Fußball-Bundesliga

Haaland-Wucht und Coutinho-Ballett: So könnte die Rückrunde verlaufen

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Viele Clubs waren an ihm dran: Erling Haaland.

Die Rückrunde der Fußball-Bundesliga startet heute (17.01.2020). Dietmar Hamann spricht über die bisherigen Überraschungsteams und über mögliche Absteiger.

  • Die Rückrunde der Fußball-Bundesliga startet heute (17.01.2020).
  • RB Leipzig hat unseren Fußball-Experten Dietmar Hamann bisher am positivsten überrascht.
  • Zu den wichtigsten Neueinkäufen zählt Dortmunds Neuzugang Erling Haaland.

Wer hat Sie bislang überrascht? Wer könnte noch überraschen?

Positiv RB Leipzig. Unter Julian Nagelsmann spielt das Team konstant, es hat das System verfeinert. Negativ Eintracht Frankfurt. Wieder viele Spiele gehabt, dazu sind einige Verletzungen gekommen. Ich hoffe, dass es glimpflich ausgeht. Es sind schon bessere Mannschaften abgestiegen. Aber die Qualität ist da, die Pause hat sicher gutgetan. Überraschen in beide Richtungen kann nun Bremen. Kohfeldts Fußball passt nicht zum Abstiegskampf. Dafür ist die grundlegende Situation zu brenzlig. Er möchte seinen Stil aber auch nicht komplett über den Haufen werfen.

Wo muss der nächste Trainer gehen?

Es wird drei, vier Spieltage dauern. Wer dann nichts gezeigt hat, da wird es für den Trainer eng. Ich wünsche es keinem, muss aber wieder auf Kohfeldt zurückkommen. Unter ihm hat Bremen den alten Werder-Fußball wieder gespielt. Vorn viele Tore, hinten viele Gegentore. Im Abstiegskampf braucht eine Mannschaft aber die Grundtugenden. Ein Trainerwechsel kann für die letzten zehn oder zwölf Spiele immer ein Mittel sein. Steffen Baumgart sitzt dagegen in Paderborn fest im Sattel. Der geht auch wieder mit in die zweite Liga, wenn es so kommen sollte.

Wer steigt ab?

Paderborn und Düsseldorf sind schon die schwächeren Teams. Für Düsseldorf ist es das zweite Jahr, das ist immer das schwierigere. Paderborn hat die schlechtesten Voraussetzungen was Etat, Stadion und Kader angeht. Platz 15 würde ich bei beiden ausschließen. Aber Platz 16 ist immer drin, wenn es bei einer anderen Mannschaft mal gar nicht läuft.

Was kann man von Dortmunds Einkauf Erling Haaland erwarten?

Eigentlich braucht jeder Spieler Anlaufzeit, aber er ist jung und unbekümmert. Ich habe ihn in dieser Saison schon zweimal in der Champions League gesehen. Er ist schon eine enorme Wucht. Seine Größe und dazu die Geschwindigkeit. Er ist ein ganz anderer Typ als Götze, Alcácer oder Reus, die das im Sturmzentrum bislang gespielt haben. Er ist eine Toplösung, und ich denke nicht, dass er auf der Bank sitzen wird. Mit ihm im Zentrum und den ganzen spielerischen Typen drumherum, wird der BVB eine andere Qualität haben.

Viele Erwartungen ruhen auf ihm: Philippe Coutinho.

Landet Schalke am Ende vor Dortmund?

Nein, ich sehe Dortmund als eine Mannschaft unter den besten Vier, Schalke unter den besten Sechs. Der Wagner-Hype hat Schalke in der Hinrunde getragen. Die Spieler haben über ihren Verhältnissen gespielt. David Wagner passt aber als Trainer gut zu Schalke und hat viele Elemente reingebracht, die der Mannschaft liegen.

Wer liegt im Hauptstadtduell am Ende vorn?

Für Union geht es nur um Platz 15 oder 16. Zuhause haben sie das super gemacht bislang. Aber jetzt wissen alle, worauf sie sich einstellen müssen. Hertha wird sich auch durch die Transfers fangen, da werden noch ein oder zwei Spieler in den kommenden Wochen geholt. Union wird weiter hinten stehen, aber ich wünsche dem Team den Klassenerhalt.

Auf welchen Spieler freuen Sie sich besonders?

Bayerns Philippe Coutinho. Ich hoffe, dass er richtig aus sich herauskommt. Er ist ein fantastischer Spieler. Seine Ballbehandlung, das ist ja fast wie Ballett.

Und wer wird am Ende Deutscher Meister?

Eine Mannschaft in Rot-Weiß. Also Leipzig oder München. Gladbach ist dafür nicht stabil genug. Sie haben vor allem auswärts immer wieder Ausreißer.

Zur Person: 

Matthias Hamann (51) ist früherer Bundesliga-Profi. Von 2005 bis 2008 trainierte er den KSV Hessen Kassel. Derzeit ist er als Scout für Eintracht Frankfurt im Einsatz. Hamann lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Kassel. 

Die wichtigsten Wintertransfers 

Erling Haaland 

Viele Topklubs waren an ihm dran, Borussia Dortmund hat ihn schließlich bekommen. Dass Sturmjuwel Erling Haaland sich für den BVB entschied, sagt viel darüber aus, welche Wahrnehmung sich der Revierklub mittlerweile erarbeitet hat. Dortmund ist der Verein für den nächsten Schritt – und überzeugt auch durch die Stadionatmosphäre. Haaland, 19 Jahre alter Norweger, hat das zumindest so gesehen. Für vergleichsweise läppische 20 Millionen Euro holte ihn der BVB aus Salzburg und schloss so auch die Lücke im Sturmzentrum.

Exequiel Palacios

Fast lautlos hat Bayer Leverkusen im Winter tief in die Geldbörse gegriffen und den Argentinier Exequiel Palacios für 20 Millionen Euro verpflichtet. Palacios ist 21 Jahre alt, kommt von River Plate Buenos Aires und unterschrieb beim Werksklub bis 2025. In den ersten Tests überzeugte der zentrale Mittelfeldspieler direkt. In der Liga muss Palacios aber erst noch zuschauen, weil er eine Sperre von drei Spielen mitbringt. Weil im Sommer ein Wechsel von Kai Havertz erwartet wird, ist Palacios eine Investition in die Zukunft.

Munas Dabbur

Für Salzburg traf der Israeli Munas Dabbur wie er wollte, wurde zweimal Torschützenkönig in Österreich. Seit seinem Wechsel nach Sevilla im vergangenen Sommer lief es aber nicht mehr rund. Auch deshalb hatte Hoffenheim wohl die Chance auf eine Verpflichtung des Angreifers – und schlug zu. Dabbur kostete die Kraichgauer zwölf Millionen Euro. Gerade im Sturmzentrum hatte die TSG in der Hinrunde viele Sorgen. Ishak Belfodil fällt aus, Andrej Kramaric war lange raus. Da kommt ein Knipser wie Dabbur geraden zur richtigen Zeit.

Santiago Ascacibar

Santiago Ascacibar ist Argentinier. Ein 22 Jahre junger Argentinier. Da ist es wohl normal, dass es mit ihm manchmal durchgeht. Aber sieht man von seiner Sammlung Gelber Karten mal ab, dann bleibt ein 1,68 Meter kleiner Mittelfeldmotor und -zerstörer. Einer, der nun zurück in der Bundesliga ist. Mit dem VfB Stuttgart stieg Ascacibar im vergangenen Sommer ab. Hertha BSC mit Neu-Trainer Jürgen Klinsmann sicherte sich jetzt die Dienste des 22-Jährigen für stolze zehn Millionen Euro. Den Gegnern der Hertha wird das nicht gefallen.

Marin Pongracic

Marin Pongracic ist Kroate, wurde aber in Landshut geboren und spielte in der Jugend für den FC Bayern München und Ingolstadt. Anschließend ging es über 1860 München zu RB Salzburg. Nun zieht es den 22 Jahre alten Innenverteidiger zurück nach Deutschland. Allerdings nicht in den Süden, sondern in den Norden. Der VfL Wolfsburg bezahlte zehn Millionen Euro für Pongracic. Der soll die beste Abwehr der Liga – zusammen mit Gladbach – zumindest in der Breite verstärken. In Salzburg fehlte der Kroate lange wegen Verletzungen.

Kevin Vogt

Werder Bremen wollte viel und schaffte fast nichts. Vorletzter nach der Hinrunde – so das niederschmetternde Zwischenfazit. Der Vorwurf an die Norddeutschen hieß dabei häufig: Ihr seid doch viel zu brav. Trainer Florian Kohfeldt hatte sich deshalb einen positiv arroganten Spieler gewünscht. Und er hat in Kevin Vogt wohl einen dieser Marke bekommen. Der Ex-Kapitän der TSG Hoffenheim wurde für ein halbes Jahr ausgeliehen und soll der löchrigen und von Verletzungen geplagten Defensive der Hanseaten Stabilität verleihen.

Mark Uth 

Dass Mark Uth vor gar nicht so langer Zeit mal als Stürmer für die Nationalmannschaft gehandelt wurde, ist derzeit kaum vorstellbar. Nach einer starken Saison für die TSG Hoffenheim wechselte der 28 Jahre alte Angreifer 2018 zu Schalke 04 – und erzielte seitdem in der Bundesliga genau zwei Tore, in dieser Saison nicht eins. Nun wird der geborene Kölner in seiner Heimatstadt zurückkehren und versuchen, es für den Effzeh besser zu machen. Zumindest bis zum Sommer. Dann endet die Leihe. Dann beginnt die EM. Wohl ohne Uth.

Von Maximilian Bülau

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