Nach dem Aus der Bayern 

Analyse zum deutschen Fußball: Keine Spitze, keine Breite

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Steht für die Zukunft der Bayern, muss aber auch in der Gegenwart mithelfen: Serge Gnabry war ein Lichtblick bei den Münchnern in dieser Spielzeit. Das Aus gegen Liverpool konnte auch er aber nicht verhindern. 

Erstmals seit 13 Jahren steht kein deutscher Fußball-Klub im Viertelfinale der Champions League. Eine Analyse zum Stand des deutschen Fußballs.

Damals erreichten der FC Bayern und Werder Bremen das Achtelfinale. Die Münchner schieden gegen den AC Mailand aus, Bremen gegen Juventus Turin. Damals waren es die Italiener, dieses Mal sind es die Engländer, die die Deutschen aus dem Wettbewerb schmeißen. Dass der Kampf um Europas Fußball-Krone ohne einen Bundesligisten stattfinden wird, ist aber keine Überraschung. 

Die Spitze

In der europäischen Spitze sind dauerhaft ohnehin nur die Bayern. Mit Abstrichen kommt Borussia Dortmund dazu. Der BVB bleibt aber weiterhin ein Ausbildungsverein, der die Spieler zwar für viel Geld verkauft, die Stars dennoch nicht halten kann. Dahinter klafft eine Lücke. Allen weiteren deutschen Vereinen ist maximal das Überstehen der Gruppenphase zuzutrauen.

Vergleichbar ist diese Situation mit Italien und Frankreich. Juventus Turin und Paris sind die einzigen Topteams, dahinter kommt mal der SSC Neapel oder der AS Rom dazu, in Frankreich Olympique Lyon oder die AS Monaco. Es gibt aber auch einen großen Unterschied.

In Turin und Paris gibt es Stars – Cristiano Ronaldo, Kylian Mbappé, Neymar. Solche Namen hat die Bundesliga noch nie gesehen. Paris ist nun nicht das beste Beispiel, weil auch das Team von Trainer Thomas Tuchel bereits die Segel streichen musste. Der Ansatz ist aber klar.

Ein Ronaldo steht für Erfolg, half den Turinern zum Sprung ins Viertelfinale. Er ist einer, der vorweggeht und die Mannschaft führt. So wie Lionel Messi in Barcelona, Mo Salah in Liverpool, Paul Pogba in Manchester. Die individuelle Klasse macht den Unterschied. Und wollen die Bayern weiterhin in der obersten Klasse der europäischen Klubs dabei sein, dann müssen sie investieren.

Gegen Liverpool wurde deutlich, dass die Qualität in der Spitze und in der Breite des Kaders fehlt. Der Umbruch ist überfällig. Beim Stand von 1:2 einen Renato Sanches einwechseln zu müssen, weil sonst keine Alternativen auf der Bank sitzen, das reicht nicht für den großen Wurf. Ein Sommer wie der letzte ohne Investitionen ist gut für die Kasse, aber nicht für den Titelschrank. Der deutsche Fußball fällt zurück. Ohne die Bayern ist er nur Durchschnitt.

Die Breite

Doch nicht nur in der Spitze fehlt es, auch die Qualität in der Breite der Bundesliga ist nicht vorhanden. In der Europa League schaffte es überhaupt nur Eintracht Frankfurt ins Achtelfinale. Wo in anderen Ligen mindestens vier, teilweise sogar sechs Mannschaften internationale Klasse haben, sind es in Deutschland eben zwei.

Die Bundesliga ist mittlerweile nur noch Ausbildungs-Liga. Talentierte Spieler kommen, entwickeln sich und gehen dann zu Topteams, wo sie bei Titelgewinnen helfen. Dem Fußball-Romantiker mag das noch gefallen, weil die Bundesliga ihre Seele nicht verkauft wie Manchester City oder Paris. Doch insgesamt entsteht die traurige Erkenntnis: Will Deutschland auf Dauer international mithalten, geht das nicht nur mit gutem Scouting.

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