schon positiv aufgefallen. Bei den anderen Neuzugängen führten persönliche Umstände dazu, dass sie uns nicht weiterhelfen konnten. Und unterm Strich keine Verstärkungen waren.

Mit dem Trainerwechsel zur Winterpause haben Sie die Notbremse gezogen, doch die erhoffte Aufholjagd blieb aus. War Hubert Schramowski nicht der richtige Mann für diese verunsicherte Mannschaft?

Weigand: Das ist hinterher einfacher einzuschätzen und trotzdem schwer zu sagen. Fakt ist: Hubert hat sich voll reingehängt und alles versucht. Sicherlich gab es Reibungspunkte mit Spielern, die problematisch waren.

Hubert Schramowski hat die fehlende Unterstützung des Vorstands beklagt bei seinem Bemühen, doch noch etwas zu bewegen.

Weigand: Es gab unterschiedliche Vorstellungen in der Ausrichtung des Vereins. Dabei ist der Vorstand für 500 Mitglieder verantwortlich und musste über den 30. Juni hinausdenken. Kurzfristig wollten wir keine neuen Spieler holen, weil uns das finanzielle Risiko zu groß war. Weiterhin haben wir frühzeitig mit der Planung für die nächste Saison begonnen. Und zwar für beide Klassen, alles andere wäre fahrlässig gewesen.

Also trog der Eindruck, dass sie den Klassenerhalt schon frühzeitig abgehakt haben.

Weigand: Auf jeden Fall, wir haben bis zuletzt auf den Klassenerhalt gehofft.

Welche Fehler würden Sie sich selbst ankreiden?

Weigand: Wir hätten den nun geplanten personellen Schnitt im Kader schon vor der laufenden Saison vollziehen sollen. Schließlich haben wir in der letzten Rückrunde auch nur 13 Punkte geholt.

Welche weiteren Lehren ziehen Sie aus dem Abstieg?

Weigand: Unsere beiden Senioren-Mannschaften müssen wieder mehr zusammen wachsen mit dem Ziel einer höheren Durchlässigkeit. Das ist eine der zentralen Aufgaben der neuen Trainer Uwe Zenkner und Mario Bauernschmitt.

Bahnt sich mit dem Abschied einiger Leistungsträger wie Beetz, Bajic, Grunewald, Krug, Hermansa und Alex. Schmidt ein größerer Umbruch für die Gruppenliga an?

Weigand: Auf jeden Fall. Wir kalkulieren mit sieben externen Neuzugängen und vier internen. Die Mannschaft wird dann ein komplett neues Gesicht haben, regionaler und vor allem jünger.

Welche Zielsetzung für die Saison 2017/2018 ergibt sich daraus?

Weigand: Kurzfristig eine Konsolidierng und mittelfristig die Rückkehr in die Verbandsliga. In der kommenden Saison wollen wir auf jeden Fall oben mitspielen. Das Ziel ist ein Platz unter den ersten Fünf.

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