Franz Beckenbauer gibt Interviews und tritt wieder als Sky-Experte auf

Ja mei, der Kaiser ist zurück - eine Analyse

Auf einmal wieder als Experte gefragt: Franz Beckenbauer kehrte gestern bei Sky auf den Bildschirm zurück. Foto: dpa

Eigentlich, so ließ es sich in der Phase des kaiserlichen Schweigens interpretieren, wollte Franz Beckenbauer zunächst den externen Ermittlern des DFB Rede und Antwort stehen.

Dann hat die Lichtgestalt des deutschen Fußballs der Süddeutschen Zeitung ein Interview gegeben – drei Seiten lang. Danach schien alles gesagt oder auch nicht gesagt zum aktuellen Skandal rund um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006. Tenor: Der Fußball-Kaiser hat einfach alles unterschrieben, aber sonst?

Sonst hat Beckenbauer gleich noch ein Interview gegeben, was wirklich verwundert, da lange der Eindruck entstand, er sage in der Öffentlichkeit gar nichts. Der 70-Jährige untermauerte am Montagabend bei seinem Haussender Sky das, was er in der Süddeutschen Zeitung zum Besten gab. Die Kurzzusammenfassung: Die WM war auf keinen Fall gekauft. Denn – O-Ton: „Wenn da schwarze Kassen gewesen wären oder Bestechungsversuche gewesen wären, das hätte ich mitbekommen.“

Zum Phänomen Beckenbauer gehört, dass er nicht nur am Montag dem Bezahlsender Sky dieses Interview gegeben hat, sondern dass er am Dienstag sogleich als Sky-Experte im Einsatz war und das Spiel des FC Bayern analysierte – das Spiel also jenes Vereins, bei dem er lange Präsident war und immer noch Ehrenpräsident ist.

All das könnte in doppelter Hinsicht verwundern: zum einen, dass Sky mit Beckenbauer einer Schlüsselfigur trotz aktueller Irritationen um dubiose Zahlungen wieder eine Plattform gibt. Und zum anderen, dass Beckenbauer auftritt, als sei nichts gewesen. Wie gesagt: Es könnte verwundern. Dass es tatsächlich nicht verwundert, liegt womöglich daran, dass Beckenbauer immer noch Beckenbauer ist: Ja mei – und weiter geht’s.

Mit seinem Auftritt als Experte versucht er den Schritt zurück in die Normalität, der zugleich eine Botschaft enthält: Diesem Kaiser kann keiner was. Das wird besonders deutlich im Vergleich zu Wolfgang Niersbach, der im Zuge des DFB-Schlamassels zurückgetreten ist und gegen den die Steuerfahnder ermitteln.

„Das offizielle Bewerbungspapier für die WM, das Bid-Buch an die Fifa, umfasste 1212 Seiten. Ich kann Ihnen sagen: Ich habe keine einzige davon gelesen. Ich habe das nur getragen, das war schwer genug.“

Gegen Beckenbauer wird nicht ermittelt – trotz allem. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung bezieht er auch Stellung zu Niersbach. An einer Stelle sagt er: „Wolfgang wirkte völlig überfordert.“ Ob das nun das Ende der Freundschaft zu Niersbach gewesen sei, wird Beckenbauer gefragt. Und er antwortet: „Nein, überhaupt nicht. Ich hab’ ihm am Telefon gesagt, Wolfgang, wir bleiben Freunde, das ist klar.“ Ja mei.

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