Vellmars Hoffnungsträger

Djebbi spielt seit November bei Verbandsliga-Reserve des OSC

Übersicht nicht nur am Ball: Der gebürtige Tunesier Karim Djebbi (rechts) – hier in einer Partie gegen Willingen – hat nicht nur Fußball im Kopf. Foto: Fischer

Vellmar. Er ist Beinahe-Zweitligaspieler, Kritiker eines Sylter Millionärs, Sozialpädagogik-Student und Betreuer von Kriegsflüchtlingen – und einer der Hoffnungsträger beim abstiegsbedrohten Fußball-Verbandsligist Vellmar II.

Der viel beschäftige OSC-Neuzugang Karim-Ben Djebbi bestreitet am Sonntag (14 Uhr, Kunstrasenplatz Brückenstraße) gegen den TSV Mengsberg sein sechstes Spiel für die Hessenliga-Reserve.

Und der 27-Jährige ist schwierige Situationen gewohnt. Der Sohn tunesischer Eltern arbeitet nebenbei beim Jugendamt und betreut Flüchtlinge. Am Mittwoch wurde er zum Beispiel zum Flughafen Calden gerufen, wo ein 15 Jahre alter kriegstraumatisierter syrischer Junge angekommen und zusammengebrochen war. Djebbi versuchte, zu helfen.

Djebbis letzter Verein, Verbandsligist VfB Nordmark Flensburg, ist inzwischen aufgelöst – vom Sylter Hotelier Volker Koppelt in den Ruin geführt. Der Mäzen hatte Ex-Profis wie den früheren Bochumer Marcus Fischer, den früheren St. Paulianer Marcel Rath und den einstigen Lübecker Maik Wilde geholt. „Der Mann hatte zwar Geld, aber absolut keinen Fußball-Verstand“, sagt der Neu-Vellmarer und sieht seinen vorzeitigen Abschied von Nordmark als „beste Entscheidung“ an.

Kein Wunder, dass sich Djebbi, der ein Angebot eines süddänischen Zweitligisten aufgrund seines Studiums ausschlug, in Vellmar trotz der angespannten sportlichen Situation wohl fühlt. „Die junge Mannschaft hat mich super integriert. Der Trainer ist ebenfalls super. Er weiß, wie man mit verschiedenen Charakteren umgehen muss. Ich fühle mich wie in meiner Blütezeit.“

Nach Vellmar kam der Sozialpädagogik-Student im vierten Semester durch Zufall. Nach einer Meniskus-OP und Rückenproblemen empfahl ihm Physiotherapeut Markus Endert den Klub. Und Djebbi entschied sich trotz eines Probe-Trainings bei Regionalligist KSV Baunatal für die U 23 des OSC. Trainer Rainer Rethemeier ist von seinem Neuzugang angetan: „Karim hat zwar konditionell noch etwas Defizite, aber 60, 70 Minuten tut er uns mit seiner körperlichen Präsenz schon sehr gut.“

Den Ligaverbleib des Tabellenletzten hat Djebbi nicht aufgegeben. „Der ist auf jeden Fall noch drin. In der Rückrunde werden wir massiv punkten. Wir spielen derzeit schon ganz gut mit, haben einfach viel Pech, weil wir unten drinstehen.“ Und Djebbis Ziele über die Saison hinaus? „Ich fühle mich sehr wohl in Vellmar. Ich bin nicht mehr ganz so jung, meine Arbeit wird künftig mehr im Fokus stehen. Allerdings, die Regionalliga würde mich schon noch mal reizen.“

Von Sebastian A. Reichert

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