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Bernd Neuendorf will am Freitag DFB-Präsident werden

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Von: Maximilian Bülau, Manuel Kopp

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Einer von zwei Kandidaten für den Posten des DFB-Präsidenten: Bernd Neuendorf.
Einer von zwei Kandidaten für den Posten des DFB-Präsidenten: Bernd Neuendorf. © Imago/photothek

Bernd Neuendorf ist einer von zwei Kandidaten für das Amt des DFB-Präsident. Wir stellen ihn im Portrait vor.

Einen Tag, bevor wir mit Bernd Neuendorf sprechen, der am 11. März gern DFB-Präsident werden möchte, neben Peter Peters einer von zwei Kandidaten ist, kommt eine Studie heraus. Veröffentlicht wurde diese von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und der Hochschule Ansbach. Es geht um den Deutschen Fußball-Bund. 11 725 Menschen haben teilgenommen. Nur 12,4 Prozent der Befragten war Bernd Neuendorf vor seiner Kandidatur bekannt. Der 60-Jährige sieht das entspannt: „Ich habe vorher im bundesweiten Fußball keine große Rolle gespielt. Deswegen beunruhigt mich diese Zahl nicht“, sagt er.

Es ist 9 Uhr am Morgen. Neuendorf sitzt – irgendwo – wahrscheinlich am Mittelrhein, wo er Präsident des Fußball-Verbandes ist. Sein Hintergrund gibt keinen Aufschluss. Er hat eine Vorlage eines Videokonferenz-Anbieters genutzt, die eine Fabrikhalle zeigt.

Wer nach Bildern mit Bernd Neuendorf sucht, hat es gar nicht so leicht. Auf den wenigen, die es gibt, ist er im Anzug zu sehen. Krawatte. Weißes Hemd. Aus seiner Zeit als Politiker. Bis 2012 war er Landesgeschäftsführer der SPD in Nordrhein-Westfalen, vorher Pressesprecher für die Partei in mehreren Funktionen, später Staatssekretär im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport in NRW. Bis 2017. Neuendorf ist eigentlich Journalist. In Bonn und Oxford studierte er Neuere Geschichte, Politikwissenschaften und Soziologie, arbeitete nach einem Volontariat bei der Nachrichtenagentur Reuters für die Associated Press in Frankfurt. Er war Korrespondent für verschiedene Zeitungen, wurde anschließend stellvertretender Chefredakteur der Mitteldeutschen Zeitung. 2003 ging es in die rote Politik.

An diesem Morgen nun hat Neuendorf seinen Anzug gegen einen grauen Pullover mit kurzem Reißverschluss und ein Hemd eingetauscht. Die Brille sitzt auf dem kahlen Kopf, er selbst etwas schief im Stuhl. Ich bin ein lockerer Typ, soll das vielleicht signalisieren. Das Gespräch ist es auf jeden Fall.

Neuendorf erzählt von seiner Begeisterung für den Fußball, die in seiner Kindheit ihren Ursprung nahm. In der tiefsten Eifel sei er aufgewachsen, wie bei den meisten habe von klein auf der Ball im Mittelpunkt gestanden. Wegen einer schwierigen Kniegeschichte habe er früh aufhören müssen. Heute sei er leidenschaftlicher Fan von Alemannia Aachen, 1996 habe er die deutsche Nationalmannschaft für den Gewinn der Europameisterschaft persönlich in London gefeiert.

Neuendorf gilt als der Kandidat der Amateure bei dieser Wahl. Er ist der Favorit. Er schaue sehr gern auf die Amateurplätze, sagt er. Bei einer möglichen Wahl will Neuendorf ansprechbar sein, den Kontakt zu Vereinen pflegen. Derzeit sei er aber auch unterwegs, um mit den Profivereinen zu sprechen. Er wolle den gesamten Fußball repräsentieren. Diplomatisch. Da kommt der Politiker durch. Eine konkrete Lösung für das Ende des Chaos-Verbandes DFB hat er nicht parat. Er sagt nur: „Es ist wichtig, dass Ruhe einkehrt, wir alle auf einen Nenner kommen.“ Er beschäftige sich lieber mit Fußballthemen als mit Streitereien.

Ob er Angst habe, dass ihn der Posten des Präsidenten wie schon seine Vorgänger der näheren Vergangenheit verschlingt? Dass er gegen bestehende Strukturen und das System nicht ankommt? „Respekt muss man haben. Gerade vor so einer Aufgabe. Aber ich habe mir das sehr gut überlegt, was das persönlich für mich bedeutet. Ich bin da nicht reingestolpert“, versichert er. Helfen werde ihm sein Team, das betont er immer wieder. Zu diesem gehört zumindest was die Wahl angeht ein gewisser Rainer Koch, derzeit Übergangspräsident, sonst Vize und seit Jahren überall vertreten und zuhause, wo es Schnittchen auf die Hand und Reden für die Ohren gibt.

Koch war es, der sich mit dem ehemaligen Präsidenten Fritz Keller angelegt hatte. Am Ende dieser Auseinandersetzung hatte Keller die Fassung verloren, Koch beleidigt und musste schließlich zurücktreten. Koch sei nun mal der Kandidat aus dem süddeutschen Fußball-Verband. Er selbst habe da keinen Einfluss drauf. Das stehe so in der Satzung des DFB, erklärt Neuendorf. Punkt. Begeisterung klingt anders.

Neuendorf weiß, dass das Ansehen des DFB zuletzt gelitten hat. Wenn er gewählt werde, würde er so etwas wie einen Vertrauensvorschuss bekommen, dem er Taten folgen lassen müssen, sagt er. Worte mit einer großen Hülle. Ob Inhalt drinsteckt? Neuendorf verrät es nicht. Themen hat er aber: die durch die Pandemie entstandenen Probleme an der Basis im Blick haben, Vollauslastung im Profisport, die EM im eigenen Land 2024. In seinem Verband habe man zuletzt bei den Jüngsten gemerkt, dass die Lust auf Fußball wieder gestiegen sei.

Dass die gesamte Basis ihren Präsidenten wählen darf, davon hält Neuendorf übrigens nichts. Die Wahl zum DFB-Präsidenten sei ein repräsentatives System, nachvollziehbar.

Neuendorf ist sich sicher: Sollte er gewählt werden, dann werden sich deutlich mehr Menschen mit seiner Person beschäftigen als bislang. Als er das sagt, schaut er direkt in die Kamera seines Übertragungsgerätes, Handy, Tablet oder Computer. Sonst schaut er meist an ihr vorbei, nachdenklich in den Raum. Dann schaut er auf die Uhr. Die Zeit ist knapp. Neuendorf nimmt sie sich gerade für so viele wie möglich. Dadurch wird sie rar. Es ist Wahlkampf. Auf Nachfrage versichert er aber, es sei seine Uhr, auf die er ständig schaue. Er muss schmunzeln. Lacht. Reinhard Grindel hatte das nicht ganz so streng gesehen. Das sagt er nicht. Wir denken es. Alle. (Maximilian Bülau und Manuel Kopp)

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