Interview über den Pokal und das Spiel gegen Wolfsburg

Bielefelds Tom Schütz: Ein bisschen Ausnahmezustand

Gewohntes Bild im DFB-Pokal: Die Spieler von Arminia Bielefeld feiern – hier nach dem Coup gegen Mönchengladbach. Foto:  dpa

Den DFB-Pokal hat bislang noch kein Drittligist gewonnen. Womöglich schreiben die Fußballer von Arminia Bielefeld diesmal Geschichte.

Um nach Berlin zu kommen, müssen die Ostwestfalen aber erst mal die Hürde VfL Wolfsburg im heutigen Halbfinale nehmen (20.30 Uhr/ARD). Klingt unmöglich? Nicht für die Bielefelder. Immerhin haben sie mit Berlin, Bremen und Gladbach drei Bundesligisten bereits bezwungen. Warum also nicht auch den Tabellenzweiten? Darüber sprachen wir mit Mittelfeldspieler Tom Schütz.

Herr Schütz, glauben Sie, dass die Wolfsburger vor Bielefeld zittern? 

Tom Schütz: Das kann ich mir nicht vorstellen. Aber sie werden Respekt haben. Wir sind ja nicht nur mit Dusel ins Halbfinale eingezogen. Wir werden nicht umsonst Pokalschreck genannt.

Wie fühlt man sich denn so als Pokalschreck? 

Schütz: Es gibt tatsächlich Schlimmeres, als Pokalschreck zu sein. Mit der Bezeichnung kann ich gut leben. Wir haben uns diesen Titel schließlich erarbeitet.

Geht Ihr Puls schon schneller mit Blick auf das Halbfinale gegen Wolfsburg? 

Schütz: Eigentlich nicht. Für uns ist das ein Bonusspiel. Wir können nur gewinnen. Und ich freue mich wie Bolle. Unmittelbar vor dem Anpfiff wird bei mir die Anspannung steigen. Das ist aber bei jedem Spiel so.

Herrscht rund um die Bielefelder Alm etwa eine ganz normale Stimmung? 

Tom Schütz

Schütz: Das Umfeld ist extrem euphorisiert. Gestern waren fünf oder sechs Kamerateams beim Training, die Interviewanfragen haben sich in den vergangenen Tagen gehäuft, wir werden in der Stadt von den Leuten angesprochen, sie klopfen uns aufmunternd auf die Schulter – hier in Bielefeld herrscht schon ein bisschen Ausnahmezustand.

Anders als vor den anderen Pokalspielen?

Schütz: Jetzt ist es nur noch ein Spiel bis Berlin. Das ist ein komplett anderes Gefühl. Die Fans träumen vom Finale. Wir auch. Das wäre der Wahnsinn, wenn wir es bis nach Berlin schaffen. Aber wir versuchen, das erst mal auszublenden.

Berlin, Bremen, Gladbach, nun Wolfsburg – Sie arbeiten sich in der Bundesligatabelle nach oben... 

Schütz: So hab ich das noch gar nicht gesehen. Aber Sie haben recht. Nun ja, nach Wolfsburg gäbe es dann nur noch einen darüber. Ich sag mal so: Mein Traumgegner im Finale wären die Bayern.

Es heißt immer, wenn David auf Goliath trifft, würden bei David zusätzliche Kräfte freigesetzt. Können Sie dieses Pokal-Klischee bestätigen? 

Schütz: Da ist schon was dran. Im Stadion herrscht eine einizgartige Atmosphäre, das pusht und setzt tatsächlich Kräfte frei. Gegen Gladbach war ich am Ende total platt und wurde von Krämpfen geschüttelt – trotzdem fielen mir die Schritte leichter als in anderen Spielen. Sorry, es ist abgedroschen, aber in einem Spiel ist alles möglich. Das macht den Reiz aus. Da gibt man alles. Und wenn man sieht, wie sich die höherklassigen Teams die Zähne ausbeißen, ist das ein geiles Gefühl.

Feiert Bielefeld auch gegen Wolfsburg eine Pokalparty? 

Schütz: Ich hoffe, wir kommen in denselben Rausch wie gegen die anderen Bundesligisten. Wir haben einen tollen Lauf, auch in der Liga, da stehen wir ja kurz vorm Aufstieg. Mit den Erfolgen fällt alles ein bisschen leichter.

Gibt es einen Spieler, auf den Sie sich besonders freuen? 

Schütz: Kevin De Bruyne.

Trikottausch? 

Schütz: Keine Ahnung. Ich werde erst mal in anderer Form an seinem Hemdzipfel hängen.

Elfmeterschießen? 

Schütz: Wenn ich noch laufen kann, würde ich antreten, sofern der Trainer das möchte.

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