1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball regional

Florian Heine: Willingens Kopf der Woche hat andere Wege auf dem Platz gefunden

Erstellt:

Kommentare

Und schon ist er drin: Florian Heine (Willingen, links) zeigt in dieser Szene gegen Türkgücü Kassel, was er besser kann als viele andere Fußballer: Tore schießen.
Und schon ist er drin: Florian Heine (Willingen, links) zeigt in dieser Szene gegen Türkgücü Kassel, was er besser kann als viele andere Fußballer: Tore schießen. © Artur Worobiow

Mit einem Dreierpack 3:2 gewonnen. Torjäger, was willst du mehr? Es läuft wieder rund bei Florian Heine, der am vergangenen Spieltag dreimal traf für seinen SC WIllingen.

Mit dem Dreierpack bei Türkgücü Kassel hat Florian Heine erheblich dazu beigetragen hat, dass der SC Willingen einen wichtigen Sieg gegen den Abstieg aus der Verbandsliga einfuhr. Es war sein 17. Saisontor. Aber Knipser haben es schwer in der Fußballwelt, sie können noch so gut spielen, Räume für Mitspieler öffnen, hinten gut mitarbeiten: Wenn sie längere Zeit nicht treffen, spielen sie schlecht. Auch Heine kennt dieses Gefühl des scheinbar vernagelten Tores. Der 33-Jährige wusste vor allem zu Beginn der Saison nicht mehr so recht, wie er den Ball über die Torlinie bringen sollte.

Was fällt ihm als erstes ein, wenn er an die laufende Saison denkt? „Wir hatten viele Höhen und Tiefen drin und leider sind wir dem Abstiegskampf nie so richtig entkommen. Deshalb ist vor jedem Spiel auch ein zusätzlicher Druck dabei, auf den man gern verzichten würde.“ Dennoch könnte gerade diese schwierige Spielzeit, die auch von einer langen Willinger Krankheits- und Verletztenliste geprägt war und ist, einen wichtigen Effekt für die Mannschaft mit ihren zahlreichen jungen Spielern haben: viel gelernt! Das Erlernte könnte dem Team in der kommenden Saison zugute kommen.

Diese Einschätzung teilt auch Heine. „Ich denke, wir alle nehmen aus dieser Saison eine Menge mit, auch die Trainer.“ Was kann ein 33 Jahre alter Kicker wie er schon noch dazulernen? Eine Menge, wenn er dafür offen ist. Sein Trainer Dardan Kodra betont immer wieder, dass die Mannschaft nur stark auftreten kann, wenn sie über das Kollektiv kommt. Da ist kein Platz für einen egozentrischen Gernegroß. Und er Coach weiß, was er an seinem Torjäger hat: „Flo ist sehr trainingsfleißig, will immer gewinnen und ist offen für Neues.“

Florian Heine: Aufgewachsen mit „spiel, wo du willst“

Heine stammt noch aus einer anderen Fußballwelt, der Liberozeit, einer Ära, in der die Taktik klein und einfach gestrickt war. Heine erinnert sich noch an die vier Worte mit denen ihn seine Trainer beim SV Buchenberg und beim TSV Altenlotheim aufs Feld geschickt haben: „Spiel wo du willst“. Erst beim SC Willingen öffnete sich für ihn vor sechs Jahren die akribische Taktikschule. Hat er dadurch an Freiheiten auf dem Platz eingebüßt? Er überlegt eine Weile und meint: „Eigentlich nicht, denn ich fühle mich eigentlich viel wohler, wenn ich genaue Aufgaben bekomme.“

Seine Trainer haben in diese Saison auch viel Wert auf das Spiel im letzten Drittel gelegt. Miteinander bessere Lösungen für den Torabschluss finden. „Die Spieler werden mittlerweile viel intensiver auf ihre Gegenspieler eingestellt und dann wissen die, der hat ja nur den linken Fuß, den müssen wir zustellen.

Kopf der Woche

Florian Heine (33) hat das Fußball spielen in Buchenberg gelernt. Er wechselte 2012 zum TSV Altenlotheim und spielt seit 2016 für den SC Willingen in der Verbandsliga. Der Außendienstmitarbeiter der Gemeinde Willingen hat neben Fußball, Freundin und Fitnessstudio keine Zeit mehr für andere Hobbys. Welche Saison seine letzte sein wird, weiß der Torjäger noch nicht.

Deshalb sei es wichtig, sich immer etwas Neues einfallen zu lassen, zu variieren, den Gegner überraschen. „Ich glaube, dass ich jetzt noch ein paar andere Wege gehen kann als vorher“, sagt Heine. Er benötigt auch mehr Luft als in den Liberozeiten.

Der Stürmer ist im modernen Fußball der erste Verteidiger beim Ballverlust. Sein Alter spüre er bislang noch nicht auf dem Platz, die Luft reiche noch und auch im Antritt und Sprint könne er noch gut mithalten, erzählt Heine. Ein guter Kicker sollte heute nicht nur gut Fußball spielen, sondern auch gut Fußball denken können. „Wenn du einen dabei hast, der nicht mitmacht, dann wird es schon schwierig“, sagt Heine.

Der Lewandowski des SC Willingen

Und der Außenverteidiger müsse heute bestimmt doppelt so viel laufen als noch zu Liberozeiten. Umdenken, mitdenken, vorausdenken, wird heute von einem Fußballer gefordert, nur eine Weisheit von damals gilt vermutlich immer noch: Ein Stürmer soll vor dem Tor nicht zu viel denken, dann trifft er nicht mehr.

Die in Buchenberger Bolzplatzzeiten entwickelten Instinkte hat sich Heine bewahrt. „Ich schieße auch immer noch gern Tore“, sagt der 33-Jährige, der fast eine Lewandowski-Quote beim SC Willingen erreicht hat: 124 Tore in 148 Spielen. Aber kann er sich immer noch so über ein Tor freuen wie früher? „Ja auf jeden Fall, vielleicht freue ich mich heute sogar noch ein bisschen mehr.“ (Reinhard Schmidt)

Auch interessant

Kommentare