Vereine erwarten mehr Basisnähe

Von Sammer bis Nadine Keßler: Wen sich Waldecker Fußballer als DFB-Präsidenten wünschen

(FILES) This file photo taken on September 27, 2019 shows Fritz Keller after he was elected new president of the German football federation DFB in Frankfurt am Main, western Germany. - Departing German FA president (DFB) Fritz Keller said the association „must change“ on May 17, 2021 as he officially resigned over comments he made comparing his deputy to a notorious Nazi-era judge. (Photo by Daniel ROLAND / AFP)
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Fritz Keller trat zurück, nun sucht der DFB einen neuen Präsidenten.

Was muss der neue DFB-Präsident können? Oder soll es eine „sie“ sein? Die Waldecker Fußballer haben klare Vorstellungen.

Korbach – Die oberste deutsche Fußballmannschaft zieht noch immer die Kicker an der Basis in ihren Bann. Bald ist Europameisterschaft, und wieder werden viele Fans dem DFB-Team im nagelneuen Nationalelf-Trikot die Daumen drücken. Die oberste „Heeresleitung“ des Deutschen Fußballbundes hingegen beäugen die Amateure meist weit weniger euphorisch.

Der unwürdige Machtkampf an der DFB-Spitze, deren Personen bald Geschichte sind, hat den Unmut sicher noch verstärkt. Was sagen heimische Fußballer nach dem Rücktritt von Präsident Fritz Keller? wen wünschen sie sich als Nachfolger und was erwarten sie vom neuen dfb-Chef? Eine (nicht repräsentative) Umfrage.

Hoffnung auf eisernes Durchgreifen

Andre Gutmann, Trainer des TuSpo Mengeringhausen: „Die DFB-Spitze wäre gut beraten, wenn sie sich auf das Wesentliche konzentrieren und nicht gegeneinander arbeiten würden. Das Anforderungsprofil für einen neuen Präsidenten ist vielseitig: Er muss in der Politik und in der Wirtschaft vernetzt sein, aber auch die Strukturen von den Landesverbänden und die Probleme der kleinen Vereine kennen und Rücksicht nehmen. So sind z.B. späte Anstoßzeiten von Länderspielen und Europacup-Spielen für Kinder nicht zugänglich.

Das Thema Nachwuchs ist auch vernachlässigt worden, so laufen unsere U-Mannschaften nur noch hinterher. Der Fokus liegt nur auf Qualität, nicht auf Quantität. Ohne Namen zu nennen, hoffe ich, es kommt ein junger Nachfolger, der mit eisernen Besen reinen Tisch macht“.

Ihn könnten sich einige als neuen DFB-Chef vorstellen: Matthias Sammer.

Sören Beckmann (17) und Lukas Beil (18), A-Jugendspieler des TSV Korbach: Beide haben sich zum Thema abgesprochen und sagen: „Die Aussage von Präsident Keller war inakzeptabel und machte einen Rücktritt notwendig. Ein neuer Präsident sollte aus dem Fußball kommen, Spieler oder Trainer gewesen sein, noch jung sein und voller Kraft und Schwung. Bestenfalls sollte er eine Identifikationsfigur ohne negative Schlagzeilen sein – ein Vorbild. Einer wie Präsident Grindel, der aus der Politik kommt, passt nicht.

Die Machtspiele innerhalb des DFB haben wir als Jugendspieler nicht so mitbekommen, da blickt man eher auf das Sportliche und die Ergebnisse, z.B. der Nationalmannschaft. Unserer Meinung nach wäre Philipp Lahm ein geeigneter Präsident. Er ist Vorbild, war Kapitän der Nationalmannschaft, ist Weltmeister und Champions-League--Sieger, eine ehrliche Person, der man vertrauen kann und er ist in der Lage Missstände aufzuarbeiten. Wir wünschen uns, dass der DFB sich mehr um den Amateur-, Jugend- und Frauenfußball kümmert.“

„Die Amateure nicht vergessen“

Karl-Reinhard Grosche, SG-Vorstand SG Goddelsheim/Münden: „Präsident Keller hat einen undankbaren Posten übernommen, die Grabenkämpfe, die noch aus der WM-Vergabe herrühren, sind noch nicht überwunden. Der DFB hat sich sehr schlecht verkauft. Ein weiterer negativer Höhepunkt war das kürzlich ausgetragene DFB-Pokalfinale, bei dem kein Offizieller bei der Siegerehrung war – sehr enttäuschend.

Von einer neuen Verbandsspitze erwarte ich, dass die Amateure nicht vergessen werden. Wer immer der oder die Neue sein wird: Sportliches und wirtschaftliches Denken und Handeln ist vonnöten. Offenheit und Ehrlichkeit ist Voraussetzung, um wieder in ruhiges Fahrwasser zu kommen. Philipp Lahm oder Matthias Sammer wären geeignete Kandidaten. Ein Lothar Matthäus, der auch gehandelt wird, ist meines Erachtens schon zu alt. Es wäre auch eine Doppelspitze aus Sport und Wirtschaft denkbar“.

Wird er der neue DFB-Präsi? Philipp Lahm wird mehrfach als guter Kandidat genannt.

Tiana Emde (25), Innenverteidigerin TSV Korbach: „Ich habe einen konservativen Eindruck von der DFB-Spitze; die könnte frischen Wind gebrauchen, denn es fehlen Transparenz und Klarheit, es scheint keiner in der Lage zu sein, reinen Tisch zu machen. Ein neuer Präsident sollte aus dem Fußball kommen, entsprechende Erfahrung haben und Unterschiede zwischen den Profis und den Amateuren moderieren können.

Als Frau wünsche ich mir auch mal eine Frau an der Spitze des DFB. Nadine Keßler wäre eine geeignete Kandidatin. Sie war Weltfußballerin (2014) und arbeitet bei der UEFA. Sie würde das ganze sicher auch moderner gestalten können. Ich erwarte von der neuen Führung auch, dass mehr für den Frauenfußball getan wird, mehr gefördert wird. Das läuft hier noch nicht so richtig, gute Spielerinnen gehen daher ins Ausland“.

Kai Klöser (31) Spieler der SG Adorf/Vasbeck: „Die Außendarstellung des DFB war in der letzten Zeit ziemlich peinlich. Der Höhepunkt, die Aussage des Präsidenten zum Nazi-Richter-Vergleich. Das ist ein no-go. Wenn man in der Öffentlichkeit steht, sollte man wissen, was man sagt. Mit der Verlegung von Profi-Spielen z.B. geht der Weg immer mehr zum Geld, der Amateurfußball wird mit Füßen getreten.

Jannis Eigenbrod (22), Kapitän Eintracht Edertal: „In den letzten Jahren hat man erlebt, dass es keine Konstanz beim DFB gab. Es ist aber wichtig, dass die handelnden Personen Fußball-Background und große Akzeptanz haben. Der Fußball sollte so bleiben wie er immer war und nicht immer mehr zum Geld tendieren. Genauso muss man sich besser um den Amateurfußball kümmern.

Einen Nachfolger zu benennen, fällt mir schwer. Es sollte aber eine Person sein, die aus dem Fußballgeschäft kommt, die Strukturen kennt und von den Fußball-Fans akzeptiert wird. Einem Externen würde es vermutlich schwerfallen, das notwendige Vertrauen zu erlangen“. (Von Detlef Vesper)

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