Das etwas andere Spitzenspiel 

Bremen gegen Berlin: In den Farbtopf gefallen

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Überflieger: Berlins Ondrej Duda. 

Kassel. Dass am fünften Spieltag der Fußball-Bundesliga die Partie zwischen Werder Bremen und Hertha BSC ein Spitzenspiel sein wird – zu erwarten war das nicht. 

Wenn die Berliner heute (18.30 Uhr/Sky) an der Weser antreten, ist das aber ein Duell zwischen dem Zweiten und Vierten.

Werder Bremen

• Der Saisonstart:Ist so gut wie zuletzt 2005/2006. Auch damals blieb Werder zum Auftakt vier Spiele ungeschlagen und wurde am Ende? Vizemeister. Hinter den Bayern und vor – man glaubt es wirklich kaum – dem HSV. Bislang war natürlich auch ein bisschen Glück dabei. Das 1:1 gegen Hannover fiel spät, das 2:1 in Frankfurt noch später, und das 3:2 in Augsburg wurde von Torwart Fabian Giefer mit einer schönen Schleife serviert. Dagegen mussten die Bremer beim 1:1 gegen Nürnberg den Ausgleich in der Nachspielzeit hinnehmen.

• Der Trainer:Knapp ein Jahr ist es her, da stieg Florian Kohfeldt nach der Entlassung von Alexander Nouri zum Cheftrainer auf. Seitdem holte der 37-Jährige in 28 Partien 45 Punkte. Besser waren in dieser Zeit nur der FC Bayern und Schalke 04. Kohfeldt lässt in Bremen wieder attraktiven Ballbesitzfußball spielen – wie zu alten Glanzzeiten. Eine Passquote von 85 Prozent wird derzeit nur in München übertroffen. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings die anfällige Defensive: In 14 Auswärtsspielen unter Kohfeldt blieb Werder nie ohne Gegentor. Auch in dieser Saison stand die Null noch nicht.

• Der Überflieger: Trotz der Anführer auf dem Papier wie Davy Klaassen, Philipp Bargfrede oder Max Kruse ist Maximilian Eggestein die bisherige Entdeckung der Saison – und der heimliche Chef auf dem Platz. Dass der 21-Jährige ein Juwel ist, wussten sie bei Werder schon länger. Nun hat er mit Treffern gegen Nürnberg und Augsburg auch seine Torgefahr unter Beweis gestellt. Und rückt bereits in den Fokus der DFB-Auswahl. Sky-Experte Didi Hamann sagt jüngst im Interview: „Er hat das Potenzial zum Top-Spieler. Meiner Meinung nach muss Jogi Löw ihn auch zur Nationalmannschaft einladen.“

Hertha BSC

• Der Saisonstart: In der Hauptstadt wird derzeit der beste Saisonstart der Vereinsgeschichte gefeiert. Zehn Punkte aus den ersten vier Spielen – das gab es bislang noch nie. 1:0 gegen Nürnberg, 2:0 auf Schalke, 2:2 in Wolfsburg und 4:2 gegen Gladbach. Aus der grauen Maus Hertha BSC ist in dieser Saison ein bunter Farbtopf geworden. Denn die Erfolge sind bislang keineswegs unverdient. Berlin spielt auf einmal begeisternd, Berlin zeigt attraktiven Fußball. Berlin macht Spaß.

• Der Trainer: Pal Dardai übernahm die Hertha 2015 von Jos Luhukay – auf dem 17. Platz. Er schaffte den Klassenerhalt. Und er entwickelte die Mannschaft Stück für Stück weiter. Der Kicker beschrieb den 42-Jährigen in seiner aktuellsten Ausgabe als „Sternzeichen Realist“. Der Ungar ist keiner, der sein Team überschwänglich feiert. Bodenständig, ruhig, abwartend. Die Aussage, man habe jetzt eine Mannschaft, die man genießen könne, kommt da schon überraschend extrovertiert daher. Dardai hat Berlin verändert. Das Team erinnert an die seltenen guten Jahre – Anfang der 2000er. Mit Marcelinho, Sebastian Deisler und Yildiray Bastürk.

• Der Überflieger:Bei der Hertha ragen derzeit einige heraus. Valentino Lazaro. Der pfeilschnelle Außen Javairo Dilrosun. Der alternde Mittelstürmer Vedad Ibisevic, der aber immer noch trifft. Und vor allem ein Mittelfelddreieck um das große deutsche Talent Arne Maier (19), Liverpool-Leihgabe Marko Grujic (22) und den Slowaken Ondrej Duda (23).

Vor allem Duda sticht aber noch einmal heraus. Es ist schon seine dritte Saison in Berlin. Aber das erste Mal kann der 23-Jährige verletzungsfrei spielen – und er hat sich auf die Liga eingestellt. Duda zeigt, warum ihn Dardai unbedingt haben wollte und die Hertha vier Millionen Euro nach Warschau überwies. Vier Tore in den ersten vier Spielen – das gelang in der Bundesliga noch keinem Berliner. Das Wort Überflieger beschreibt Duda perfekt. Der Slowake ist das knallige Rot in Berlins neuem Farbtopf.

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