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Auf den Spuren von Henry und Vieira: Der FC Arsenal gehört plötzlich wieder zu den Spitzenteams

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Von: Maximilian Bülau

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Martin Ödegaard.
Lenker im Offensivbereich: Arsenal Londons Norweger Martin Ödegaard. © Adrian Dennis/afp

Nur Manchester United. Nur Manchester United hat es in dieser Saison bislang geschafft, gegen den FC Arsenal zu gewinnen.

Der Fußball-Erstligist aus London hat eine bemerkenswerte Wandlung hinter sich. Wurden die Gunners vor Kurzem noch von Moderator und Fan Piers Morgan als Trümmerhaufen bezeichnet, sind sie nun die große Überraschung der Spielzeit, führen die Tabelle der Premier League mit acht Siegen aus neun Spielen an – mit einem Zähler Vorsprung auf Manchester City.

In den vergangenen fünf Jahren hat Arsenal, dieser Klub, der nicht nur Mitte der 2000er mit Thierry Henry, Patrick Vieira, Robert Pirès, Freddie Ljungberg und Dennis Bergkamp begeisterte und 2004 ohne Niederlage Meister wurde, nie besser als Platz fünf abgeschlossen. Ergo: Der langjährige Dauergast der Champions League musste sich mit dem Trostpreis abfinden. Der heißt Europa League, hat aber so gar nichts mit der verlockenden Europa aus der griechischen Mythologie zu tun. Heute treffen die Londoner in diesem Wettbewerb auf die Norweger von Bodö/Glimt, Spitzenspiel in Gruppe A (18.45 Uhr/Dazn). Perspektivisch sollen die Gegner aber freilich wieder Barcelona, Bayern und Paris heißen.

Dass das bereits im kommenden Jahr der Fall sein könnte, zeigt Arsenal derzeit Woche für Woche. Erst im letzten Ligaspiel fuhr das Team von Trainer Mikel Arteta einen 3:2-Erfolg gegen den FC Liverpool ein, hat nun die vergangenen acht Heimspiele in der Premier League allesamt gewonnen, dabei 24 Tore erzielt. Unentschieden gehören dabei so gar nicht ins Portfolio der Gunners. In dieser Saison gab es noch kein einziges, in der vergangenen Spielzeit in 38 Partien der Premier League nur drei.

Der Weg zurück nach oben hat bei Arsenal dabei mit Geduld und Vertrauen zu tun. Rund drei Jahre ist es her, dass der ehemalige Bundesliga-Profi Granit Xhaka als Kapitän abgesetzt wurde, weil er die Fans beschimpfte. Erst Arteta begnadigte den Schweizer, als er die Londoner im Dezember 2019 übernahm. Die Arsenal-Anhänger wurden noch einmal richtig laut, als die Eigenüberfamilie Kroenke die Idee einer Super League unterstützte.

Arteta selbst stand beim Traditionsklub schon mehrfach vor dem Aus. Doch er durfte bleiben und mit ihm die Idee des Ballbesitzfußballs, die er als Co-Trainer von Pep Guardiola aufgesogen hatte. Zu Arsenal wollte diese zunächst aber so gar nicht passen. Rund zwei Jahre dauerte es, bis der Kader auch an die Pläne des Spaniers angeglichen wurde, die Fußballer seine Wünsche verstanden hatten.

Klar, auch Arsenal hat im internationalen Vergleich immer viel Geld ausgegeben. Im Vergleich mit den anderen englischen Topteams wie City, United, Chelsea oder Liverpool aber nicht. Und der große Unterschied: Statt fertige Stars zu verpflichten, setzen die Gunners fast durchweg auf Talente, Spieler mit Entwicklungspotenzial. Es ist kein Zufall, dass Stürmer Gabriel Jesus und Außenverteidiger Oleksandr Zinchenko, beide kamen im Sommer von City, sich bestens eingefunden haben, schließlich kennen sie von Ex-Trainer Guardiola die Anforderungen bestens. Jesus wird vom Herzstück des Arsenal-Teams gefüttert: Martin Ödegaard, Gabriel Martinelli und Bukayo Sako, ein Norweger, ein Brasilianer, ein Engländer, 23, 21 und 21 Jahre alt.

Am meisten hervor sticht dabei wohl Sako, eines der größten Talente des englischen Fußballs. Der Offensivmann benötigte ein Jahr, um den Elfmeter-Fehlschuss im Heim-EM-Finale 2021 zu verdauen. Gegen Liverpool traf er zuletzt doppelt – einmal per Strafstoß. Insgesamt ist dieses Arsenal-Team mal wieder hochinteressant, hochtalentiert – und hungrig. Gut vorstellbar, dass es beim Marathon in der Premier League am Ende noch nicht für den Titel reicht. Aber es könnte auch gut sein, dass es noch länger heißt: nur United. (Maximilian Bülau)

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