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Minimalistisch zum Aufstieg: Die Geschichte des FC Südtirol

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Von: Maximilian Bülau

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Der Waltherplatz in Bozen.
Das Zentrum von Bozen: der Waltherplatz mit dem Walther-Denkmal (links) – benannt nach Walther von der Vogelweide. © Imago/Panthermedia

Wer im Fußball in 38 Spielen 49 Tore erzielt, der wird beim Blick auf die Statistik sicher nicht als Aufstiegsfavorit gehandelt.

Wer in 38 Partien aber nur neun Gegentore kassiert, der hat nicht nur einen uralten Rekord eingestellt, sondern gehört ganz sicher zu den heißen Anwärtern auf einen der ersten Plätze. Wer beides vereint? Der FC Südtirol, der seine Heimspiele in Bozen austrägt. Der Klub, der 1995 gegründet wurde, hat erstmals den Sprung in die zweite italienische Liga geschafft. Wir erzählen die Geschichte der Minimalisten aus dem Norden Italiens.

Der Aufstieg

Am Sonntag machte es der FC Südtirol perfekt. Vor dem letzten Spieltag hatte das Team des kroatischen Trainers Ivan Javorcic zwei Punkte Vorsprung auf Verfolger Calcio Padova. Die Partien der beiden Kontrahenten in der Liga endeten jeweils 0:0. Auch im Finale der Coppa Italia Serie C hatte es dieses Duell in Hin- und Rückspiel gegeben. Nach einem 0:0 in der ersten Begegnung gewann Calcio Padova die zweite 1:0 und sicherte sich den Titel. Weil der FC Südtirol nun aber US Triestina durch einen Doppelpack von Daniele Casiraghi 2:0 schlug und Calcio Padova sogar 1:2 gegen Virtus Verona verlor, ging der zweite Titel der Saison nach Bozen. 27 Siege und nur zwei Niederlagen, 90 Punkte gesammelt – eine beeindruckende Saison des Teams aus der beliebten Urlaubsregion.

Die Zahlen

Die Südtiroler zeigten sich in dieser Spielzeit als absolute Minimalisten. Nur 49 eigene Treffer, nur neun Gegentore. Bester Torschütze des Aufsteigers ist Casiraghi mit elf Treffern. Torhüter Giacomo Poluzzi (34) hielt seinen Kasten ganze 29 Mal sauber. Nie – einschließlich des Pokalwettbewerbs – kassierten die Bozener, die ihr modernes Trainingscenter in der Gemeinde Eppan an der Weinstraße haben, mehr als ein Gegentor. 13 Mal gewannen sie 1:0, zehn Mal 2:0, fünf Mal endeten die Partien des FC Südtirol 0:0. Viermal gab es zudem ein 1:1, zweimal ein 0:1, zweimal ein 2:1. Einzige Ausreißer: Gegen US Fiorenzuola 1922 siegten die Bozener erst 4:1 und dann 4:0. Neun Gegentore sind übrigens historisch gut. Der Drittliga-Rekord Italiens, den Reggiana in der Saison 1970/71 aufgestellt hatte, wurde eingestellt. Der Zweite Padova kassierte 17 Treffer mehr.

Die Anekdote

Gegenüber dem Onlineportal SportNews.bz erzählte Manager Hannes Fischnaller vor dem Aufstieg folgende Geschichte: 2013 spielte er selbst für St. Martin (auch aus Südtirol) ebenfalls beim US Triestina in Playoffs um den Aufstieg in die dritte Liga. Das Stadion Nereo Rocco von Triest mit 30 000 Sitzplätzen zähle zu den pompösesten und schönsten ganz Italiens. Die Spieler von St. Martin reisten damals allesamt in Lederhosen an, marschierten so ins Stadion ein und sorgten damit für Aufsehen. Hintergrund: Die autonome Provinz Südtirol gilt in Italien als gallisches Dorf, hat seit 1972 Selbstverwaltungsrechte. Andersrum steht auf der Webseite suedtirol.de beispielsweise, dass die italienische Lebensweise in weiten Teilen der Südtiroler Bevölkerung als verpönt gelte. Kurzum: Im Rest von Italien wird es ein kleiner Kulturschock sein, wenn demnächst die Fußballer aus den Bergen nach Süditalien kommen.

Die Geschichte

Erst einmal war mit dem AC Bozen in der Saison 1947/48 eine Mannschaft aus Südtirol zweitklassig. Den FC Südtirol wiederum gibt es erst seit 27 Jahren. Dafür übernahm eine Unternehmergruppe den SV Milland, nachdem Verhandlungen mit dem AC Bozen gescheitert waren. Und es ging gleich steil bergauf. Im ersten Jahr übertrafen die Südtiroler sämtliche Landesligarekorde und stiegen ohne Niederlage auf. Auch ein Jahr später gab es eine Meisterschaft und den Sprung in die Serie D zu feiern. Ein wichtiger Schritt gelang schließlich im Jahr 2000 mit dem Aufstieg in Serie C2 – gleichzeitig auch in den Profifußball. Anschließend zog der Klub nach Bozen um. Zehn Jahre später dann der nächste Erfolg, die nächste Meisterschaft – ab sofort waren die Bozener drittklassig. Nach mehreren Versuchen in den Playoffs verhalfen 49 Tore und nur neun Gegentore 2022 nun endlich zum nächsten Aufstieg. (Maximilian Bülau)

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