Jahresrückblick mit Bundesliga-Fußballer

Marvin Friedrich von Union Berlin über sein Jahr 2019: „Ich habe es gern etwas ruhiger“

Derbysieg: Marvin Friedrich (rechts) und Christopher Lenz bejubeln das 1:0 gegen Hertha.
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Derbysieg: Marvin Friedrich (rechts) und Christopher Lenz bejubeln das 1:0 gegen Hertha.

Er ist mit Union Berlin aufgestiegen und hat eine starke Hinrunde in der Fußball-Bundesliga gespielt: Marvin Friedrich. Ein Gespräch über sein Sportjahr 2019.

Längst ist der aus dem nordhessischen Guxhagen stammende Innenverteidiger eine feste Größe bei den Köpenickern – er verpasste nur eine von 17 Partien. Wir haben mit dem 24-Jährigen über sein Sportjahr 2019 gesprochen.

3:1 gegen Dortmund, 1:0 im Derby gegen die Hertha und 2:0 gegen den damaligen Spitzenreiter Mönchengladbach – müssen Sie sich manchmal zwicken?

Es ist schon etwas überraschend, wie manche Spiele in dieser Saison gelaufen sind. Nach der Auftaktniederlage gegen Leipzig mussten wir uns erst mal ein bisschen schütteln. Als Mannschaft müssen wir in jedem Saisonspiel ans Limit gehen, um in der Fußball-Bundesliga zu bestehen. Wenn wir das schaffen, wird es vor allem zuhause an der Alten Försterei für alle Gegner schwer, drei Punkte mitzunehmen. Der Sieg gegen Borussia Dortmund und der Erfolg im Derby waren aber wirklich unbeschreiblich.

War die schönste Partie aber die gegen Ex- und Lieblingsklub Schalke?

Natürlich war es für mich etwas Besonderes, auf Schalke zu spielen, und ich habe mich gefreut, in Gelsenkirchen auflaufen zu können. In der Bundesliga ist für uns aber jedes Spiel ein Highlight.

Kann man als Bundesligaprofi überhaupt Fan von einem anderen Bundesligaklub sein?

Ein großartiges Spiel: Am 23. November gewinnen Marvin Friedrich (rechts) und Union Berlin gegen den damaligen Tabellenführer Borussia Mönchengladbach mit Marcus Thuram (links).

Als kleiner Junge war ich auf jeden Fall Fan von Schalke 04. Und ich war sehr stolz, für diesen Klub spielen zu dürfen. Heutzutage verfolge ich natürlich meine Ex-Vereine und dabei vor allem weiter Schalke. Fan bin ich aber nicht mehr.

Drehen wir die Zeit noch einmal zurück. In der vergangenen Saison standen sie in allen 34 Zweitligaspielen und in der Relegation in der Startelf. Wann haben sie erstmals realisiert, dass der Aufstieg wirklich drin ist?

Nachdem wir im Jahr davor eine wirklich schwierige Saison hatten, war es im vergangenen Jahr das Ziel, uns tabellarisch zu verbessern und spielerisch weiterzuentwickeln. Im Laufe der Saison haben wir gemerkt, dass wir auch ganz oben mithalten können. Gerade nach dem Sieg gegen den HSV war der Glaube da, etwas Großes schaffen zu können.

Der persönliche Traum mit Union drohte dann noch einmal zu platzen, als Augsburg im Sommer eine Rückkaufoption für sie zog. Wie haben Sie diese Tage erlebt?

Ich habe immer gesagt, dass ich mich bei Union sehr wohl fühle und nicht nach Augsburg zurückkehren möchte. Nach Gesprächen mit beiden Vereinen hat einiges darauf hingedeutet, dass es zu einer Einigung kommen wird. Als Spieler wünscht man sich aber natürlich, dass es so schnell wie möglich passiert. Insgesamt war ich aber überzeugt davon, dass es klappt, und deshalb war ich auch einigermaßen entspannt.

Sie haben sich in dieser Zeit in Kassel fitgehalten und angeblich im Hof gekickt. Stimmt das denn wirklich?

Das ist richtig. Ich war bei meiner Familie und habe dort an meiner Fitness gearbeitet. Ab und an habe ich dabei auch gegen den Ball getreten.

Endlich fest in Berlin ging das erste Saisonspiel 0:4 gegen Leipzig aus. Beginnt man da zu zweifeln?

Das war wirklich ein Nackenschlag. Trotzdem waren wir überzeugt, dass wir eine gute Mannschaft haben. Wir mussten uns zu Saisonbeginn erst noch ein bisschen zurechtfinden, Leipzig hingegen hat schon am ersten Spieltag gezeigt, welche Qualität es hat.

Beschreiben Sie einmal das Besondere an Union. Was macht den Klub zum Kultklub?

Das ist gar nicht so leicht zu sagen. Union ist ein bisschen wie eine Familie, auch wenn diese Aussage wahrscheinlich für viele Vereine gilt. Trotz des Aufstiegs hat sich der Verein nicht verändert. Unglaublich viele Leute kennen sich hier, es gibt einen guten Austausch zwischen Fans und Spielern. Selbst bei schlechten Spielen wird man hier nicht ausgepfiffen, sondern angefeuert. Der Zusammenhalt bei Union ist wirklich extrem groß, im ganzen Klub und im Stadion herrscht immer eine sehr positive Atmosphäre.

Wie ist das Leben in Berlin, wo ja alles ein bisschen größer ist als anderswo?

Berlin bietet unzählige Möglichkeiten. Egal, ob man gerne essen geht oder sich für Kunst und Kultur interessiert. In Berlin ist immer was los, diese Stadt schläft gefühlt nie. Ich habe es aber eigentlich gern etwas ruhiger, deshalb wohne ich auch nicht im Zentrum, sondern eher in Stadionnähe.

Welche Ziele haben Sie sich für das Jahr 2020 gesetzt?

Ich wünsche mir vor allem Gesundheit für mich, meine Familie und meine Mitspieler. Ansonsten will ich unbedingt mit Union Berlin die Klasse halten. Das ist mein Ziel für 2020.

Und irgendwann ist die A-Nationalmannschaft doch auch eine Option, oder?

Die Nationalmannschaft ist wahrscheinlich der Traum eines jeden Spielers, damit befasse ich mich aktuell aber nicht. Ich möchte mich stetig weiterentwickeln und in der Mannschaft meine Leistung bringen. Und dann werden wir sehen, was die Zukunft bringt.

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Zur Person

Marvin Friedrich (24) wurde in Kassel geboren und ist in Guxhagen mit drei Geschwistern aufgewachsen. Bruder Steffen ist Teammanager beim KSV Hessen Kassel, Schwester Melissa spielt Fußball bei Bayer 04 Leverkusen, Schwester Carolin ist Leichtathletin.

Marvin Friedrich begann beim FSC Guxhagen und OSC Vellmar mit dem Fußballspielen und kam dann über den SC Paderborn, FC Schalke 04 und FC Augsburg zu Union Berlin. Dort gelang dem Innenverteidiger der Durchbruch. Sowohl im Aufstiegsjahr als auch jetzt in der Bundesliga zählt er zum Stammpersonal.

Von Thorsten Kohlhaase

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