Vorm Bundesliga-Abstiegskampf gegen Augsburg

Paderborns Abwehrchef Sebastian Schonlau im Interview: "Traum ist wahr geworden"

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Große Freude: Sebastian Schonlau bejubelt mit aufgerissenen Augen seinen ersten Bundesligatreffer. Er erzielte den 2:0-Endstand gegen Fortuna Düsseldorf. Kai Pröger (links) kommt zum Gratulieren.

Sebastian Schonlau ist der Abwehrchef beim SC Paderborn. Am Samstag wartet in der Fußball-Bundesliga gegen den FC Augsburg Abstiegskampf pur. Wir haben mit ihm gesprochen.

Im Interview schaut der 25-Jährige aus Warburg (Ostwestfalen) auf das Spiel, auf die Saison des Aufsteigers und spricht über die Vorfreude auf die Partie danach in Dortmund.

Herr Schonlau, was können Erstligisten besser als Zweitligisten?

Die erste Liga ist athletischer, Fehler werden deutlich schneller bestraft und die Spieler sind im Kopf etwas schneller. Es ist nochmal ein ganz anderes Tempo, als man es aus der zweiten Liga kennt.

Trotzdem hält der SC Paderborn weiter am offensiven Spielstil fest, der ihn in den letzten zwei Spielzeiten ausgezeichnet hat?

Ja, auf jeden Fall. Das ist unser System, das passt zu uns und hat uns erfolgreich gemacht. Es ist ja klar, dass negative Stimmen aufkommen, gerade jetzt, wo es wie in Hoffenheim (0:3 d.Red.) nicht so lief. Das ist für uns aber kein Grund, davon abzuweichen. Wir sind überzeugt, dass unser Spielstil zu mehr Erfolg als Misserfolg führt.

Niedergeschlagen: Sebastian Schonlau (2. von links) führte den SC Paderborn bei der TSG Hoffenheim als Kapitän aufs Feld, am Ende hieß es 0:3. Auch Sebastian Vasiliadis (von links), Luca Kilian und Laurent Jans sind enttäuscht.

Sie haben am 7. Spieltag beim 1:2 gegen Mainz nach überstandener Fußsehnenverletzung ihr Bundesligadebüt gefeiert. Wie wackelig waren die Knie?

Das war natürlich ein besonderes Spiel für mich. Von der ersten Liga träumen ziemlich viele, ich natürlich auch. Ich habe mich sehr darüber gefreut, mir diesen Traum erfüllen zu können. Deswegen war ich bestimmt ein bisschen aufgeregter als sonst. Die Niederlage war ärgerlich, für mich war es dennoch ein schöner Tag.

Gegen Fortuna Düsseldorf gab es am 9. Spieltag den ersten Saisonsieg. Sie trafen mit ihrem ersten Bundesligator zum 2:0-Endstand, wurden zudem vom Kicker in das Team der Woche gewählt. Was ging in den Tagen in Ihnen vor?

Was beim Tor in mir vorging, ist ganz schwer zu sagen. Man konnte ja sehen, dass ich mit der Situation überfordert war und nicht wusste, wie ich jubeln soll. Es war ein riesiger Moment, ich hab mich wahnsinnig gefreut. Dass ich so schnell mein erstes Bundesligator schieße, hätte ich auch nicht für möglich gehalten. Die Tage danach taten uns allen richtig gut – auch mit Blick auf die Tabelle.

Was hat der Sieg gegen Düsseldorf bewirkt?

Es war sehr wichtig für uns, zu sehen, dass wir auch ein Spiel gewinnen können. Man hat zwar die ganze Zeit den Glauben daran, aber je mehr Niederlagen dazukommen, desto größer wird automatisch der Zweifel. Die Serie mit acht sieglosen Spielen zuvor tat schon weh, deshalb war der Sieg wichtig für uns.

Sebastian Schonlau vom SC Paderborn verlängert beim 2:0-Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf eine Flanke ins Tor. Torhüter Zack Steffen und Andre Hoffmann haben das Nachsehen.

Sie bilden mit Luca Kilian ein junges Duo in der Innenverteidigung. So eine Chance bekommt man in der Bundesliga nur selten.

Daran sieht man, dass der Trainer nicht auf Namen oder Alter achtet. Es funktioniert ganz gut mit Luca, obwohl wir bisher nur wenig zusammengespielt haben. Wir wissen aber auch, dass hinter uns mit Christian Strohdiek und Uwe Hünemeier zwei erfahrene Spieler lauern, die auch gern spielen wollen und so für Konkurrenz sorgen. Das ist wichtig.

In der Jugend in Warburg und auch beim SCP waren Sie Offensivspieler. Wie kam es zur Umschulung zum Abwehrchef?

Das ist in der 3. Liga entstanden, als nicht ganz klar war, wie es mit mir weitergeht. Das Trainerteam hat mir offen gesagt, dass sie mich nicht im Mittelfeld und eher in der Innenverteidigung sehen. Das war anfangs ein Schock für mich, ich hab zuvor immer im Mittelfeld oder weiter vorne gespielt. Im Nachhinein war es das Beste, was mir passieren konnte. Mittlerweile bin ich Innenverteidiger durch und durch und hätte eher ein Problem damit, wieder vorne zu spielen.

In Hoffenheim haben Sie zum ersten Mal die Mannschaft als Kapitän aufs Feld geführt.

Eigentlich sind Strohdiek, Hünemeier und Klaus Gjasula die ersten Kapitäne. Klaus war in Hoffenheim gelbgesperrt, deshalb bin ich eingesprungen. Ich habe aber auch zuvor schon die Binde von Klaus übernommen, als er ausgewechselt wurde.

Am Samstag kommt der FC Augsburg nach Paderborn, ein extrem wichtiges Duell im Abstiegskampf.

Das ist ein wichtiges Spiel, aber: Für uns steht im Vordergrund, unsere Leistung auf den Platz zu bringen. Erst dann können wir uns nach dem Gegner richten. Augsburg hat auch keine einfache Zeit im Moment. Wir treten zuhause mit Selbstvertrauen auf. Für uns gilt, unseren Fußball zu spielen, den Spaß zu entwickeln und dann mit Aggressivität und Leidenschaft die Punkte zu behalten.

Nach der Länderspielpause geht es nach Dortmund. Freitagabend, Flutlicht, 80 000 Zuschauer. Wie groß ist die Vorfreude?

Das ist natürlich riesig. Ich freu mich total, dass das Spiel freitagabends ist. Flutlichtspiel in Dortmund, das finde ich total geil. Im Westfalenstadion aufspielen zu können – boah, da gibt es schon wenig Sachen, die da drüber kommen. Deswegen freue ich mich wie die ganze Mannschaft riesig darauf.

Zur Person: Sebastian Schonlau

Sebastian Schonlau (25) kommt aus Warburg und hat dort das Fußballspielen gelernt. In der C-Jugend wechselte er zum SC Paderborn, kehrte noch einmal nach Warburg zurück und ging im A-Jugendalter wieder zum SCP. 

Sebastian Schonlau schreit seine Freude über den 2:0-Heimsieg gegen Fortuna Düsseldorf am 9. Spieltag heraus. Mit seinem ersten Bundesligator erzielte er den Endstand.

Dort wurde er 2016/17 in der 3. Liga Stammspieler in der Abwehr. Schonlau studiert BWL an der Euro-FH Hamburg.

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