Ricardo Seck erlöst seine Mannschaft mit unverhoffter Nachricht vom Klassenerhalt - FCS-Freude gedämpft

Schwalmstadt gerettet? Gerettet!

Das bange Warten auf eine Nachricht, mit der eigentlich niemand mehr rechnete: FCS-Trainer Christoph Keim (Mitte) ist angesichts der 1:4-Derbyniederlage genauso konsterniert wie seine Schützlinge. Dass es schließlich doch noch zum Klassenerhalt reichte, löste bei ihm und der Mannschaft nur gedämpfte Freude aus. Foto: Hahn

melsungen. Lokalduelle haben ihre eigenen Gesetze - und der aktuelle, an Dramatik kaum zu überbietende Abstiegskampf in der Fußball-Verbandsliga Nord offensichtlich keine. Da hat der 1. FC Schwalmstadt mit einer 1:0-Führung im Rücken beim Melsunger FV alles im Griff und in der eigenen Hand. Kann nicht nur seiner Favoritenrolle gegen den Absteiger gerecht werden, sondern, viel wichtiger, mit einem Sieg den ersehnten Klassenerhalt nach langer, wechselvoller Aufholjagd perfekt machen - und bricht dann völlig ein. Die Konsequenz: eine verdiente 1:4-Schlappe.

Mit Folgen. Zum Derbyfrust gesellt sich, nachdem der 4:3-Sieg von Konkurrent Eintracht Baunatal auf der Freundschaftsinsel durchsickert, die pure Abstiegsangst. Die Aussicht, eine Woche tatenlos auf das vernichtende Urteil warten zu müssen, da die Schwälmer - am letzten Spieltag spielfrei - selbst nicht mehr eingreifen können.

Wie ein Häufchen Elend hocken die Spieler nach der Partie vor der eigenen Spielerbank. Mit leeren Blick, gesenkten Kopf, unfähig, diesen erneuten, womöglich entscheidenden Rückschlag zu erklären. „Ich weiß es feinfach nicht, warum wir uns immer wieder solche Aussetzer leisten“, gesteht Innenverteidiger Jakob Gerstung, während 50 Meter weiter unter lautem Beifall einige Melsunger Spieler verabschiedet werden.

KSV und Rothwesten patzen

Dann mutiert Ricardo Seck zum Erlöser. Erscheint mit gezucktem Smartphone auf der Bildfläche - mit einer nicht für möglich gehaltenen Nachricht: „Wir sind gerettet,“ erklärt der FCS-Stürmer. Warum? Weil Rothwesten gegen den CSC 03 Kassel verlor und der KSV Hessen II beim Tabellenletzten Bosporus Kassel nicht über ein 2:2 hinauskam. Da beide am letzten Spieltag aufeinander treffen, kann nur noch einer von beiden die Schwälmer einholen. Und der 13. Platz reicht bei drei Absteigern zum Klassenerhalt.

„Ich kann‘s nach diesem Katastrophen-Spiel gar nicht glauben“, sagt Leon Lindenthal. Und es dauert, bis das Sturmtalent zumindest wieder lächeln kann. Sein Trainer Christoph Keim flüchtet sich in Sarkasmus. „Wahnsinn! Da verlieren wir mit 1:4 und sind gerettet. Das ist ein Sinnbild für die schlechte Saison, die wir gespielt haben.“

Immerhin: Mit dem Rückkehrer wurde sie besser. So gut, dass er die Mannschaft nach der Winterpause vom letzten Tabellenplatz noch ans rettende Ufer führen konnte. Doch die Diva blieb launisch. Immer wenn sie sich auf einem Erfolgspfad wähnte, brachte sie sich wieder selbst in Schwierigkeiten.

Wie in Melsungen, „als wir mal wieder geglaubt haben, dass es nach dem Führungstor auch mit weniger Aufwand geht und dadurch den Gegner aufgebaut haben“ (Keim). Die Strafe: Ein nervenzehrendes Wechselbad der Gefühle. Immerhin mit Happy-End.

Von Ralf Ohm

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