Stars sind auch eine Machtfrage

Messi will weg: Barcelona bröckelt

Wandgemälde von Lionel Messi in Barcelona.
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Wandgemälde von Lionel Messi: Dieses ist an einem Empanada-Laden in Barcelona zu sehen.

Will man die Situation von Lionel Messi und dem FC Barcelona auf das normale Leben runterbrechen, dann klingt das so.

Es war diese Beziehung zwischen zwei Menschen, bei der jeder Außenstehende dachte, dass sie ewig halten würde. Dass sie füreinander bestimmt seien. Aber der Außenstehende bekommt nicht mit, was in den eigenen vier Wänden passiert. Dass diese Beziehung langsam bröckelt. Nur geht es bei Messi und Barca nicht um zwei Menschen, sondern um einen Fußballer und seinen Klub. Den Klub, für den er seit 20 Jahren spielt.

Und natürlich geht es nicht nur um irgendeinen Fußballer und irgendeinen Klub. Es geht um den vielleicht besten Profi derzeit, aller Zeiten – zumindest um einen der besten Akteure, der dieses Spiel jemals zelebriert hat. Messi, dieser Zauberer am Ball aus Argentinien, kam mit 13 Jahren aus seiner Heimat nach Spanien, um Europa zu erobern. „La Pulga“, der Floh, der in der Pubertät Wachstumshormone bekam, damit er überhaupt 1,70 Meter groß wird. Der heute 33-Jährige ist der Beweis, dass Größe nicht gleich Länge ist. Besonders lang ist er nicht, dieser Messi. Ziemlich groß aber schon.

Nun will Messi Barcelona verlassen. Sein Vertrag ist noch ein Jahr gültig. Der Spieler sagt, er habe eine Klausel, durch die er ablösefrei wechseln dürfe. Der Klub sagt, diese Klausel sei abgelaufen. Dem Vernehmen nach möchten die Spanier Messi noch umstimmen. Und sollte das nicht möglich sein, dann will sich Barcelona den Abgang seiner Lebensversicherung mit 222 Millionen Euro – dieselbe Summe, die Paris für Neymar überwies – vergüten lassen.

Dass Messi wechseln wird, ist wahrscheinlich. Wenn er etwas haben will, dann hat er es meistens bekommen. Es gab Zeiten in der Nationalmannschaft, in denen Messi bestimmt haben soll, wer in der Startelf steht. Zumindest sagte sein Ex-Trainer bei der Albiceleste, Jorge Sampaoli, mal: Das ist nicht meine Mannschaft, das ist die Mannschaft von Messi.“

Trainer des FC Barcelona ist seit kurzer Zeit der Niederländer Ronald Koeman. Und der soll nicht unbedingt dazu beigetragen haben, dass der Floh im spanischen Zirkus bleiben möchte. Auch dies ist nur eine Überlieferung, aber Koeman soll so viel gesagt haben wie: „Schluss mit deinen Privilegien. Es wird Zeit, dass du alles fürs Team tust.“ Messis Privilegien waren zum Beispiel, dass er über den Platz schlurfen durfte, unbeteiligt. Und nur dann teilnahm, wenn es nach vorn ging.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass diese Freiräume seinem Spiel gutgetan haben. Er sorgte für die entscheidenden Momente – weil er eben weltklasse ist. Nicht erst beim 2:8 gegen die Bayern zeigte sich aber, dass die Mannschaft hinter Messi nicht mehr gut genug ist, um ihm diese Freiräume zu lassen. Wenn er nicht mitmacht, dann reichen auch seine besonderen Aktionen nicht länger aus.

In Barcelona ist die Zeit für einen Umbruch gekommen. Luis Suarez soll weg. Ivan Rakitic auch. Arturo Vidal sowieso. Der Kader ist überaltert. Und Messi mit 33 Jahren auch nicht mehr der Jüngste. Und doch soll er bleiben. Die Frage steht auch im Raum, wer für einen 33-Jährigen noch 222 Millionen Euro bezahlen würde? Vielleicht nicht ganz so viel, aber mehr als 100 Millionen wird sicherlich ein Klub hinblättern. Ähnlich wie bei Cristiano Ronaldos Wechsel von Real Madrid zu Juventus Turin. Denn Messi hat einen Marketingwert, den nur wenige Fußballer haben. Seine Trikots werden millionenfach verkauft. Und spülen Millionen Euro in die Kasse.

Messi wird aber auch immer eine Machtfrage sein. So ist es in Spanien. Im Jahr 2000 sicherte sich ein gewisser Florentino Pérez, der Architekt der späteren „Galacticos“, den Posten des Präsidenten bei Barca-Rivale Real Madrid, indem er den Fans Luis Figo versprach. Der spielte eben für Barcelona. Pérez hielt Wort und wurde gewählt. Derzeit gehen die Barca-Fans auf die Straße und protestieren gegen den Wechsel von Messi. Sollte er Spanien verlassen, ist der Abgang von Präsident Josep Maria Bartomeu eine Frage der Zeit. Barcelona bröckelt wie ein ungepflegtes Gemälde. (Maximilian Bülau)

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