Schwalmstadts Erfolgstrainer im HNA-Interview: „Die Mannschaft kann sich unheimlich gut fokussieren“

Schweigert rechnet sich etwas aus

Kam, sah und führte sein Team in die Aufstiegsrunde zur Hessenliga: Schwalmstadts Trainer Hans Schweigert. Foto: Kasiewicz

Schwalmstadt. Es könnte ein Sommermärchen werden. Dann nämlich, wenn der 1. FC Schwalmstadt als krasser Außenseiter nun auch noch in der Aufstiegsrunde zur Hessenliga für Furore sorgt, die mit dem Spiel bei RW Darmstadt am Samstag (17 Uhr) beginnt. Völlig überraschend hat Hans Schweigert den arg gerupften Absteiger auf den zweiten Platz der Verbandsliga geführt. Im HNA-Interview lobt der Trainer Teamgeist und Willensstärke seiner Mannschaft, die sich allerdings von den eigenen Fans im Stich gelassen fühlt.

Herr Schweigert, wundern Sie sich nicht darüber, dass Sie immer noch Trainer des 1. FC Schwalmstadt sind?

Schweigert: Nein. Nach meiner Zusage Ende November, die Mannschaft bis zum Saisonende zu übernehmen, konnte ich laut unserem Präsidenten Heinrich Gringel mit der Mannschaft machen, was ich wollte. Das habe ich wörtlich genommen.

So wörtlich, dass sie gegen die Vorgaben des Vereins verstießen, ihrem Nachfolger nur eine vom Hessenliga-Abstieg vollständig erholte und konsolidierte Verbandsliga-Mannschaft zu übergeben.

Schweigert: Nein, die Vorgabe war ein Platz unter den ersten Sechs und die habe ich erfüllt.

Wie ist es Ihnen gelungen, aus einem völlig verunsicherten Hessenliga-Absteiger ein Spitzenteam der Verbandsliga zu machen?

Schweigert: Die Mannschaft war schon vor meinem Einstieg auf gutem Weg zurück in die Spur. Positive Ergebnisse waren da, der Spaß am Fußball wieder zu erkennen. Außerdem haben wir uns von Anfang an gut verstanden und durch persönliche Gespräche einen sehr guten Konsens gefunden. Das, was ich von der Mannschaft wollte, hat sie im Training hervorragend angenommen und dann im Spiel auch gut umgesetzt.

Welche taktischen Änderungen haben Sie vorgenommen?

Schweigert: Zunächst nicht allzu viele. Bis zur Winterpause habe ich jeden Spieler auf seiner Position gelassen und versucht, dort besser zu machen. Die Vorbereitung auf die Restrückrunde nach der Winterpause folgte dann einem festen Plan mit dem Ziel, die Mannschaft taktisch variabler zu machen und auch spielerisch noch mehr aus ihr heraus zu kitzeln. Das hat sie verinnerlicht, funktioniert in verschiedenen Spielsystemen und auch einige Positionswechsel von Spielern haben ihr gut getan.

Was zeichnet diese Mannschaft aus?

Schweigert: Am Spieltag kann sie sich unheimlich gut fokussieren. Sie geht auf den Platz und will einfach gewinnen. Dabei zeigt sie einen guten Teamgeist, d.h. jeder kämpft und rennt für jeden.

„Die Mannschaft ist enttäuscht, dass so wenige Fans ihre Leistung honorieren.“

Hans Schweigert

Auch der permanente Personalmangel hat sie nicht zurück geworfen ...

Schweigert: Stimmt, der hat sie sogar noch mehr zusammen geschweißt. Aufgrund des schmalen Kaders spielt fast immer die gleiche Mannschaft. Trotz kleinerer Blessuren, denn die Spieler wissen, dass sie gebraucht werden und beißen auf die Zähne.

Gibt es außergewöhnliche Führungsspieler?

Schweigert: Ja, aber zu wenige für solch‘ eine junge Mannschaft, die einige erfahrene Spielerpersönlichkeiten gut gebrauchen könnte. Zu den Führungsspielern zählen Jannis Lerch, der die Abwehr zusammen hält, und Steven Preuß, der immer voran geht, sehr kritisch mit sich selbst und seinen Mitspielern ist, damit die Mannschaft ständig besser wird.

Mit Leon Lindenthal ist ein 19-Jähriger zur Stammkraft aufgestiegen, der gleichzeitig noch in der A-Jugend des FCS zum Einsatz kam.

Schweigert: Leon hat in der Tat außergewöhnliche Fähigkeiten wie seine enorme Schnelligkeit und sein gutes Spielverständnis. Außerdem spielt er frei auf und braucht nur wenige Torchancen.

War die Doppelbelastung ein Problem?

Schweigert: Ja, besonders in der Hinrunde, als Leon sich verletzte, weil er körperlich am Limit war. In der Rückrunde hat er sich mehr auf den Seniorenbereich konzentriert.

Der 1. FC Schwalmstadt erreicht die Aufstiegsrunde zur Hessenliga und kaum einer bekommt es mit, während das vor zwei Jahren noch eine wahre Euphorie ausgelöst hat. Warum?

Schweigert: Ich glaube, dass nach Abstieg viele Zuschauer müde geworden sind und sich von der Mannschaft abgewendet haben. Vor zwei Jahren hatte der FCS noch ein klares Aufstiegsziel, diesmal musste sich das Team erst finden, so dass ihre schnellen Erfolge kaum wahrgenommen wurden. Nach der Winterpause hatten wir in Treysa durchaus wieder mehr Zuschauer, doch die konnten wir dann leider nicht mit nach Ziegenhain nehmen.

Wie geht die Mannschaft mit der fehlenden Anerkennung um?

Schweigert: Die Mannschaft ist enttäuscht und kann nicht verstehen, dass so wenige Fans ihre Leistung honorieren. Was uns besonders irritiert, ist die Tatsache, dass nach den Heimspielen fast nichts mehr los ist.

Wie schätzen Sie die Chancen in der Aufstiegsrunde zur Hessenliga ein?

Schweigert: Wir sind Außenseiter, keine Frage. Die anderen wollen unbedingt hoch und haben zumindest quantitativ den stärkeren Kader, wobei Darmstadt für mich schon Hessenliga-Qualität aufweist. Trotzdem. Da zwei von drei aufsteigen, rechne ich mir schon etwas aus.

Sollten Sie sich wirklich mit dem Aufstieg verabschieden, wäre die Hessenliga für den FCS sportlich machbar? Wo müsste personell nachgebessert werden?

Schweigert: Machbar, wenn die Mannschaft weiterhin harmoniert und sich auch die Neuzugänge mit ihr identifizieren. Verstärkungsbedarf besteht in allen Mannschaftsteilen, allein schon um mit einem Konkurrenzkampf um die Stammplätze die Leistung der Spieler zu steigern.

Von Ralf Ohm

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