Was hinter dem Klub steckt

Mit besten Grüßen des Präsidenten: Basaksehir Istanbul ist erstmals türkischer Meister

Großer Jubel: Spieler und Verantwortliche feiern die erste Meisterschaft von Basaksehir Istanbul.
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Großer Jubel: Spieler und Verantwortliche feiern die erste Meisterschaft von Basaksehir Istanbul.

Nach dem 1:0-Sieg am Sonntag stand es fest: Einen Spieltag vor dem Saisonende hat sich Basaksehir Istanbul erstmals die Meisterschaft in der Süper Lig – der ersten türkischen Fußball-Liga – gesichert.

Einen Titelträger aus Istanbul ist man dort gewohnt. Meistens heißt dieser jedoch Galatasaray, Fenerbahce oder Besiktas. Der Klub wurde erst 1990 gegründet, stieg 2007 erstmals in die erste Liga auf und gehört dieser – mit einem Jahr Unterbrechung nach dem Abstieg 2013 – seitdem an. Basaksehir ist eng mit Präsident Recep Tayyip Erdogan verbunden. Wir schauen, was noch hinter diesem Klub steckt.

Die Meisterschaft

Durch die Niederlage von Verfolger Trabzonspor hätte Basaksehir auch verlieren können. Mit sieben Punkten Vorsprung ist dem Klub, der von Okan Buruk trainiert wird, der erste Titel nicht mehr zu nehmen. Für Basaksehir ist die Meisterschaft der größte Erfolg in der jungen Geschichte.

Überhaupt gab es vorher erst fünf Titelträger in der Süper Lig, Basaksehir ist der sechste. Zum Vergleich: In der Bundesliga sind es zwölf – was allerdings auch an sieben unterschiedlichen Meistern in den ersten sieben Jahren liegt. Letztmals hieß der Erste der Süper Lig nach 34 Spieltagen 2010 nicht Gala, Fener oder Besiktas. Damals sicherte sich Bursaspor aus Bursa die erste und bislang einzige Meisterschaft.

Die Mannschaft

Trotz der Meisterschaft steht Basaksehir vor einem Umbruch. Die Mannschaft ist mit einem Altersdurchschnitt von 30 in die Jahre gekommen. Gleich 14 Spieler sind über 30. Dazu zählt auch Demba Ba (35), der zweitbeste Torschütze des Klubs, der in der Bundesliga aus seiner Zeit bei Hoffenheim bekannt ist. In Junior Caicara (Schalke), Berkay Özcan (Hamburg und Stuttgart) sowie Eljero Elia (Bremen und Hamburg) sind drei weitere Akteure in Deutschland aktiv gewesen.

Daneben ist der Kader gespickt mit einigen großen Namen, die ihre besten Tage allerdings hinter sich haben. Im Angriff wirbelt der mittlerweile 36 Jahre alte Brasilianer Robinho nicht mehr ganz so quirlig wie zu Beginn seiner Karriere. Robinho wurde 2017 von einem Mailänder Gericht zu einer neunjährigen Haftstrafe verurteilt, weil er in Italien an einer Gruppenvergewaltigung beteiligt gewesen sein soll. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, allein das seine Heimat keine Bürger ausliefert, rettete ihn vor dem Gefängnis.

Mit Martin Skrtel (35) und Gael Clichy (34) stehen zudem zwei erfahrene Premier-League-Abwehrspieler im Kader. Das größte Talent, der Türke Irfan Can Kahveci, steht vor dem Abgang zu einem Topklub.

Der Präsident

Beliebt ist Basaksehir in der Türkei allerdings nicht, auch wenn der Klub etwas Abwechslung in die Liga bringt. Das liegt vor allem an der Nähe zum türkischen Präsidenten Erdogan und seiner Partei AKP. Vereinsboss Göksel Gümüsdag ist mit der Nichte von Erdogans Frau verheiratet und Mitglied der AKP, war früher Parteifunktionär. Der Präsident selbst behauptet, Gründungsmitglied des Klubs zu sein, der 1990 als Betriebsmannschaft der Istanbuler Stadtverwaltung entstanden war.

Zu Heimspielen kamen vor der Coronakrise nur etwa 3000 Zuschauer. Die Hauptsponsoren werden von staatlichen Einrichtungen gelenkt. Erdogan twitterte kurz nach der feststehenden Meisterschaft seine Grüße und Glückwünsche. Bei einem Promikick anlässlich der Stadioneinweihung vor sechs Jahren erzielte der Präsident nach 0:3-Rückstand sogar selbst mal einen Dreierpack. Wer nun meint, an Erdogan sei vielleicht ein guter Fußballer verloren gegangen, dem sei gesagt: Russlands Präsident Wladimir Putin reitet auch nicht immer auf einem Bären durch die Gegend.

Die sechs Meister

Galatasaray (22 Titel)

Fenerbahce (19)

Besiktas (15)

Trabzonspor (6)

Bursaspor (1)

Basaksehir (1)

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