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Zwei besondere Double: Hanna Brussmann und Niklas Dietzel und ihr Pokalfinale

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Torwart und Pokalsiegerin
Mit dieser Parade im Elfmeterschießen sicherte Niklas Dietzel seinem Edersee-Team den Pokal, den seine Mitspielerin Hanna Brussmann gleich zweimal gewann. Foto:s Worobiow © Artur Worobiow

Waldecker Pokalsieger dürfen sich mittlerweile viele Fußballerinnen und Fußballer nennen, aber das Double in diesem Wettbewerb innerhalb von 24 Stunden hat vermutlich bisher nur eine geschafft: Hanna Brussmann.

Ittertal/Buchenberg – 16-jährige Buchenbergerin stand mit der JSG Edersee am Samstag im B-Juniorinnenfinale gegen die MSG Landau/Wolfhagen und einen Tag später im Endspiel der B-Junioren gegen die JSG Twistesee und sie wurde mit den Jungs kurz zuvor noch Kreismeisterin, nach dem Sieg im Entscheidungsspiel gegen Hofgeismar. Damit ist Hanna unser „Kopf der Woche“, gemeinsam mit ihrem Torwart Niklas Dietzel, der dem Elfmeterschießen im Pokalfinale in doppelt seinen Stempel aufdrückte.

Diese drei Spiele im 24-Stunden-Takt kosteten Hanna nicht nur viel Kraft, sondern auch Nerven. Denn nicht nur die Pokalpartie der Jungen wurde vom weißen Punkt aus entschieden, sondern auch die der Mädchen, wo ein Neunmeterschießen über die Pokalvergabe bestimmte.

Verschiedene Emotionen beim Elfmeterschießen

Hanna musste beide Male nicht schießen, beim Mädchenfinale war sie zwar als fünfte Schützin vorgesehen, aber so weit kam es dann nicht mehr. „Zum Glück, denn ich war fix und fertig mit den Nerven. Alle hatten vor mir getroffen und dadurch wurde der Druck für mich immer größer.“ Ihr Torwart Niklas Dietzel hat dieses Strafstoß-Drama emotional anders erlebt. Der 16-jährige aus Itter hielt den vierten Strafstoß der Twisteseer, stand auf, nahm sich den Ball, legte ihn auf den Punkt und verwandelte selbst den pokalbringenden Elfmeter. „Nachdem alle von uns vorher souverän geschossen hatten, hat mich das aufgebaut, ruhiger gemacht und als ich den einen Elfer gehalten hatte, wusste ich, den Ball schieße ich jetzt rein.“ Das nennt man psychischen Druck in positive Energie umwandeln.

Überhaupt ist dieser Tormann ein Kicker mit Köpfchen. So habe er sich bei den vier Elfmetern nur auf sich selbst und nie auf die Schützen konzentriert, verrät der 16-Jährige. „Ich bin nur nach Bauchgefühl gegangen, rechts, links, Mitte und als alles durch war wieder rechts, da lag ich dann richtig.“ Und danach lagen sie sich in den Armen, die Edersee Jungs mit Hanna. Sie tritt schon seit den Bambinis mit ihnen gegen den Ball und fühlt sich in dieser Gemeinschaft auch als gleichwertiges Teammitglied. „Klar, gibt es ab und zu mal einen Spruch, aber den nehme ich mit Humor.“

Selbst führen und sich trotzdem führen lassen

Der Fußball wurde Hanna Brussmann schon in die Wiege gelegt, fast alle in ihrer Familie und in der Verwandtschaft kicken. Sie liebt an dieser Sportart vor allem das Mannschaftsgefühl und dabei nimmt sie zwei Rollen ein.

Bei den Mädchen ist sie Anführerin und bei den Jungs eine unter vielen, aber trotzdem immer noch anders als die anderen. Mehr Schulung fürs Leben geht kaum. Selbst führen und sich trotzdem führen lassen. Bei den Jungs ist Hanna lieber die Passgeberin als die Torchanceverwerterin. „Hier ist der Druck für mich als einziges Mädchen viel höher, der Fußball ist anspruchsvoller, schneller, körperlicher.“

Die Fußballwege trennen sich

Dennoch mag die Gymnasiastin genau diesen Fußball, der sie herausfordert. Sie weiß, nur so wird sie eine gute Kickerin. „Man erkennt genau, wenn ein Mädchen von klein auf mit Jungen Fußball gespielt hat, es geht dann anders in die Zweikämpfe, nicht so vorsichtig, oh, oh ich habe Angst vorm Ball, sondern, sie will diesen Ball unbedingt haben.“

Hanna ordnet sich als Fußballerin in die Kategorie „Mischung aus Technikerin und Kämpferin“ ein, die auf der Sechserposition ihre Frau steht. Ihr Trainer Uwe Schwaner beschreibt sie als eine Spielerin, die nicht so schnell aufgibt, die sich in eine Aufgabe hineinbeißen kann.

„Im Schlussspurt immer alles rausholen ist für mich genauso wichtig wie taktisch denken, man muss nicht jeden Sprint machen, wenn man mit dem Kopf spielt.“

Doch mit den Jungs zu kicken ist nach dieser erfolgreichen Saison nun für Hanna vorbei, viele von ihnen, auch Niklas Dietzel, gehen in die A-Jugend, dort darf dann keine Frau mehr mitspielen. Hanna wechselt daher zur Frauenmannschaft des SV Ittertal. Das heißt Kreisliga A, unterste Klasse. Diese Entscheidung passt eigentlich nicht zu Hannas bisherigen mutigen Auftritten auf dem Fußballplatz. Warum nicht etwas höherklassiger einsteigen? „Das kann ja noch kommen, aber ich möchte erst einmal schauen, wie es so ist bei den Frauen.“

Die Namen Niklas Dietzel und Hanna Brussmann werden künftig nie mehr in einer Aufstellung auftauchen, aber der Fußball muss sich vermutlich um beide keine Sorgen machen, dass er sie jemals verlieren wird. (rsm)

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