Aufstiegsspiele in die Fußball-Hessenliga

Ramadan ist kein Freund des SSV Sand

Sand. Am Donnerstag, 16 Uhr, trifft der SSV Sand im ersten Aufstiegsspiel zur Fußball-Hessenliga auf Türk Gücü Friedberg.

In den Reihen des SSV-Gegner sind viele türkische oder türkisch-stämmige Spieler. Ist das ein Vorteil für den SSV, weil derzeit Ramadan ist – der Fastenmonat der Muslime, in dem tagsüber nichts gegessen und getrunken werden darf? Wir haben Fragen und Antworten zu dem Thema zusammengestellt.

Dürfen gläubige Muslime während eines Fußballspiels wirklich nichts trinken?

Jein. Es kommt drauf an, ob Fußball Hobby oder Beruf ist. Der Zentralrat der Muslime hat bereits vor acht Jahren erklärt, dass Profifußballer das Fastengebot brechen dürfen. Der Glaube dürfe den Beruf nicht unmöglich machen, lautete die Auslegung des Korans. Während der Fußball-EM in Frankreich und der WM in Brasilien beispielsweise war auch Ramadan. Mesut Özil und andere Nationalspieler konnten also guten Gewissens trotz Ramadans tagsüber essen und trinken.

Und wie ist es bei Freizeit-Fußballern?

„Wir stellen unseren Spielern frei, ob sie sich an das Fastengebot halten“, sagt der sportliche Leiter von Türkgücü, Gökhan Satir. Aufgrund des Fastengebots werde auf jeden Fall kein Spieler zu Hause bleiben. „Wir kommen in Bestbesetzung.“ Freizeitfußballer, sagt der Zentralrat der Muslime, müssen sich aber an das Fastgebot halten. Für sie gilt die Ausnahme nicht. Fußball ist für sie ja Freizeitbeschäftigung und nicht Broterwerb.

Können die Sander also damit rechnen, auf eine körperlich geschwächte Mannschaft zu treffen?

Nein. Denn auch wenn der Islam derzeit in Deutschland oft als sehr dogmatisch und streng wahrgenommen wird, so gibt es vom Fastgegebot auch generelle Ausnahmen, die nichts mit Sport zu tun haben. Eine der Ausnahmen: Reisende dürfen am Reisetag das Fastengebot brechen.

Ist die Fahrt von Friedberg nach Sand denn eine Reise?

Ja, sagt Suphian Sayad vom Zentralverband der Muslime in Deutschland. Als Grenze zwischen Fahrt und Reise gelten 83 Kilometer. Von Friedberg nach Sand sind es aber 150. „In diesem Fall ist die Regelung der Reise anwendbar“, sagt der Zentralrat. Der Spieler kann an diesem Tag also Essen und Trinken – und den Fastentag später nachholen.

Dann erwartet Sand einen starken Gegner?

Auf jeden Fall. Und Türk Gücü Friedberg hofft, dass auch einige türkische Landsleute aus Nordhessen die Friedberger unterstützen. Es wäre das erste Mal, dass eine türkische Mannschaft in der Hessenliga spielt, sagt Satir. Und: „Ein spannendes Spiel ist eine gute Ablenkung beim Fasten. Es ist eine gute Alternative, um die Zeit bis zum Abend rumzukriegen“ Dann dürfen die Muslime wieder Essen und Trinken. Allerdings: Sand will den Gästen den Appetit verderben und die Punkte in Nordhessen behalten. Denn der Ramadan benachteiligt sie genau genommen. Wenn Türk Gücü zu Hause gegen den dritten Relegationsteilnehmer, Fernwald, spielt, dann gilt das Fastengebot. Die Friedberger haben dann ja keine Reise.

Rubriklistenbild: © Peter Hartenfelser

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