Neuer Trainer von Juventus Turin

Andrea Pirlo: Als Spieler ein guter Wein, als Trainer ein Neuling

Andrea Pirlo
+
Der Neue: Andrea Pirlo, ab sofort Trainer von Juventus Turin.

Eigentlich war Andrea Pirlo lange ein legendärer Fußballer im Mittelfeld des AC Mailand. Zwischen 2001 und 2011 gehörte der Italiener zu jener Mannschaft um Maldini, Gattuso, Seedorf und Inzaghi, die zweimal die Champions League gewann.

Diese Königsklasse besiegelte nun das Aus von Maurizio Sarri als Coach von Juventus Turin und sorgte für die Beförderung Pirlos zu dessen Nachfolger. Trotz des 2:1-Erfolgs gegen Lyon schied das Team um Cristiano Ronaldo im Achtelfinale nach der 0:1-Hinspiel-Niederlage aus. Der Meistertitel allein reichte den Verantwortlichen von Juve da nicht aus. Pirlo, 41 Jahre alt, Trainernovize und erst vor wenigen Tagen als Coach der U23 vorgestellt, wurde schnell nach oben beordert. Und Juve präsentiert ihn als die eigene Legende.

Dass Pirlo heute mehr als Turiner denn als Mailänder gesehen wird, hat eine Geschichte. Als der elegante Mittelfeldspieler den AC 2011 verließ, saß in der Modestadt Massimiliano Allegri auf der Trainerbank. Mailand hatte es verpasst, die Weltklassemannschaft zu verjüngen, nun einen Kader mit vielen Spielern jenseits der 30. Pirlo verpasste wegen einer Verletzung in der Vorsaison viele Spiele, die Mailänder holten dennoch den bislang letzten Meistertitel. Pirlo, dessen Vertrag ausgelaufen war, wollte noch einmal für drei Jahre unterschreiben. Allegri setzte aber im zentralen Mittelfeld auf Mark van Bommel und Massimo Ambrosini – die beide noch älter waren als der damals 32-jährige Pirlo.

Heute weiß man, dass der AC Milan eine folgenschwere Fehlentscheidung traf. Pirlo ging ablösefrei zu Juventus und Trainer Antonio Conte. Der setzte voll auf den Strategen – und nachdem die Turiner in der Liga zuletzt 2003 ganz oben gestanden hatten, gewannen sie mit Pirlo jedes Jahr die Meisterschaft. Eine Serie, die übrigens bis heute – neun Titel in Folge – anhält. Pirlo, der nach seiner aktiven Karriere als Winzer in der Lombardei tätig wurde, war als Spieler wie ein guter Wein: Er wurde mit den Jahren immer besser. Das Halbfinale der EM 2012 ist in Deutschland noch in bester Erinnerung. Pirlo, der auch Freistöße wie kaum ein anderer treten konnte, war so gut, dass Joachim Löw ihm mit Toni Kroos einen Wachhund an die Seite stellte. Leider nur den falschen.

Erst vier Jahre später endete die Zeit des Italieners bei Juve. Dass Pirlo damals ging, als ein gewisser Massimiliano Allegri das Traineramt von Conte übernahm, war nicht unbedingt ein Zufall. Pirlo wechselte in die USA zu New York, spielte dort noch zwei Jahre. Dann hörte er auf.

Nun ist der 41-Jährige selbst Trainer. Und kann zeigen, dass er es besser macht. Dass manche Spieler eben wie ein guter Wein sind. Juve hat ja einen gewissen Cristiano Ronaldo, 35 Jahre alt. (Maximilian Bülau)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.