Bekannter nordhessischer Trainer spricht über seine Zeit ohne Fußball

Zollstock-Gespräch mit Friedhelm Janusch: Radtouren und Erinnerung an Rom

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Abstand eingehalten: Fußball-Trainer Friedhelm Janusch (links) mit Redakteur Björn Mahr. 

Nichts läuft normal. In Coronazeiten trifft das auch auf das Arbeiten in der Sportredaktion zu. Mit Akteuren des heimischen Sports haben wir uns zu Zollstock-Gesprächen verabredet – damit der Abstand gewahrt bleibt. Diesmal haben wir uns mit dem bekannten nordhessischen Fußball-Trainer Friedhelm Janusch getroffen.

Der 69-Jährige, der als Spieler unter anderem für den KSV Hessen und CSC 03 Kassel aktiv war, ist nach Stationen beim Tuspo Ziegenhain, TSV Wabern, SV Eschwege 07 und TSG Sandershausen nun für den GSV Eintracht Baunatal tätig.

1. Was nervt am meisten in diesen Tagen?

Dass ich meine Enkel in Spangenberg nicht treffen kann, tut schon sehr weh. Nur über Videos mit ihnen kommunizieren zu können, ist schon hart. Meine sozialen Kontakte sind fast komplett zum Erliegen gekommen. Natürlich ist es auch nicht schön, dass ich mir zurzeit auf den Sportplätzen keine Fußballspiele mehr anschauen kann.

2. Was ist die größte Herausforderung?

Den Anschluss zu finden, wenn es irgendwann mal wieder fußballerisch weitergeht. Es kann doch keiner sagen, wann wieder ein normales Sportlerleben möglich ist.

3. Was überrascht?

Ich bin sehr angetan vom Handeln unserer Regierung. Wenn man sieht, was in anderen Ländern passiert, dann ist unser Vorgehen vorbildlich. Was mich negativ überrascht: Es wird der Eindruck vermittelt, ein Fußballspiel ohne Publikum sei eine akzeptable Lösung. Aus meiner Sicht ist dies kein guter Weg. Ich hätte nie gedacht, dass solche Gedankenspiele überhaupt eine Rolle spielen könnten.

4. Wie sieht es mit dem eigenen Sporttreiben aus?

Außer sonntags bin ich immer unterwegs – entweder ich gehe joggen oder ich mache eine Radtour quer durch diese Region. Ich bin mit dem Mountain-Bike von Gensungen schon bis Richtung Frankenberg gefahren, auch an der Fulda entlang zwischen Kassel und Rotenburg.

5. Und wie sieht es mit dem TV-Konsum aus?

Ich schaue sehr wenig Fernsehen – nur die Nachrichtensendungen verfolge ich etwas aufmerksamer. Zwar werden auch viele alte Fußball-Spiele gezeigt, die interessieren mich aber wenig. Allerdings habe ich mir jetzt im Internet noch mal das WM-Finale von 1990 angesehen, weil ich beim deutschen Triumph ge selbst im Olympiastadion in Rom dabei war.

6. Wie viele Rollen Klopapier haben Sie zu Hause?

Meine Frau und ich haben nichts am Kaufverhalten geändert. Wir besitzen jetzt nicht mehr Toilettenpapier als vor der Corona-Krise. Wenn ich mich überhaupt mit etwas besonders eindecken würde, dann wären es doch schon eher Nahrungsmittel.

7. Mit wem würden Sie aktuell am wenigsten tauschen wollen?

Mit den Entscheidungsträgern der deutschen Politik. Es ist nicht leicht, festlegen zu müssen, wann und in welcher Form das Leben wieder hochgefahren wird. Tauschen möchte ich auch nicht mit den Ärzten, Krankenschwestern, Pflegern usw. Diese Menschen werden jetzt als Helden gefeiert, für mich haben sie schon immer eine wichtige Rolle gespielt.

8. Gibt es etwas, dass Sie auch angenehm finden?

Ja. Man spürt mit jedem Tag, dass die Hoffnung auf ein normales Leben zurückkehrt.

9. Wie groß ist die Lust auf Normalität?

Schon riesengroß. Jeden Morgen nach dem Aufstehen wünsche ich mir, dass wir am nächsten Tag wieder normale Verhältnisse bekommen. Es wäre schön, wenn die Menschen, die jetzt sehr viele Ängste haben, wieder sorgenfrei aus ihren Häusern gehen können.

10. Wenn morgen alles wie vorher wäre: Was würden Sie als Erstes tun?

Meine Enkel besuchen. Steckbrief Friedhelm Janusch Alter: 69 Wohnort:Felsberg-Gensungen Verein: Eintracht Baunatal Privates: Verheiratet

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