Diskussion

Absage an Zeitstrafen im Fußball: „Das ist der falsche Ansatz“

Die geplante Einführung von Zeitstrafen im Fußball findet nur wenig Anklang. Eine Umfrage: 

Noch ist sie nicht da, doch sie soll im Amateurfußball kommen. Vielleicht schon zur nächsten Spielzeit soll die Zeitstrafe wieder eingeführt werden – auf Kreisebene bis hinauf zur Kreisoberliga. Entschieden wird darüber bei der Vollversammlung des Hessischen Fußball-Verbandes am 6. Juni. Wir sammelten dazu Stimmen bei Trainern, Schiedsrichtern und Offiziellen.

Der Offizielle

Matthias Schmelz (Bewerber um den Posten des Kreisfußballwarts zur kommenden Spielzeit, derzeit Abteilungsleiter von Gruppenligist TSV Heiligenrode): „Mit einer solch überflüssigen Entscheidung wird der Fußball leider nicht attraktiver, sondern eher noch mehr an den Rand gedrängt. Es wird noch längere Nachspielzeiten geben. Auch fehlen die Leute, die die Ausführung der Strafe wie beim Handball überwachen. Das wird zu mehr Diskussionen führen. Und alles zulasten der Schiedsrichter, die es ohnehin nicht leicht haben. Damit wächst die Kluft zwischen Profis und Amateuren noch weiter. Im Jugendbereich hingegen hat sich die Zeitstrafe bewährt und sollte beibehalten werden.“

Der Schiedsrichter

Ömer Demiray (neuer Kreisschiedsrichterobmann seit 17. Februar): „Ich bin klar gegen eine Einführung der Zeitstrafe und denke, dass die Begründung klar auf der Hand liegt. Denn schließlich pfeifen in den unteren Klassen in der Regel nicht die erfahrensten Schiedsrichter. Eher kommen Neulinge zum Einsatz. Und die werden mit noch mehr Verantwortung bis an ihre Grenzen belastet. Es muss den Delegierten des Verbandstags klar sein, dass der Schiedsrichter in den unteren Spielklassen Einzelkämpfer ist. Er kann weder auf Zeitnehmer noch auf Assistenten an der Linie zurückgreifen. Es wird damit noch mehr Negatives auf den Unparteiischen einstürzen.“

Die Trainer

Sebastian Dietzel (Coach bei A-Ligist SV Nordshausen, dem einzigen verlustpunktfreien Team im heimischen Fußball): „Zeitstrafen sind ein schlechter Ansatz. Man sollte die Regeln so lassen, wie sie sind. Sonst wird es für die Schiedsrichter auf jeden Fall immer schwerer anstatt leichter. Man sollte sich an verantwortlicher Stelle vielmehr Gedanken über die Nachwuchsgewinnung bei Schiedsrichtern und Spielern machen.“

Gerd Horchelhahn (Trainer der Reserve von Verbandsligist CSC 03 Kassel): „Ich bin lange genug dabei um sagen zu können, dass die Einführung der Zeitstrafe ein Rückschritt wäre. Die derzeitige Regel mit Gelb, Gelb-Rot und Rot hat sich eingespielt und bewährt. Warum sollte das geändert werden? Offensichtlich waren diejenigen, die diese Regel wieder einführen wollen, damals, als die Zeitstrafe abgeschafft wurde, noch nicht beim Fußball dabei.“

Der Spieler

Boris Bajic (Spieler bei Kreisoberliga-Titelanwärter FSV Bergshausen und zur kommenden Saison Trainer beim Tuspo Rengershausen): „Bisher habe mich damit noch nicht auseinandergesetzt. Doch wenn ich darüber nachdenke, kann ich in der Zeitstrafe keinen Vorteil erkennen. Eher, dass noch mehr Hektik ins Spiel kommt und der Schiedsrichter noch mehr unter Druck steht.“ 

Ablehnend: Matthias Schmelz (von links), Ömer Demiray, Sebastian Dietzel, Gerd Horchelhahn und Boris Bajic stehen der Wiedereinführung der Zeitstrafe skeptisch gegenüber.

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