"Wenn's läuft, dann läuft's"

Augsburger Wunder: Jetzt Spitzenspiel gegen Bayern

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Die Augsburger sind das Überraschungsteam der Liga. Foto: Rolf Vennenbernd

Köln - Die fast wundersame fußballerische Entwicklung des FC Augsburg steuert dem vorläufigen Gipfel entgegen. Als nächstes geht's gegen den FC Bayern.

Wer auch immer prophezeit hätte, dass das 60-Kilometer-Nachbarschaftsduell des 15. Spieltags zur Top-Partie zwischen dem Nicht-mehr-Underdog und dem großen FC Bayern wird - er wäre der maßlosen Übertreibung bezichtigt worden. Trainer Markus Weinzierl wollte das Lächeln gar nicht mehr vergehen. Nach dem Vereinsrekord des vierten Erstligaerfolgs in Serie mit dem 2:1 (0:1) beim 1. FC Köln reckte er die Faust in die kalte Luft des Rheinlands. "Wenn's läuft, dann läuft's", befand er.

Die Münchner sind gewarnt. "Es spielt der Erste gegen den Dritten. Wir werden mit sicherlich großem Respekt nach Augsburg gehen", beteuerte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. "Keiner hat damit gerechnet vor der Saison, dass Augsburg jetzt auf dieser Position steht", fügte der Boss des Tabellenführers vor dem unverhofften Liga-Knüller am Samstag hinzu.

Manager Stefan Reuter versprach im Doppelpass bei Sport1: „Der Trainer hat mir gesagt, dass der Sieg gegen die Bayern letztes Jahr keine Eintagsfliege war. Wir werden uns für nächste Woche was einfallen lassen.“

Die Augsburger Profis feierten nach den Premierentreffern im FCA-Trikot durch Nikola Djurdjic (53.) und den fünf Minuten zuvor eingewechselten Alexander Esswein (90.) mit den Fans. Gemeinsam hüpften sie wie kleine Kinder, denen die tanzende "Augsburger Puppenkiste" so richtig Spaß macht. Da hoben sie ab - in der Realität des Fußballs tut das keiner.

"Wir haben keine Angst"

"Das ist eine überragende Momentaufnahme. Und jetzt haben wir ein überragendes Spitzenspiel", kommentierte der defensive Mittelfeldmann Daniel Baier, sagte aber auch: "Wir halten den Ball flach. Wir haben noch immer größten Respekt vor der Liga."

Muss eigentlich nicht sein. Denn wer so cool und erfolgreich agiert wie die Weinzierl-Auswahl, müsste selbst mit allerhöchstem Respekt beäugt werden. Der Rekordmeister indes sei am Samstag "haushoher Favorit", ließ Weinzierl wissen, ehe er ergänzte: "Wir haben keine Angst und lassen uns keine Angst machen."

Wird es gar ein Spiel um mehr? Um die Meisterschaft? "Ja, genau", witzelte Djurdjic. Und worin besteht das Erfolgsgeheimnis? Der Serbe wusste die Antwort sofort: "Wir haben keinen Superstar in der Mannschaft, sondern kämpfen einfach zusammen." Jeder ordne sich dem Erfolg unter, erläuterte der erfahrene Halil Altintop im ZDF-Sportstudio: "Das macht uns extrem stark."

Man müsse "die Kirche im Dorf lassen", vertraute Torwart-Routinier Alexander Manninger dem ZDF an. Reuter machte sich und den Seinen mit heiserer Stimme dennoch Mut, gegen Pep Guardiola und Co. nicht freiwillig den krassen Außenseiter zu geben. "Die Chance auf einen Sieg hat man immer", meinte der einstige Nationalspieler, um dann zu bemerken: "Die Bayern spielen in einer eigenen Liga."

In Augsburg nehmen sie's mit Besonnenheit und Gelassenheit, lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Wie beim 3:1 gegen Hamburg machten sie den Rückstand wett, obschon Weinzierl nach dem 0:1 von Köln vor 48 500 Zuschauern durch Anthony Ujahs fünften Saisontreffer (13.) festhielt, "dass es irgendwie auch glücklich war".

Aber verdient, trotz des späten Siegtreffers. Denn es erstaunt schon, dass ein Auswärtsteam vor der Pause 70 Prozent Ballbesitz hat und insgesamt auf 65 Prozent kommt. Angesichts einer derartigen Dominanz glaubt Altintop, dass gegen den Tabellenführer "alles möglich ist. Es ist ein Highlight für uns - wir werden die Punkte nicht herschenken." Weinzierl: "Wir lassen's laufen, so lange es geht."

In Köln ist die Aufstiegseuphorie nach der vierten Heimniederlage längst gewichen, man weiß: Es geht nur noch gegen den Abstieg. Trainer Peter Stöger befand den späten K.o. als "sehr bitter". "Sehr frustrierend und enttäuschend", sagte der Nigerianer Ujah. Der ehemalige Augsburger Kevin Vogt, in Shorts, oben ohne und auf Socken, schüttelte im Kabinengang neben seinem einstigen FCA-Kollegen Tobias Werner nur noch den Kopf. "Ich kann es immer noch nicht fassen", hielt er fest. Klar ist: Für den FC wird es ganz schwer, trennen ihn doch nur drei Punkte vom Tabellenende.

dpa

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