"Die Sendung ist zu einer Marke geworden"

Fußball-Satiriker Arnd Zeigler: "Wir sind ein Kontrapunkt zur Kommerzialisierung des Sports"

WESTDEUTSCHER RUNDFUNK KÖLNZeiglers wunderbare Welt des FußballsModerator Arnd Zeigler© WDR/Ben Knabe, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung und bei Nennung "Bild: WDR/Ben Knabe" (S1+). WDR Presse und Information/Bildkommunikation, Köln, Tel: 0221/220 -7132 oder -7133, Fax: -777132, bildredaktion@wdr.de
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Nimmt seine Sendung in der eigenen Wohnung auf: Fußball-Satiriker Arnd Zeigler.

Seit zehn Jahren beleuchtet Arnd Zeigler mit "Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs" im dritten Programm die Bundesliga. Im Interview  erklärt der Werder-Fan, wie sein kleines Satire-Format zum Renner wurde.

Herr Zeigler, viele Fußballer haben vor oder nach ihren Spielen Rituale. Gilt das auch für Sie und ihre Sendung?

Arnd Zeigler: Ja, tatsächlich. Ich versuche zwei Stunden vor Arbeitsbeginn noch eine Runde zu schlafen. Und was mein Team und ich nach der Show immer machen: Wir öffnen erst mal eine Flasche Bier. Ab dem Moment, wenn die Kollegen kommen, funktionieren wir nur, bis die Show vorbei ist. Da ist es immer schön, sich am Schluss zusammenzusetzen und nochmal die Sendung zu schauen. Je nachdem, wie müde wir sind, gehen wir noch in unsere Stammkneipe und flippern eine Runde. Das ist seit der ersten Folge so.

Und die lief am 12. August 2007 über die Bildschirme. Wie erklären Sie sich den immer noch anhaltenden Erfolg?

Zeigler: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich glaube, dass wir in Zeiten, in denen der Fußball immer kommerzieller wird – es gibt Phänomene wie RB Leipzig und Spieler, die über 200 Millionen kosten – immer ein wenig abseits des großen Geschehens gucken. Wir würdigen das Randgeschehen und achten nicht nur auf den Hochglanzfußball, sondern sehen zu, was uns als Fans am Fußball interessiert und Spaß macht. Das ist eine Art Kontrapunkt zu dem, was aktuell im Fußball eher alarmierend ist.

Sie drehen seit Beginn der Sendung in ihrem eigenen Haus in Bremen. Wie kam das zustande?

Zeigler: Der WDR-Sportchef Steffen Simon wurde vor zehn Jahren auf meine gleichnamige Radiokolumne aufmerksam und hatte die Idee, ein Fernsehformat mit mir zu probieren. Im Normalfall wäre es so gewesen, dass ich jede Woche nach Köln fahre und dort die Sendung moderiere. Das ging aber nicht, weil ich damals kurz zuvor meinem Sohn versprochen hatte, immer zu seinen Fußballspielen zu kommen. Schließlich hat der WDR daraus einen Testballon gemacht und gesagt: "Schauen wir mal, wie es ist, wenn wir live aus Bremen senden."

Wie funktioniert es, wenn das eigene Haus der Drehort ist?

Zeigler: In den ersten fünf Jahren habe ich noch in einer anderen Wohnung gelebt, in der wir sehr beengt waren. Der WDR hat im Wohnzimmer nach der Sendung die ganze Technik zusammengeklappt, die dann die Woche über als riesiger Block herumstand. Schließlich wurden wir wegen Eigenbedarfs aus der Wohnung geschmissen – was sich im Nachhinein als Glücksfall erwiesen hat. Wir haben eine neue Wohnung direkt um die Ecke gefunden, die wesentlich größer ist. Jetzt wohne ich oben - und direkt darunter produzieren wir die Sendung. Wir können alles aufgebaut lassen und ich muss am Sonntag nur die Treppe runtergehen, um die Sendung zu machen. Wir haben zum Senden einen Raum, der vollgestopft ist mit Fußball, und die Familie wird nicht beeinträchtigt. Das ist ideal.

Was bleibt aus zehn Jahren Show im Gedächtnis?

Zeigler: In der ersten Sendung nach dem Umzug in die neue Wohnung hat der WDR alles eingerichtet, während ich in der Sommerpause im Urlaub war. Ich wusste also gar nicht, wie alles aussehen wird. In der ersten Sendung gab’s dann einen Film, den ich vorher nicht sehen durfte. Es stellte sich heraus, dass der ehemalige Werder-Trainer Thomas Schaaf hier rumgelaufen ist. Er hat beim Einrichten geholfen, Äpfel im Garten gepflückt und mit den Nachbarn ein Pläuschchen gehalten. Das war eine tolle Vorstellung – jemand, den ich schon vorher mochte, war Teil meiner Sendung. Aber auch andere Auftritte wie der von Jürgen Klopp waren super. Es ist ein Traum, mit Leuten, die man verehrt, zusammenzuarbeiten zu dürfen.

Sie sind selbst Fußballfan – von Werder Bremen. Wie schwer ist es, nach Spielen ihres Teams die Sendung zu moderieren, und dabei möglichst neutral zu wirken?

Zeigler: Ich komme manchmal direkt vom Stadion zu meiner Sendung, etwa wenn Werder Sonntagabend spielt und ich als Stadionsprecher arbeiten muss. Wenn meine Mannschaft gewinnt, komme ich mit einem Hochgefühl zur Sendung. Wenn Werder aber verliert, gehe ich auch traurig nach Hause – und muss dann aber direkt von 0 auf 100 weiterarbeiten. Da funktioniere ich wie jeder Fußballfan, der Montag auch keine Zeitung liest, wenn sein Klub am Wochenende verloren hat. Es ist nicht immer einfach, von einer Welt in die andere zu gehen.

Sie haben gefühlt tausend Sammlerstücke – haben sie eines, das ihnen besonders ans Herz gewachsen ist?

Zeigler: Man hat ja manchmal Sachen, bei denen man gar nicht genau erklären kann, warum sie einem gefallen. Ich habe als Kind von meinem größeren Bruder ein Sammelalbum von der WM 1966 bekommen. Das war die erste WM mit einem richtigen Maskottchen, dem Löwen namens „World Cup Willie“. Auf Flohmärkten in England habe ich mir dann dieses Maskottchen besorgt. Es taucht bei mir zu Hause überall auf: auf Postern, T-Shirts oder Handtüchern. Ansonsten hänge ich an allem, was mit Werder Bremen zu tun hat. Ich bin zu einer Zeit groß geworden, als es noch keine Trikots zu kaufen gab. Dadurch sind frühe Trikots meines Vereins etwas, das ich total wertschätze. 

Gehen Sie auch selbst gern zu unterklassigen Vereinen?

Zeigler: Ich bin, sofern ich es einrichten kann, bei jedem Spiel meines Sohnes bei der B-Jugend dabei. Bisher bei Werder Bremens Jugend, künftig beim Verein Union 60 Bremen. Das ist dann schon ein Sportplatz-Feeling, da hole ich mir immer 'ne Bockwurst und stehe mit drei anderen Vätern am Spielfeldrand, das macht total Spaß. Ich würde sehr gerne öfter unterklassigen Fußball sehen, das kollidiert nur leider immer mit meiner Sendung. Ich würde auch gerne meinen alten Stammverein, den SC Weyhe, öfters sehen, oder den alten Traditionsverein Bremer SV - da passieren am Rand immer schöne Geschichten.

Stichwort Videobeweis: Wie sehen Sie die Sache?

Zeigler: Ich bin da geteilter Meinung. Den Grundgedanken, dass Vereine nicht mehr benachteiligt werden sollen, finde ich gut. Es könnte ja sein, dass Vereine wegen einer dummen Fehlentscheidung absteigen. Da werden dann Weichen gestellt, von denen sich ein Verein vielleicht nie wieder erholt. Ich war nur von Anfang an skeptisch, was die Umsetzung angeht, weil alle Modelle sehr in den Fußball eingreifen. Es geht eigentlich nur, wenn das Spiel nicht zu lang unterbrochen wird, aber genau das passiert jetzt. Außerdem ist es problematisch, wenn die Videoschiedsrichter das Spiel genauso sehen wie wir am Fernsehen. Bei der vierten Perspektive bekommen sie einen Eindruck, der ganz anders ist als der, den sie in der zweiten Perspektive hatten. Dann steht man vor dem gleichen Problem wie vorher, nur dass die Fehler von anderen Leuten gemacht werden. Auch die jetzt als Allheilmittel geforderte Challenge, das Trainer dreimal pro Spiel eingreifen dürfen, sehe ich kritisch. Das wird schnell dazu führen, dass das als taktisches Mittel missbraucht wird.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Sendung?

Zeigler: Wir würden gern auf unserem neuen Sendeplatz um 22.15 Uhr bleiben, den uns der WDR seit dieser Saison gegeben hat. Zuvor kamen wir mal um halb zwölf, manchmal auch erst viertel vor. Am Anfang waren wir gefühlt ein totales Underground-Nischen-Produkt; jetzt haben wir das Gefühl, dass die Sendung eine Marke ist, die bestehen soll und wird. Noch ist aber nicht klar, wie lange wir auf dem neuen Sendeplatz bleiben. Ein größerer Wunsch ist, dass es in der jetzigen Konstellation weitergeht. Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Sendung unter solchen Bedingungen wie ein Biotop vom WDR gepflegt wird. Wir haben viele Freiheiten, und ich bin nach so vielen Jahren mit allen Redakteuren eng befreundet. Wir arbeiten in derselben Kombination seit zehn Jahren zusammen, die Leute sind mir ans Herz gewachsen. Es fühlt sich an wie eine Klassenfahrt, auf der man zusammenhockt und Ideen entwickelt. Die Sendung und die Leute sind ein zentraler Teil meines Lebens. Ich hoffe, das bleibt noch lange so.

Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs" läuft sonntags um 22.15 Uhr im WDR und hier.

Zur Person

Arnd Zeigler (52), Moderator, Autor und Sportjournalist, ist in Bremen geboren und aufgewachsen. 1989 begann Zeigler als Moderator für den Radiosender Bremen Vier zu arbeiten. Von 1992 bis 2001 war er ebenfalls im Hörfunk beim WDR tätig, wo er seit 2007 seine Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ im Fernsehen moderiert. Parallel arbeitet Zeigler bei seinem Lieblingsverein Werder Bremen als Stadionsprecher. Der Sportjournalist des Jahres 2011 ist Vater zweier Kinder und lebt mit seiner Freundin in Bremen – ganz in der Nähe des Weserstadions.

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