Wenn der Aberglaube regiert: Feste Klapse und die Jacke

Da müssen sie durch: Tobias Klöppner (rechts) schickt Marvin Kuhn mit dem üblichen Händedruck und dem für den Fotografen etwas sanfter ausgefallenen Klaps in den Nacken vor Spielbeginn auf den Platz. Foto: Fischer

Kassel. „Rituale gehören dazu. Sie geben Bestätigung und Sicherheit. Gerade vor einem Fußballspiel, bei dem ja keiner weiß, was ihn erwartet und wie es ausgeht“, sagt Lothar Alexi, Trainer von Verbandsligist CSC 03 Kassel. Und wie wohl bei allen Sportvereinen werden liebgewonnene Gewohnheiten auch beim Aufsteiger gepflegt. Nicht zuletzt Alexi selbst spielt dabei eine bedeutende Rolle.

Nicht zu übersehen ist, dass der 60-Jährige immer mit Trainingsjacke am Spielfeldrand zu finden ist. In der wärmeren Jahreszeit hängt er sie über die vor der Brust verschränkten Arme. „Dahinter stehen praktische und rituelle Aspekte“, erläutert Alexi und klärt auf: „Ich mag es nicht, wenn ich Sachen in der Hose stecken habe. Deshalb bringe ich alle Utensilien in der Jacke unter. Darunter den in der Pause nötigen Edding für die Taktiktafel, einen Kugelschreiber für Notizen auf dem Spielbericht, Handy und Portemonnaie“, sagt Alexi.

Zudem findet er es selbstverständlich, ebenso angezogen zu sein wie seine einheitlich gekleideten Spieler. Und dazu gehört eben die Jacke: „Ohne sie würde ich nicht aus dem Haus gehen. Eher würde ich vergessen, mir die Schuhe zu binden.“

Auch Tobias Klöppner pflegt ein ewig gleiches Ritual. Der sportliche Leiter und Torwarttrainer der 03er gibt den Spielern vor dem Anpfiff neben dem üblichen Händedruck beim Betreten des Platzes mit der flachen Hand einen, nun ja, kernigen Klaps in den Nacken.

Ein Schleudertrauma erlitt dabei angeblich noch keiner. „Das muss sein. Da müssen sie durch. Sie stellen sich ja auch drauf ein“, bekennt „Klöppi“. Ob die Jungs das brauchen? „Mag sein. Aber eigentlich bräuchte ich das auch selbst.“ Und wenn dann doch mal einer nach dem Klaps neben sich steht? „Dann bekommt er noch einen.“

Doch es geht Klöppner nicht allein ums Ritual. „Ich zeige den Jungs damit, dass ich für sie da bin. Und sie sollen auch für mich da sein.“ Die Rothosen scheinen mit ihren Gepflogenheiten richtig zu liegen. Schließlich stiegen sie dreimal in Folge auf und liegen als Neuling derzeit auf Rang vier. Viel können sie nicht falschmachen.

Von Wolfgang Bauscher

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