1:4 gegen Bremen

Big City Knall: Hertha BSC entlässt Labbadia und Preetz

Bruno Labbadia.
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Das war’s: Hertha BSC und Bruno Labbadia gehen getrennte Wege.

Der Knall kam nicht mehr überraschend in der Big City Berlin. Beim selbst ernannten Big City Klub, was ja schon seit einiger Zeit ein Synonym für den Fußball-Bundesligisten Hertha BSC ist.

Kassel – Seit Lars Windhorst Ende Juni 2019 als Investor in der Hauptstadt eingestiegen ist, sind die Ansprüche gestiegen. Die Hertha hat seitdem – abzüglich der Einnahmen durch Verkäufe – mehr als 100 Millionen Euro in neue Spieler investiert.

Sportlich ging es trotzdem bergab. Nach dem 1:4 gegen Werder Bremen nun so weit, dass der Klub die Notbremse gezogen hat. Trainer Bruno Labbadia wurde entlassen. Zudem ist auch Michael Preetz nicht länger Manager.

Die zweite Personalie eine mit Zündstoff. Preetz ist seit nunmehr 25 Jahre bei der Hertha beschäftigt. Erst als Spieler, dann in offizieller Funktion. Er ist für die Zusammenstellung des Kaders verantwortlich. Und er hat in dieser Saison den teuersten in der Geschichte des Vereins zusammengestellt. Dennoch demonstrierten vor dem Anpfiff der Partie gegen Bremen rund 250 Hertha-Anhänger zwölf Minuten lang – die Veranstaltung war für zwei Stunden angemeldet worden – vor dem Olympiastadion für seine Entlassung. Die Argumente sind vielseitig. Da ist in elf Jahren Amtszeit natürlich wenig sportlicher Erfolg, zwei Abstiege, 13 Trainer, nicht zuletzt der Imageschaden nach der Posse um Jürgen Klinsmann. Der 53-Jährige muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er die vielen Windhorst-Millionen nicht gerade mit Weitblick eingesetzt hat.

Konkret bedeutet das: Windhorst verfügt nun über 66,6 Prozent der Anteile am Klub. Dafür spielen Jhon Cordoba, Alexander Schwolow, Omar Alderete, Deyovaisio Zeefuik, Mattéo Guendouzi, Loucas Tousart, Krzysztof Piatek, Dodi Lukebakio, Matheus Cunha, Santiago Ascacibar, Eduard Löwen und Daishawn Redan in Berlin.

Sechs von ihnen standen gegen Bremen in der Startelf. Die Aufgabe des Trainers muss natürlich sein, aus den vielen Neuzugängen eine Mannschaft zu formen, die den Ansprüchen genügt. Mindestens Europa League – das sollte es schon werden. 17 Punkte aus 18 Spielen lassen dagegen nicht mal Träume vom internationalen Geschäft zu. Hertha steckt im Abstiegskampf. Wieder einmal. So richtig überraschend kommt der ausbleibende Erfolg aber nicht, gibt es im internationalen Fußball doch prominente Beispiele für zusammengekaufte und enttäuschende Mannschaften. Ein Team muss eben wachsen.

Dieses Team wachsen zu lassen, dafür werden nun andere zuständig sein. Sportdirektor Arne Friedrich soll bis zum Saisonende Preetz’ Aufgaben übernehmen. Pal Dardai, der den Klub 2019 verließ, als Windhorst einstieg, ist zumindest als Interimstrainer im Gespräch. Die große Lösung soll dann anders heißen: Ralf Rangnick. Der 62-Jährige könnte ab kommendem Sommer die Jobs von Preetz und Labbadia in Personalunion ausführen, äußerte sich dazu nicht.

Doch vorerst heißt es Abstiegskampf. Und weil die Hertha aus den Spielen gegen Mainz, Freiburg, Schalke, Bielefeld, Köln, Hoffenheim und Bremen zuletzt nur fünf Punkte holte, werden die Aufgaben nicht leichter. Frankfurt, Bayern, Stuttgart, Leipzig und Wolfsburg heißen die kommenden. Und irgendwie keimt der Gedanke: So ganz Unrecht hatte Jürgen Klinsmann vor einem Jahr mit der Kritik an diesem Klub doch gar nicht. Hätte er die richtigen Worte gefunden, hätten ihm vielleicht auch mehr Menschen zugehört. Ganz ohne Big City Knall. (Maximilian Bülau)

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