Fußball:

Was ist da denn los? Torwart wechselt mit fast 39 in die Hessenliga zum KSV Baunatal

Hat gut lachen: Sascha Beetz ist vom Melsunger FV, hier beim Derby gegen Brunslar/Wolfershausen, zum Hessenligisten KSV Baunatal gewechselt.
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Hat gut lachen: Sascha Beetz ist vom Melsunger FV, hier beim Derby gegen Brunslar/Wolfershausen, zum Hessenligisten KSV Baunatal gewechselt.

Eigentlich schien die Karriere des Fußball-Torwarts Sascha Beetz im vergangenen Sommer beendet. Mit 38 Jahren wollte er beim Melsunger FV „nur noch“ die zweite Mannschaft in der Kreisoberliga trainieren, nicht mehr selbst spielen.

Melsungen – Das Team trat jedoch dreimal nicht an und „für mich gab’s in Melsungen keine Verwendung mehr.“ Dafür aber beim KSV Baunatal. Denn der Hessenligist hat ihn jetzt verpflichtet.

Was ist da denn los? „Ich fahre nicht viermal die Woche nach Baunatal ins Training, um Erbsen zu zählen. Ich muss voll mitziehen und bereit sein, wenn ich gebraucht werde“, betont der Rückhalt mit den überragenden Reflexen. Gut möglich, dass er sein Hessenliga-Debüt mit 39 Jahren feiert. Denn am 25. April hat er Geburtstag.

Tipp kam von Boris Bajic

Beetz muss schon schmunzeln, dass er noch einmal ein derartiges Angebot bekam. Und „nicht etwa vor zehn Jahren, als ich voll im Saft stand.“ Über Jahre war er einer der besten Torspieler der Verbandsliga. Ein Garant, warum sich der MFV in der Klasse behauptete. Und einer von damals gab dem KSV jetzt den entscheidenden Tipp. Boris Bajic nämlich, der einstige Sechser, der mit Beetz in Melsungen spielte. Nun ist er Trainer beim TuSpo Rengershausen, dem Kooperationspartner der Baunataler.

Also meldete sich Sascha Beetz auf den letzten Drücker am 30. Dezember bei seinem Heimatverein ab, bei dem er bis auf acht Monate bei der SG Beiseförth/Malsfeld als (Spieler-)Trainer (2018/19) und ein halbes Jahr beim SSV Sand als Torwarttrainer (2017/18) 30 Jahre lang aktiv war. Und wo er nur 300 Meter neben dem Sportplatz weiterhin lebt.

„Richtig Bock“ auf Baunatal

Nun also Baunatal. Die erste Station als Spieler außerhalb der Heimat. Komplettes Neuland, weil er noch mit keinem KSV-Akteur zusammen gespielt hat. Aber immerhin einige von ihnen vom Namen her kennt und ihre Werdegänge verfolgt hat. „Richtig Bock“ sich zu beweisen hat er, denn „A- oder B-Klasse spielen und nicht merken, wann Schluss ist“, kommt für ihn nicht in Frage. Abstiegskampf in der Hessenliga ist eine Hausnummer. Für die er sich nochmal strecken wird und sich auf die Zusammenarbeit mit Kim Sippel freut.

Den Ex-Waberner, der nach dem Abgang von Pascal Bielert (Lichtenauer FV) als Nummer eins in Baunatal eingeplant ist. Der jedoch klar gemacht hat, dass er durchaus privat mal passen könnte. Spätestens dann wird Beetz im Team von Coach Tobias Nebe gebraucht, der bewusst noch einem Schlussmann mit Erfahrung suchte.

Jürgen Lohne machte ihn vom Libero zum Torwart

Und der nun einen Torwart bekommen hat mit einer besonderen Beziehung zum Verein. Weil er schon immer gerne am Baunsberg spielte und bereits vor 20 Jahren als Zuschauer ins Parkstadion ging. Um seinem Freund Sebastian Lohne in der Oberliga zuzuschauen, mit dem er anschließend auch beim MFV in der Landesliga Siege feierte. Dem Sohn von Jürgen Lohne, der „Schuld“ daran ist, dass aus Sascha Beetz überhaupt eine Nummer eins wurde.

Denn bis zur B-Jugend reifte er als Libero. Beidfüßig ausgebildet, was die Schussgewalt erklärt, die ihn mit Abstößen weit in die Hälfte des Gegners auszeichnet. „Dann wollte unser Torwart lieber Tennis spielen. Da hat Jürgen mich ins Tor gestellt“, blickt Sascha Beetz zurück. Und hätte nicht im Traum daran gedacht, dass ihm 22 Jahre später ein Debüt in der Fußball-Hessenliga winken könnte. Wenn Sebastian Lohne dann auch noch als Zuschauer vorbei schaut, schließt sich der Kreis endgültig. (Sebastian Schmidt)

Hintergrund: Auch Spaß am Handball

2020 war für die meisten Sportler ein bescheidenes Jahr. Weil ihnen Wettkämpfe fehlten. Weil ihnen die Mannschaft genommen wurde oder zumindest das Gefühl, ein Teil davon zu sein. Sascha Beetz hat gleich zwei Mannschaften verloren. Den Fußball-Kreisoberligisten Melsunger FV II und den Handball-Bezirksoberligisten MT Melsungen III. Beide zogen mangels Personal zurück.

Der MT schloss sich der Torwart nach seiner Entlassung beim MFV als Trainer im Dezember 2016 an. Motiviert vom tschechischen Ex-Nationalspieler Petr Hruby, mit dem er befreundet ist. Also wurde aus dem Fußball-Torwart auch ein passabler Handballer. Ein Rückraumspieler, der mit der MT III einen Aufstieg feierte und der hofft, dass sich zur kommenden Saison wieder ein Team für ihn findet. Denn: „Handball macht einfach Bock“, sagt der 38-Jährige. 

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