Nach 1:0-Sieg gegen Tschechien

Gewinner, Verlierer, Kritiker: Die deutschen Nationalspieler im Formcheck

Philipp Max (links) und Joachim Löw.
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Der Spieler und sein Trainer: Philipp Max (links) und Jogi Löw.

1:0 gegen Tschechien gewonnen – doch was bleibt übrig vom Testspielsieg des zusammengewürfelten Azubi-Teams?

Kassel – Wer konnte sich für einen weiteren Einsatz in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft empfehlen, und wer hat keine Werbung in eigener Sache gemacht? Wir blicken auf die Leistungen von Jogis Jungs und schauen auch auf einen Kritiker, der am Mittwochabend gar nicht auf dem Platz stand.

Nachhaltig empfohlen

Die Neulinge: Sie waren die Dauerläufer auf den Außenbahnen. Und irgendwie hatte man das Gefühl, dass Philipp Max und Ridle Baku auch noch 90 weitere Minuten hätten dranhängen können. Vor allem Max sorgte auf der linken Seite für richtig Geschwindigkeit und überzeugte immer wieder mit gefährlichen Flanken. Eine seiner scharf in den Strafraum gespielten Hereingaben verwandelte Luca Waldschmidt in der 13. Minute zum einzigen Tor des Abends.

Später sagte der Vorlagengeber: „Nach zehn Minuten habe ich mal kurz auf die Uhr geschaut“ – und meinte damit den nur achtminütigen Länderspieleinsatz von Papa Martin, den er damit schon früh im Spiel überboten hatte. Und Baku? Beackerte die rechte Außenbahn, glänzte mit intelligenten Anspielen und war ebenfalls am Führungstreffer beteiligt. Der Wolfsburger hatte sogar später selbst noch die Chance zum 2:0.

Der Dirigent: Zunächst noch im Zusammenspiel mit Ilkay Gündogan, später dann allein – Florian Neuhaus war die ordnende Hand im Mittelfeld. Er gewann viele Zweikämpfe, behauptete Bälle und leitete Offensivaktionen ein. Prompt bekam er auch ein Lob vom Bundestrainer: „Er findet immer gute Lösungen“, sagte Löw. Höhepunkt: sein Schuss ans Lattenkreuz in der 77. Minute. Er ist in jedem Fall ein Kandidat für die nächsten Aufgaben.

Die Abwehr: Während Jonathan Tah eher unauffällig blieb, zeigte Antonio Rüdiger mehrere lange und präzise Diagonalpässe in Jérome-Boateng-Manier. Doch am meisten stach Robin Koch als zentraler Abwehrspieler heraus. Er ahnte meist im Vorfeld, was die Tschechen vorhatten, auch wenn die Spieleröffnung hin und wieder zu risikoreich war. Aber diese Schwäche konnten ja auch die etatmäßigen Defensivkräfte in diesem Jahr nicht abschütteln. Einen ruhigen Abend erlebte Torwart Kevin Trapp, der mit einer spektakulären Parade die Führung verteidigte.

Nicht überzeugend

Die Lahmenden: Julian Brandt habe sich verdraxlert – das war im Internet zu lesen. Ein Kompliment ist das nicht. Verdraxlert steht in diesem Zusammenhang für Stillstand. Für ein großes Talent, das sich nicht weiterentwickelt. Selbst Bundestrainer Jogi Löw übte deutliche Kritik am 24-Jährigen, sagte, Brandt sei nicht immer glücklich in seinen Aktionen gewesen, habe sehr viel Können, sei aber ein bisschen schwankend. Konkret: Löw erwartet mehr vom Dortmunder.

Was aber vor allem von Brandt im Zusammenhang mit dieser Partie gegen Tschechien übrig bleibt, ist ein Schuss, der im Tor hätte landen müssen, aber auf die Tribüne des Leipziger Stadions ging. Brandt ist einer von Löws Lieblingsschülern mit unbestrittenen Fähigkeiten, die er aber wie im Verein immer seltener zeigt. Ähnlich wie Brandt agiert Nadiem Amiri (24) eher unglücklich im DFB-Trikot. Auch dem Leverkusener war eine große Zukunft prophezeit worden, die momentan in der Zeitlupe gefangen ist.

Aufgefallen

Der Gesetzte: Die Bayern-Spieler, Timo Werner und Toni Kroos durften gegen Tschechien pausieren, sich für die zwei Aufgaben in der Nations League gegen die Ukraine und in Spanien schonen. Kroos ist unter Löw gesetzt – und fiel in seiner Abwesenheit dennoch auf. In seinem Podcast äußerte er nämlich harsche Kritik. Die Profis seien nur Marionetten der Fifa und Uefa, sagte er. Wenn es eine Spielergewerkschaft gebe, dann würde niemand Nations League, einen spanischen Super-Cup in Saudi-Arabien oder eine Klub-WM mit 20 Mannschaften spielen, so Kroos. (Torsten Kohlhaase und Maximilian Bülau)

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