Fußballtrainer

Von Hundert auf Null - die Geschichte des Wolfgang Deneke

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So wie man ihn auf dem Fußballplatz kannte: Wolfgang Deneke, ehemaliger Trainer der SG Mecklar/Meckbach/Reilos. 

Er war nie der ruhige Typ. Die Geschichte eines Fußballtrainers aus Mecklar.

Mecklar – Seine Jungs waren Wolfgang Deneke wichtig. Wenn sie auf die Socken bekamen oder der Schiri danebenlag, gab es phonstarke Kommentare und manchmal auch Veitstänze an der Außenlinie. So etwas nennt man in Mecklar und drumherum auch gern mal umgangssprachlich einen „Drillitz“.

Seit 2011 trainierte er die SG Mecklar/Meckbach/Reilos. Mit vollem Herzen. Mit vollem Einsatz. Eine Institution. Bekannt und beliebt bei Trainerkollegen und weit über die SG hinaus. Und dann war es aus und vorbei. Von Hundert auf Null.

Im Juli 2019 plagten ihn plötzlich rasende Kopfschmerzen. „Ich dachte, mir platzt der Schädel“, erzähltDeneke und hoffte heimlich auf orthopädische Probleme. Als es überhaupt nicht besser werden wollte, zwang ihn ein Nachbar mit medizinischem Hintergrund förmlich in die Klinik. Nach MRT und CT stand fest, dass sein Zustand sehr ernst war. In seinem Kopf sickerte Blut.

Den Transport vom Bad Hersfelder ins Fuldaer Klinikum bekam er nicht mehr mit: Koma. Wach geworden ist Wolfgang Deneke nach der ersten Operation am offenen Schädel in Fulda. Aus seinem Kopf ragten Schläuche. Die Kopfschmerzen waren weg. Dann der Rückschlag: Nach dem Ziehen der Schläuche kamen die Schmerzen zurück. Und die Blutungen. Die Folge war eine zweite Operation. Es ging wieder aufwärts. Mit Metallplatten im Kopf.

Schon im Krankenbett in Fulda wusste er, dass nichts mehr so sein würde wie vorher. Vom Tausendsassa zum Zwangsentschleunigten. Keinerlei Aufregungen, nichts, was den Blutdruck ansteigen lassen könnte, nicht mehr schwer heben und und und.

Daran musste sich Wolfgang Deneke erst gewöhnen. So erzählt er die Geschichte von der Reha in Bad Wildungen, als beim Sport eine lange Sitzbank beiseite gestellt werden musste. Wolfgang Deneke erledigte das ganz allein.

Aus Gedankenlosigkeit oder weil er es so gewohnt war, wie er heute sagt. Die Bank war nämlich um ein Vielfaches schwerer als er überhaupt hätte heben dürfen.

Wolfgang Deneke ist mittlerweile beruflich wieder voll eingegliedert. Der gelernte Glaser arbeitet nach wie vor in der Firma seines Zwillingsbruders Udo. Schwere Lasten sind für ihn tabu, aber seine langjährige Berufserfahrung ist ein Schatz für die Firma.

Heute hat Wolfgang Deneke auch seinen Humor zurück. „Beim Gewitter muss ich aufpassen – wegen dem Metall im Kopf“, erzählt er und lacht. Nie habe er gedacht, dass er mal wegen so was ins Krankenhaus müsse. Vielleicht mal wegen einer Sportverletzung, Aber wegen Gehirnbluten?

Auf dem Sportplatz war er auch schon wieder. Aber nur als ganz normaler Zuschauer. Den Trainer Wolfgang Deneke wird es nicht wieder geben. Da ist er sich ganz sicher.

Warum er seine Geschichte gerade in dieser Zeit erzählt? „Ich möchte anderen Mut machen. Manchmal ändern sich die Dinge so schnell, dass man es kaum fassen kann. Man darf den Kopf nicht hängen lassen. Und man muss vertrauen können“, lautet sein Fazit.

VON FRIEDHELM EYERT

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