Schlüsselspieler Netzer 

Als die Fohlen geboren wurden: Heute vor 50 Jahren erste Meisterschaft für Mönchengladbach

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Der Star mit der Schale: Günter Netzer feiert die Meisterschaft mit Mönchengladbach 1970. 

Spätestens am 30. April 1970 wussten alle, dass das „ö“ kein Druckfehler war.

Am 30. April 1970 wurde Borussia Mönchengladbach erstmals Deutscher Fußballmeister, und es hatte sich rumgesprochen, dass die grandiose Mannschaft nicht aus einem Münchener Vorort, sondern aus einer Stadt am Niederrhein kam. Am 30. April 1970 begann eine Ära mit fünf Meisterschaften innerhalb von sieben Jahren.

Am 30. April 1970 besiegte Borussia Mönchengladbach den HSV mit 4:3. Es war der vorletzte Spieltag, und nun waren die Borussen vom Tabellenzweiten, dem FC Bayern, nicht mehr einzuholen. Drei Gegentore bekommen, aber vier Treffer erzielt: Das war Ende der Sechzigerjahre typisch für die junge Mannschaft, deren Trainer Hennes Weisweiler stets die totale Offensive gepredigt hatte. Nun aber war eher die kontrollierte Offensive angesagt, was sich im Torverhältnis (71:29 bei 34 Spielen) niederschlug. Attraktiv spielten die Borussen jedoch weiterhin.

Alles drehte sich um den genialen Spielmacher Günter Netzer, und nur selten gab es Spielzüge, an denen der damals 25-Jährige nicht beteiligt war. Fest steht aber auch, dass Netzer den Titel nicht allein gewinnen konnte, sondern tolle Helfer brauchte. Der wichtigste hieß Herbert Wimmer. Netzers Nebenmann eroberte die Bälle, die er seinem Chef zuspielte, ehe er sich auf den Weg nach vorn machte, um einer der Abnehmer von Netzers Pässen zu sein. Der dritte Mann war Herbert Laumen, der mit 19 Treffern hinter Gerd Müller (38), Klaus Fischer (20) und Werner Weist (20) in der Torschützenliste den vierten Platz belegte.

Allerdings war die offensive Spielweise nur deshalb erfolgreich, weil sich die Borussen in der Abwehr mit Klaus-Dieter Sieloff (Stuttgart) und Ludwig Müller (Nürnberg) enorm verstärkt hatten, und Berti Vogts jeden Gegenspieler zur Verzweiflung brachte. So gab es einige Resultate, die gar nicht zum Image des Weisweiler-Teams passen wollten (0:0 in Bremen, 0:0 in Stuttgart). Den torlosen Partien standen jedoch Ergebnisse gegenüber, die von den stürmischen Rheinländern erwartet wurden (6:1 gegen Oberhausen, 5:0 gegen Hannover, 5:1 gegen Aachen).

So hatten Günter Netzer und seine Mitspieler nach 29 Spieltagen den ersehnten Titel praktisch sicher, ehe das große Zittern einsetzte. Drei 0:1-Niederlagen (in München, in Hannover und in Essen) ließen den Vorsprung schmelzen. Dann kam der HSV zum Bökelberg, und die Meisterschaft war beim 4:0 nach Treffern von Herbert Laumen, Berti Vogts, Horst Köppel und Hartwig Bleidick schon kurz nach der Pause praktisch in trockenen Tüchern. In der 85. Minute war jedoch beim 4:3 wieder alles offen, aber fünf Minuten später läuteten in Mönchengladbach (mit „ö“) die Kirchenglocken.

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