Streit um Kollektivstrafen

Zoff mit DFB kurz vor Eskalation: Fans drohen mit Spielabbrüchen - auch Bayern und BVB betroffen?

Gefährliche Gemengelage: Zwischen der Fanszene und dem DFB sind die Fronten verhärtet.
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Gefährliche Gemengelage: Zwischen der Fanszene und dem DFB sind die Fronten verhärtet.

Fans contra DFB - am 25. Spieltag geht dieses Duell in die nächste Runde. Die womöglich mit härteren Bandagen ausgefochten wird. Die Fanszene schreckt offenbar auch vor Spielabbrüchen nicht zurück.

  • Im Streit mit dem DFB kündigt die Fanszene weitere Aktionen rund um die Bundesligaspiele an.
  • Auch Abbrüche der Partien würden in Kauf genommen.
  • Die Supporter stellen eine deutliche Forderung an den Verband.

Update von 14.45 Uhr: Der DFB gerät ins Kreuzfeuer der Kritik. Denn nach den Fans geht auch der Präsident von Union Berlin auf Konfrontation zum Verband. Dirk Zingler, für seine Fannähe bekannt, moniert den Zickzackkurs der Spitze in der Bild (Artikel hinter einer Bezahlschranke): „Ich glaube, der DFB hat in den vergangenen Jahren seine natürliche Autorität verloren.“

Dabei sieht er diverse Anlässe für die Entwicklung - etwa die Nationalmannschaft. Hier sei versucht worden, „mit ganz viel Marketing eine Marke zu kreieren und ein Bild zu zeichnen, das nichts mit der Realität in den Stadien zu tun hat“. Problematisch sei zudem der ständige Wechsel an der DFB-Spitze - „das steht im Kontrast zu erfolgreichen Vereinen, die durch Kontinuität überzeugen“. Auch aus diesen Gründen habe der DFB „den Kontakt zu und das Verständnis für die Mehrheit der Fußballfans, insbesondere der Stadionbesucher, verloren“.

Um der aktuellen Entwicklung entgegenzuwirken, sieht Zingler auch die Vereine in der Pflicht: „Ich würde sogar sagen, es ist ihre ureigenste Aufgabe, mit den Fanszenen und den Zuschauern ein vernünftiges Miteinander zu organisieren. Wir Vereine sind jetzt gefordert, dessen ist sich auch die DFL bewusst, die dem DFB ja schon auch zeigt, wie man diverse Dinge im heutigen Fußball handhaben kann.“

Der Union-Boss fordert: „Wir müssen miteinander reden, anders geht es nicht.“ Der DFB müsse sich jedoch weiterentwickeln, um wirklich eine Lösung herbeizuführen - wobei er aktuell „leider wenig“ vom Verband erwarte: „Der DFB ist dabei, sich neu aufzustellen und zu strukturieren. Ich hoffe und wünsche ihm, dass Fritz Keller den richtigen Weg findet.“

Findet klare Worte in der aktuellen Situation im deutschen Profifußball: Dirk Zingler ist seit 2004 Präsident von Union Berlin.

Fanproteste gegen DFB/Hopp: Spielabbrüche werden in Kauf genommen - auch Bayern und BVB betroffen?

Erstmeldung vom 6. März, 11.16 Uhr:

München - Der Bundesliga droht ein weiteres unruhiges Wochenende. Und das nicht etwa wegen der Gefahr, die vom Coronavirus ausgeht. Vielmehr könnte es wie bereits am vergangenen Spieltag zu von Fans provozierten Unterbrechungen der Partien oder diesmal sogar Abbrüchen kommen. Das lässt sich aus einem Schreiben des Zusammenschlusses „Fanszenen Deutschlands“ an den DFB schlussfolgern.

Der Brief verdeutlicht erneut, wie verhärtet die Fronten sind, nachdem der Verband entgegen seiner Ankündigung zuletzt wieder auf das eigentlich verpönte Mittel der Kollektivstrafen zurückgegriffen hatte, nachdem sich Anhänger von Borussia Dortmund einmal mehr mit Plakaten auf Dietmar Hopp, Mäzen von 1899 Hoffenheim, eingeschossen hatten.

Fanproteste gegen DFB/Hopp: Forderung der Aufhebung der Strafe gegen BVB-Fans

Nun wandten sich also diverse Ultra-Gruppierungen unter dem Titel „Kollektivstrafen zum 'Schutze' eines Milliardärs - der DFB zeigt erneut sein wahres Gesicht“ an den größten nationalen Sportfachverband der Welt. Der Verbund fordert darin die „sofortige Aufhebung der gegen Borussia Dortmund ausgesprochenen Zuschauerausschlüsse“. Wegen immer wieder gegen den Milliardär gerichteter Schmäh- und Hassplakate wurden die BVB-Supporter für zwei Jahre von Bundesligaspielen in Sinsheim ausgesperrt

Nun kündigt der Fan-Verbund an: „Wir Fans werden die Praxis vom letzten Spieltag nicht so einfach hinnehmen und im Zweifel weiter Unterbrechungen und auch Abbrüche in Kauf nehmen.“ Am 24. Spieltag waren diverse Partien - darunter gleich zweimal das Duell zwischen Hoffenheim und dem FC Bayern - wegen schriftlicher oder verbaler Schmähungen aus den Kurven gegen Hopp unterbrochen worden. Dabei folgten die Schiedsrichter dem vorgegebenen Drei-Stufen-Plan, demzufolge ein Spiel beim dritten Fehltritt vorzeitig beendet wird. Im Viertelfinale des DFB-Pokal blieb es dagegen weitgehend ruhig. Nun könnten sogar die Spiele von Borussia Dortmund bei Borussia Mönchengladbach und/oder vom FC Bayern gegen den FC Augsburg betroffen sein. Zumal sich die Lager der beiden erfolgreichsten deutschen Klubs der vergangenen Jahre zuletzt lautstark in Szene gesetzt hatten.

Fanproteste gegen DFB/Hopp: Vorwurf einer Paralleljustiz bei Bestrafungen

Weiter heißt es in dem Fan-Schreiben: „Die tatsächliche Schande der vergangenen Wochen liegt im Verhalten der Verbände, allen voran des DFB. Zuerst wurden die öffentlichkeitswirksam ausgesetzten Kollektivstrafen wieder eingeführt. Wohlgemerkt, in einer von einem Fußballfachverband geschaffenen Paralleljustiz.“ Dies sei eine „verfassungswidrige Art der Bestrafung“ und „mit unserem Verständnis von Demokratie nicht in Einklang zu bringen“. Folglich „offenbart er (der DFB) nicht nur erneut sein verzerrtes Bild von Rechtsstaatlichkeit, sondern beweist auch eindrücklich, dass er nur solange an Veränderungen und Dialog interessiert ist, solange sein Geschäft nicht ernsthaft gestört wird“.

In dem Vorgehen des DFB sieht die Fan-Vereinigung „die Bekämpfung unserer Fankultur und unserer Werte“. Zudem wird betont: „Die Profiteure des Geschäfts 'Fußball' versuchen mit diesem scheinbar verfänglichen Thema die Fankurven zu spalten, um letztlich die aktiven Fanszenen zu entfernen.“ Die „Fanszenen Deutschlands“ schreiben sich schließlich auf die Fahnen, „stets den Finger in die Wunde (zu) legen und sich für demokratische Vereine, effektive Mitbestimmung im Fußball, für den Erhalt der 50+1-Regel, für bezahlbare Eintrittskarten und fangerechte Anstoßzeiten“ einzusetzen. Nur dies lasse „uns Fans die Identifikation mit diesem Sport noch halbwegs gelingen“.

Fanproteste gegen DFB/Hopp: Kampf gegen „wirklich hässliche Gesichter des Fußballs“ 

Neben der Abschaffung der Kollektivstrafen fordert der Fan-Verbund auch den Kampf gegen die „wirklich hässlichen Gesichter des Fußballs“. Schon das riecht nicht nach baldiger Versöhnung. Ebenso wie die Unterzeichnung des Schreibens mit den vor Hass triefenden Worten „Fick dich, DFB!“

Es droht also die nächste Eskalationsstufe im Streit zwischen Fanszene und dem Verband. Der deutsche Profifußball steht vor einer Zerreißprobe.

Umfrage: Können Sie die Reaktion der Fans im Streit mit dem DFB nachvollziehen?

Nach dem Stadion-Eklat in Sinsheim startet der FC Bayern eine neue Kampagne. In der Debatte um die Schmähungen leistet sich Mario Basler in einer TV-Sendung eine Entgleisung.

Nach dem Eklat von Sinsheim hielt Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge eine aufsehenerregende Rede. Auch Manuel Neuer soll im Stadion erneut Ziel von Beleidigungen gewesen sein.

“Wenn Feuer mit Benzin bekämpft wird“ - auf tz.de* findet sich ein Kommentar zum Thema.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

mg

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