Erstes Europa-Finale seit 20 Jahren

Mourinho: „Ajax verdient es nicht, im Endspiel zu stehen“

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Jose Mourinho ist seit einer Saison Trainer von Manchester United.

Ajax Amsterdam steht nach mehr als 20 Jahren wieder im Endspiel eines europäischen Wettbewerbs. Stadt und Verein fiebern dem großen Tag entgegen - aber José Mourinho meint, dass die Niederländer zu Unrecht im Europa-League-Finale stehen.

Solna - Die ganze Stadt trägt Rot und Weiß, die Spieler um Shootingstar Amin Younes fiebern dem Finaltag entgegen - nur einer versteht den Hype um Ajax Amsterdam überhaupt nicht. "Sie haben es nicht verdient, im Endspiel zu stehen", sagt José Mourinho. Mit Manchester United trifft der portugiesische Teammanager am Mittwoch (20.45 Uhr/Sport1 und Sky) in der Europa League auf die Niederländer. Zu Unrecht, wie er meint.

"Sie haben ein Team für die Champions League und sind dort ausgeschieden. Ich denke, dass man nicht in zwei Wettbewerben spielen sollte", stänkerte "The Angry One" vor dem Showdown im schwedischen Solna: "Die Europa League sollte für Vereine sein, die auch nur dort gespielt haben. So wie wir."

Wahrscheinlich waren Mourinhos Aussagen schlichtweg die erste Attacke im verbalen Psychokrieg, den der 54-Jährige vor wichtigen Duellen bekanntlich allzu gerne führt. Vielleicht hat er sogar Angst vor der jungen Mannschaft - über genügend (Sach-)Verstand sollte Mourinho jedenfalls verfügen, um die Leistung der Niederländer anzuerkennen. Zumal sie in der Königsklasse bereits früh in den Play-offs scheiterten.

Mit erfrischendem Offensiv-Fußball war die blutjunge Truppe um den künftigen deutschen Nationalspieler Younes in der Europa League durch die Gruppen- und K.o.-Phase gestürmt. Vor allem bei Younes, der dank seiner Leistungen von Bundestrainer Joachim Löw für den Confed Cup berufen wurde, ist das Selbstvertrauen groß.

"Wir glauben an unsere Stärke und haben auch gegen ein Team wie Manchester eine Chance", sagt der 23-Jährige, dem einst in der Bundesliga der Durchbruch verwehrt blieb: "Ich bin extrem stolz auf das, was wir erreicht haben."

Ähnlich sieht es Trainer Peter Bosz. "Wir waren gut", bilanzierte er und sagte in Richtung Mourinho: "Sonst hätten wir das Finale nicht erreicht. Ich glaube, dass alle Niederländer, nicht nur Ajax-Fans, auf uns stolz sein können."

Schließlich hat der 33-malige niederländische Meister den Verein und das Land wieder "ein wenig auf die europäische Landkarte gestellt", sagte das 17 Jahre alte Supertalent Matthijs de Ligt, einer dieser jungen Wilden im Team mit einem Altersschnitt von knapp 23 Jahren. Die Art und Weise wie Ajax auftrumpft erinnert an die große Ära.

In den glorreichen 1970er Jahren war Johann Cruyff der König von Amsterdam gewesen, Mitte der 1990er sorgten unter Trainer Louis van Gaal Stars wie Frank Rijkaard, Clarence Seedorf oder Patrick Kluivert in Europa für Furore. Nun schicken sich Talente wie de Ligt, Kluivert-Sohn Justin oder Younes an, alte Zeiten wieder aufleben zu lassen.

Sollte die Chance am Mittwoch genutzt werden, würde Ajax den ersten internationalen Titel seit 22 Jahren bejubeln. Die bislang letzte Meisterschaft feierte der Klub 2014 - kein Wunder also, dass der Erfolgshunger riesig ist. "Wir wollen etwas in den Händen halten. Der Sieg in der Europa League wäre der Jackpot", sagte Kapitän Davy Klaassen.

Einer hat jedoch was dagegen, er sitzt bei Manchester United auf der Bank. "Endspiele machen immer Spaß. Die Europa League ist ein großer, wunderschöner Wettbewerb, den ich gewinnen will", sagte Mourinho. Sollte er es schaffen, wäre die Qualifikation für die Champions League perfekt - und das Jammern über Absteiger in die Europa League endlich beendet.

sid

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